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Aus dem Takt

Herzstolpern, Herzrasen und ungeklärte Todesfälle. Dr. David Altmann (links im Bild), ­Oberarzt Kardiologie am Kantonsspital St. Gallen, erklärt die verschiedenen Herzrhythmusstörungen im Detail.

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Mit Herzrhythmusstörungen meint man eine fehlerhafte Abfolge der Herzschläge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und Erregungsleitung im Herzmuskel. Herzrhythmusstörungen können ungefährlich, aber sehr unangenehm und beängstigend sein; sie können aber auch zum Tod führen. Herzrhythmusstörungen treten einzeln auf – wir sprechen von Extra- oder Zwischenschlägen – oder machen sich als anhaltendes Herzrasen bemerkbar. Sie können in den Vor- oder Hauptkammern entstehen, regelmässig oder unregelmässig sein, bei Kindern und Erwachsenen auftreten, von selbst aufhören oder sie sind nur durch eine medizinische Massnahme zu stoppen.

Ein Kurzschluss im Herz

Die meisten Herzrhythmusstörungen werden durch kreisende elektrische Ströme durch überzählige Leitungsbahnen – eine Art Kurzschluss – oder durch Fehlzündungen einzelner Herzmuskelzellen verursacht. Auch äussere Einflüsse wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder Störung der Blutsalze können zu Herzrhythmusstörungen führen. Die Beschwerden sind sehr individuell. So kann dieselbe Herzrhythmusstörung unbemerkt bleiben oder starke Symptome verursachen.

Die Befragung des Patienten ist bei Herzrhythmusstörungen entscheidend. Wichtig zu wissen ist jedoch: Die Schwere der Symptome korreliert nicht mit dem Schweregrad. Herzrhythmusstörungen können in grossen zeitlichen Abständen voneinander auftreten, zeitlich gehäuft bis mehrmals täglich, und dann wieder lange nicht oder abhängig von der Tageszeit.

Unterschiedliche Symptome

Manche Herzrhythmusstörungen beginnen plötzlich und enden ebenso abrupt wieder oder werden als Klopfen im Hals verspürt. Etliche Patienten können angeben, ob der Puls unregelmässig oder regelmässig ist. Eine Verbindung mit körperlicher Anstrengung kann ein Hinweis sein sowie Herzstolpern, Aussetzer, kurzdauerndes Druckgefühl oder ein Gefühl der Leere wie bei einzeln auftretenden Zwischenschlägen. Auch Schwindel, Atemnot oder eine Leistungsminderung während des Herzrasens werden häufig angegeben, sind aber unspezifisch. Ein Bewusstseinsverlust ist ein alarmierendes Zeichen, besonders, wenn es zu ernsthaften Verletzungen kommt. Solche Fälle sollten unbedingt im Krankenhaus abgeklärt werden. Nicht jede Ohnmacht wird aber durch eine bösartige Herzrhythmusstörung verursacht. Auch gutartige Herzrhythmusstörungen können durch einen raschen Blutdruckabfall zu einem Bewusstseinsverlust führen.

Wichtig ist auch die Familiengeschichte. Herzrhythmusstörungen werden zwar nicht direkt vererbt, jedoch gewisse Genmutationen, welche Herzrhythmusstörungen auslösen. Deshalb kann es von Interesse sein, ob es sogenannte plötzliche und ungeklärte Todesfälle bei Verwandten, besonders in jungen Jahren gibt. Gewisse Herzrhythmusstörungen kommen eher bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor und sind meist harmlos, aber lästig, andere eher beim alternden Menschen.

Die Methoden der Abklärung

Das EKG ist der wichtigste Schritt bei der Abklärung von Herzrhythmusstörungen. Weil diese zum Zeitpunkt des Arztbesuches aber meist nicht zutage treten, macht man ein sogenanntes Langzeit-EKG mit einem tragbaren Gerät, das die Herzstromkurve kontinuierlich aufzeichnet. Der Patient führt währenddessen ein Beschwerdetagebuch, in dem Art, Datum und Zeit der Beschwerden notiert werden. Manchmal dient diese Abklärung auch dazu, dem Patienten aufzuzeigen, dass seine Beschwerden nicht durch eine Herzrhythmusstörung verursacht werden. Rund die Hälfte aller verspürten Herzrhythmusstörungen sind nämlich gar keine.

Eine elegante Methode, Herzrhythmusstörungen zu erfassen, die nur selten auftreten, ist das Einpflanzen eines winzigen EKG-Gerätes unter die Haut der linken Brustwand, womit eine bis zu dreijährige EKG-Registrierung möglich wird. Das Einpflanzen dauert lediglich 15 Minuten. Diese Methode wird auch häufig zur Abklärung von unklarem Bewusstseinsverlust angewandt. Eine weitere Möglichkeit ist das Belastungs-EKG, das während einer körperlichen Anstrengung auf dem Fahrrad- oder Laufband-Ergometer beim Arzt aufgezeichnet wird.

Sollte Herzrasen nicht mehr von selbst aufhören und noch nie mittels EKG erfasst worden sein, muss man rasch zu einem Arzt, um ein EKG anzufertigen. Solange man das Bewusstsein nicht verliert und selbständig gehen kann, reicht die Begleitung durch eine medizinisch ungeschulte Person. Im Zweifel sollte die Ambulanz gerufen werden, welche ein EK-Gerät an Bord hat und die Daten sofort an den Herzspezialisten übermitteln und erste Massnahmen einleiten kann.

Herzrhythmusstörungen behandeln

Bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen kommen Medikamente und die Katheterverödung in Frage. Einige Rhythmusstörungen können auch durch die Patienten selbst beendet werden, indem sogenannte vagale Manöver wie das Trinken von Eiswasser oder starkes Pressen gemacht werden. Gewisse Herzrhythmusstörungen lassen sich nur medikamentös beeinflussen und/oder müssen mittels speziellen Herzschrittmachern, sogenannten Defibrillatoren behandelt werden, welche bei Bedarf einen Elektroschock abgeben.

Mit der Katheterverödung steht eine äusserst erfolgreiche und risikoarme Behandlungsmethode zur Verfügung. Die Interventionen werden über die Leistengefässe durchgeführt, wobei meist nur eine Seite verwendet wird, um dünne, weiche Katheter in das Herz vorzuschieben. Zuerst wird die elektrische Aktivität gemessen und die Herzrhythmusstörungen werden analysiert – ein vollkommen schmerzfreier Eingriff. Wenn der Arzt die richtige Stelle gefunden hat, kann er mit einem speziellen Verödungskatheter eine kleine Narbe setzen, und so zum Beispiel eine zusätzliche Leitungsbahn oder einen elektrisch eigenständig aktiven Herd im Herzen ausschalten. Das hat auf die Herzpumpfunktion keinerlei Einfluss.

Die Verödung verursacht unter Umständen Schmerzen, weshalb oft Schmerzmittel verabreicht werden. Eine Vollnarkose braucht es nicht. Bei gewissen Eingriffen wird jedoch eine leichte Narkose durchgeführt, ohne dass der Patient dabei künstlich beatmet werden muss. So können die meisten Eingriffe während eines kurzstationären oder gar ambulanten Aufenthalts durchführt werden. Die Einstichstelle in der Leiste ist 4 bis 6 Stunden nach dem Eingriff abgeheilt, so dass man wieder aufstehen kann. Neue Untersuchungsmethoden, besonders die Verwendung von dreidimensionalen Mappingsystemen, die eine Nachbildung des Herzens ohne Verwendung von Röntgenstrahlen möglich machen, erlauben eine millimetergenaue Navigation des Verödungskatheters. Mit solchen Mappingsystemen können auch schwierige Eingriffe mit einer hohen Sicherheit und Effektivität durchgeführt werden. Gewisse Herzrhythmusstörungen lassen sich heute mit einer bis zu 95 prozentigen Langzeiterfolgswahrscheinlichkeit behandeln.