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Das Auge und sein Mensch

Sehen ist nicht nur Sache des Auges. Hermann und Roger Anhalm über das, was das Auge mit dem Menschen und der Mensch mit den Bildern macht.

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Zwei Personen schauen aus dem Fenster. Was sehen sie? Während die eine Person über die Hügelformen und die weiter hinten liegenden Bergspitzen spricht, stechen der anderen die Blumen auf der Wiese draussen vor dem Fenster ins Auge. Interessant, denn beide gucken zur selben Zeit aus dem gleichen Fenster und auch in die gleiche Richtung. Warum nehmen sie nicht das Gleiche wahr, obwohl sie das Gleiche sehen? Roger Anhalm, leitender Optometrist der Pallas Kliniken: «Jeder Mensch nimmt wahr, was für ihn wichtig ist. Ein Weitsichtiger  fokussiert auf das, was er gut sehen kann: die Weite. Ein Kurzsichtiger fokussiert auf die Nähe, weil er dort besser sieht. Das hat mit Dominanzen zu tun. Zudem tickt jeder Mensch anders. Sehen hängt eben auch von der Psyche, der Stimmung, dem Tränenfluss oder auch der Ernährung ab.»

Detaillierte Analyse der Sehbedürfnisse

Ob Brille, Linsen oder operative Korrektur: Wer Fehlsichtigkeit beheben will, muss über die Sehbedürfnisse des Fehlsichtigen Bescheid wissen. Hermann Anhalm, Leiter Optometrie in den Pallas Kliniken: «Wir nehmen uns ausserordentlich viel Zeit dafür. Wir wollen herausfinden, was die Patienten wirklich brauchen und was ihnen für ihre Aktivitäten im Alltag den grössten Nutzen bringt. Das ist besonders bei einer Korrektur-Operation wichtig. Gut sehen können ist keine objektive Grösse. Man kann zwar die Sehschärfe messen und merken, dass sie überdurchschnittlich hoch ist, weiss aber nicht, was die Person davon tatsächlich wahrnimmt. Es geht um Präferenzen, um individuelle Bedürfnisse, um den Tagesablauf und die Aktivitäten. Wo liegen 80 Prozent des Alltags, und wo liegt das, was man in seinem Leben machen möchte. Genau dorthin muss korrigiert werden. Wenn jemand immer kurzsichtig war und sich über Jahrzehnte damit angefreundet hat, muss man dies bei der Wahl der Korrektur ebenfalls berücksichtigen. Sonst wird er trotz gutem Resultat unglücklich sein, da seine persönliche Erwartung an das Sehen nicht erfüllt wird. Mit unserer detaillierten Analyse können wir solche Dinge vorher erkennen.»

Roger Anhalm: «Die Frage, wie sich die Sehbedürfnisse mit zunehmendem Alter ändern, ist für mich zentral. Dass wir alle immer älter werden, ist bekannt. Auch der Zeitraum zwischen dem Ausbruch einer Krankheit und dem Tod ist kleiner geworden. Will heissen: Man kann die Lebensqualität heute bis nah ans Lebensende erhalten. Dadurch steigen auch die visuellen Ansprüche. Ältere Menschen wollen nicht einfach wieder jung sein, aber sie wollen so gut sehen können wie in jungen Jahren. Das hat mit Lebensfreude zu tun. Und in dieser Hinsicht können wir das Rad der Zeit tatsächlich zurückdrehen.»

Weitere Informationen auf www.pallas-kliniken.ch