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Bei Arthrose den Arzt fragen

Schmerz lindern, Entzündung hemmen, Knorpel schützen. Neue ­Studien beweisen: Das geht alles auf einen Schlag. Dr. Rainer Klöti sagt, was Betroffene tun müssen.

Rheuma-Schmerzpunkte 2

Was Rheumatologen und Arthrose-Experten schon lange wissen, wird durch zwei klinische Doppelblind-Studien nun bestätigt: Chon­droitinsulfat schützt nicht nur den Knorpel, sondern hat auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Für Dr. med. Rainer Klöti, Spezialarzt für Rheumatologie und Rehabilitation am Medizinischen Zentrum in Brugg AG, keine Überraschung: «Die Studien haben meine langjährige klinische Erfahrung wissenschaftlich bestätigt. Knorpelschutz-Präparate sind seit mehr als 30 Jahren Teil der Behandlungsstrategie bei Arthrose im Frühstadium und haben sich auch bei meinen Patienten bewährt.»

Dreifache Wirkung

Die dreifache Wirkung überrascht aber in ihrem Ausmass. Laut den Doppelblind-Studien, deren Resultate diesen Sommer am Schweizerischen Rheumatologenkongress vorgestellt wurden, verbessert der knorpelschützende Wirkstoff nicht nur die Beweglichkeit der Gelenke, sondern verringert auch Arthrose-Schmerzen und Entzündungen. Und zwar genauso stark wie ein Arzneistoff aus der Gruppe entzündungshemmender Medikamente der neusten Generation, wenn der Knorpelschützer wie in den Studien über einen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten eingenommen wird.

Chondroitinsulfat ist ein biologisches Makromolekül, das von den Zellen im Knorpel zum Aufbau der Knorpelmatrix selber gebildet wird. Das geschieht in der Wachstumsphase des Menschen von ganz alleine. Mit zunehmendem Alter verlieren die Zellen aber ihre Fähigkeit, Knorpelgewebe zu bilden. Immer mehr Makromoleküle gehen verloren. Der Knorpel wird spröde und rissig. Die Gefahr einer Arthrose nimmt zu.

Knorpelschutz wesentlicher Bestandteil der Arthrose-Therapie

Für Dr. Rainer Klöti ist Knorpelschutz deshalb ein wesentlicher Bestandteil der modernen Arthrose-Therapie. Er behandelt in seinem Zentrum alle Formen dieser Volkskrankheit. Am besten schon ganz früh, wenn erste Symptome auftreten. Längst nicht mehr nur bei den Über-65-Jährigen. Schon viel Jüngere kommen in die Praxis, um ihre schmerzenden Gelenke abklären und behandeln zu lassen. Den defekten Knorpel kann man zwar nicht erneuern, aber man kann erhalten und schützen, was noch vorhanden ist. Dr. Rainer Klöti: «Wenn ich bei einem Patienten Arthrose im Frühstadium diagnostiziere, verschreibe ich Knorpelschutz-Präparate als Langzeittherapie. Dann mache ich dem Patienten aber klar, dass er selber auch einen Beitrag zum Erhalt seines Knorpels leisten muss, nämlich die Gelenke bewegen, bewegen und nochmals bewegen. Gleichzeitig nicht fehlbelas­ten und nicht überbelasten. Ich sage immer: Gehen statt rennen, Fahrrad fahren statt Auto fahren.»

Bewegung gehört dazu

Warum gehört Bewegung zu jeder wirksamen Arthrose-Therapie? «Weil der Knorpel keine eigenen Blutgefässe hat, müssen die Nährstoffe auf anderem Weg zugeführt werden. Über die Darmschleimhaut und den Blutkreislauf gelangen sie in die Gelenkflüssigkeit, die das Gelenk schmiert und den Knorpel umgibt. Von dort können sie nur durch bewegen des Gelenks in den Knorpel gelangen. Damit die Therapie wirkt, muss sie über eine längere Zeit oder dauernd erfolgen.»

Erstes Warnsignal sind Schmerzen beim Gehen

Wann soll man zum Arzt gehen? «Schmerzen werden von jedem Patienten sehr unterschiedlich wahrgenommen. Schmerzen beim Gehen sind aber ein erstes Warnsignal für Arthrose, das ernst genommen werden muss. Vor allem, wenn die Schmerzen nicht nach wenigen Tagen abklingen.» Ist dann auch Physiotherapie eine gute Wahl? «Bei der Behandlung schmerzhafter Arthrosen ist Physiotherapie sinnvoll. Sie ist eine gute Übungsanleitung, um die Muskeln zu stärken, und damit die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten.»

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Dr. med. Rainer Klöti, Spezial­arzt für Rheumatologie
und Rehabili­tation am Medizinischen Zentrum in Brugg AG.