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Angst vor dem Schwindel

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Eine Leserin wird immer wieder von Schwindel geplagt und kann ohne Medikamente nicht mehr schlafen. Lesen Sie die Antwort des Experten, was gegen Schwindel am besten hilft und warum man sich der Angst stellen muss.

„Ich bin 70 Jahre alt, schlank und soweit recht fit. Ich mache fast täglich etwas für die Gesundheit, indem ich laufe und velofahre.

Nun hatte ich im März 2013 einen Drehschwindel. Mein Hausarzt meldete mich zum MRI an. Das Ergebnis lautete: Die Durchblutung zum Kopf ist dem Alter entsprechend nicht mehr sehr gut. Im Frühling 2014 bekam ich wieder Drehschwindel.  Darauf ging ich zur Ohrenärztin, zum Herzspezialisten und zum Neurologen. Den Drehschwindel bekam ich mit Übungen von der Ohrenärztin in den Griff. Der Neurologe hat die Hirnströme gemessen und verschrieb mir ein Ginkgo-Präparat. Das Herz war in Ordnung. Von nun an ging es mir nie mehr richtig gut, und der diffus-schwindlige Kopf ist immer da. Man probierte es mit beruhigenden und angstlösenden Medikamenten. Im März 2015 meldete mich der Neurologe für ein zweites MRI an. Nun hiess es, dass sich die Durchblutung in den Kopf verschlechtert habe. Diese Diagnose macht mir sehr grosse Angst, sodass ich keinen Appetit und etwa sechs Kilo abgenommen habe. Können Sie mir einen guten Rat geben?“

Das sagt Christian Seeher, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am Sanatorium Kilchberg:

Tritt ein Drehschwindel zum ersten Mal auf, ist eine ausführliche Abklärung sehr wichtig. Wie Sie beschreiben, gehört dazu eine fachärztliche Untersuchung durch Neurologen, Kardiologen und ORL-Spezialisten. Der häufigste Grund für einen plötzlich aufgetretenen Drehschwindel ist ein sogenannter paroxysmaler Lagerungsschwindel, der von einer Störung im Gleichgewichtsorgan kommt. Die Symptome sind sehr unangenehm und auch beängstigend, lassen sich aber durch Lagerungsmanöver, die auch bei Ihnen gemacht wurden, recht gut behandeln. Auch wenn die Symptome sehr stark sein können – Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen – muss Sie diese Erkrankung nicht verängstigen, da sie sehr gut zu behandeln ist. Es kann allerdings sein, dass es durch diese akuten wiederholten Schwindelattacken zu einer Angst vor einem erneuten Anfall kommt. Der Schwindel ist dann häufig diffus, was sich wie ein Schwanken oder eine Art Benommenheit anfühlt.

Lassen sich keine weiteren organischen Ursachen finden, liegt meist ein sogenannter phobischer Schwankschwindel vor. Das ist die häufigste psychische Nebenwirkung von akuten Schwindelereignissen. Zentrales Symptom dabei ist die Angst und Unsicherheit, dass der akute Schwindel zurückkehrt.

Therapeutisch ist wichtig, sich zu bewegen. Es empfiehlt sich, sich regelmässig sportlich zu betätigen, Treppen zu steigen und Gleichgewichtsübungen zu machen. Eine physiotherapeutische Unterstützung mit einem gezielten Gang- und Standtraining kann sinnvoll sein. Zudem ist meist eine psychotherapeutische Begleitung in Form einer Verhaltens- oder Gesprächstherapie hilfreich, um die aufkommenden Ängste gezielt erkennen und behandeln zu können. Auch eine medikamentöse Therapie kommt je nachdem in Frage, am besten mit Antidepressiva, weil diese Medikamente sehr gut gegen die unterschiedlichen Angstsymptome helfen. Zudem werden depressive Begleitsymptome mitbehandelt. Eine Behandlung mit beruhigenden und angstlösenden Bendzodiazepinen sollte nur im Notfall erfolgen, da sie einerseits abhängig machen und andererseits die Angst aufrecht erhalten können, wenn sie ihre Wirkung verlieren. Angst therapiert man dadurch, dass man sich ihr stellt und diese damit nachlässt. Dieser Mechanismus wird durch die Gabe von Benzodiazepinen unterbrochen.

Durchblutungsstörungen im Gehirn sind ab einem bestimmten Alter nicht selten, führen aber meist zu keinen Beeinträchtigungen. Es ist wichtig, das Gespräch mit dem behandelnden Neurologen zu suchen und sich über die Befunde gut aufklären zu lassen.

Weitere Informationen: www.sanatorium-kilchberg.ch