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Das beste Rezept gegen Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgien gehören zu den schlimmsten Schmerzen, die ein Mensch haben kann. Dr. Lutz Frank, Facharzt für Anästhesiologie und interventionelle Schmerztherapie am Schmerz Zentrum Zofingen, erklärt, welche Therapien helfen, wenn die medikamentöse Therapie versagt.

Housewife woman in a couch with headache and a hand on forehead

„HILFE!“ Das Mail einer Leserin war kurz und bündig. „Wer hat mir einen guten Rat, wie ich meine Trigeminus Schmerzen lindern kann? Ich bin bald am Verzweifeln!“

Die Schmerztragödie im Gesicht

Die Trigeminusneuralgie lässt sich am besten mit dem Begriff der „Schmerztragödie im Gesicht“ umschreiben. Die Schmerzintensitäten, die bei der Trigeminusneuralgie auftreten, gehören zu den stärksten für den Menschen vorstellbaren Schmerzen überhaupt. „Bei der Trigeminusneuralgie treten mehrmals täglich einschiessende Schmerzen im Gesicht und Kiefer von höchster Intensität aber nur kurzer Dauer auf. Wie Blitze schiessen diese dutzende Male am Tag in das neuronale Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus ein. Entsprechend können die Schmerzen im Kiefer, der Stirn, auf der Zunge oder in den Zähnen empfunden werden“, erklärt Dr. Lutz Frank, Facharzt für Anästhesiologie und interventionelle Schmerztherapie am Schmerz Zentrum Zofingen. „Die Attacken werden in charakteristischer Weise durch äussere Reize wie Reden, Essen, Zähneputzen oder Rasieren ausgelöst – manchmal reicht sogar schon eine sanfte Berührung der Haut oder ein Windhauch aus.“

Falsche Behandlungen – lange Leidensgeschichten

Oft werden die Diagnose erst spät gestellt und folgenschwere Fehlbehandlungen gemacht. Dr. Frank: „Es kommt immer wieder vor, dass fälschlicherweise und ohne jeden Erfolg bereits umfangreiche Zahnbehandlungen vorgenommen oder sogar sämtliche Zähne gezogen worden sind.“ Dabei ist die Neuralgie des Gesichtsnervs eine häufige Erkrankung, denn pro Jahr erkranken in der Schweiz ca. 400 Personen neu an dieser Form des Gesichtsschmerzes, der meist jenseits des 50. Lebensjahres erstmals auftritt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. „Nicht selten dauert die tragische Leidensgeschichte länger als zehn Jahre, bevor der Patient, wenn überhaupt, einer geeigneten Behandlung zugewiesen wird.“

Medikamentöse Behandlung ist problematisch

Am Beginn einer gezielten Behandlung steht die Ursachenforschung. „Bedrängt eine Hirnarterie oder ein Hirntumor den Trigeminusnerv in seinem Verlauf, haben chirurgische Methoden den Vorrang. So wird zum Beispiel bei der klassischen mikrovaskulären Dekompression des Trigeminus nach Janetta der Nerv durch Einbringen eines Polsters von der Druckschädigung durch ein Blutgefäss entlastet“, erklärt Dr. Frank. „Diagnostisch geprüft werden muss ebenso, inwieweit die Trigeminusneuralgie Ausdruck einer neurologischen Systemerkrankung wie Multipler Sklerose oder eines abgelaufenen Hirninfarktes ist. In vielen Fällen findet man jedoch keine Ursache oder man kann die Ursache nicht neurochirurgisch beseitigen.“

Als erste Massnahme werden den oft verzweifelten Patienten Medikamente gegen Nervenschmerzen verschrieben. Opioide und entzündungshemmende Schmerzmittel haben sich nicht bewährt. Antiepileptika dämpfen die Nervenschmerzen. Dr. Frank: „Meist sind jedoch hohe Mengen erforderlich, um die Symptome hinreichend zu kontrollieren. Leider hängt die Verträglichkeit dieser Medikamente vom Alter und der Tagesdosis ab. Es hat sich gezeigt, dass ältere Patienten fast ausnahmslos durch starke Nebenwirkungen beeinträchtigt sind: Schwindel, Sehstörungen und Müdigkeit lassen eine Steigerung der Dosis häufig nicht zu, so dass die Schmerzen nur ungenügend behandelt werden können. In vielen Fällen ist die Lebensqualität durch die Medikamente stärker eingeschränkt als durch die Erkrankung selbst.“

Minimal-invasive Behandlungsalternativen

Dr_L_Frank_kleinNeben der problematischen medikamentösen Behandlung und den invasiven neurochirurgischen Operationen stehen auch minimal-invasive, hocheffiziente Behandlungsalternativen für die Trigeminusneuralgie zur Verfügung. „Von allen Behandlungsoptionen ist die perkutane temperaturkontrollierte Thermoläsion des Ganglion Gasseri nach Sweet die komplikationsärmste“, sagt Dr. Frank. „Bei diesem Verfahren wird eine Nadel unter Röntgenkontrolle präzise am betroffenen Nervenast platziert, wo dieser die Schädelbasis durch die sogenannte ovale Öffnung verlässt. Dort wird dann mit der Nadelspitze durch die Hitzeeinwirkung eine kleine Narbe über den relevanten Nervenanteil gesetzt und so die Nervenleitung geschwächt. Auf diese Weise wir die Schmerzleitung unterbrochen.“

Das Verfahren wurde bereits 1974 durch den amerikanischen Neurochirurgen William H. Sweet eingeführt und ist seither weiter perfektioniert worden. Mit modernen Radiofrequenzgeräten kann die Temperatur sehr exakt und individuell gesteuert werden, sodass die Schädigung des Nervs auf das notwendige Minimum reduziert wird. Im Gegensatz zu den anderen minimal-invasiven Behandlungsverfahren mit chemischen Substanzen oder Druckläsion des Nervs kann der betroffene Nervenast beim Verfahren nach Sweet selektiver und kontrollierter behandelt und so das Risiko von Komplikationen wesentlich reduziert werden.

Sehr gute Behandlungserfolge

Mit diesem wenig belastenden ambulanten Eingriff in Kurznarkose werden mehr als 90 Prozent der Betroffenen für mehrere Jahre beschwerdefrei. Dr. Frank: „Sogar die nebenwirkungsreichen Antiepileptika können meistens abgesetzt oder auf eine kleine Erhaltungsdosis reduziert werden. Sollten die Beschwerden nach Jahren wieder auftreten, kann die Behandlung wiederholt werden – ein grosser Vorteil gegenüber der Janetta-Operation. Als Nebenwirkung des Hitzeläsionsverfahrens können Taubheit im Versorgungsgebiet des behandelten Nervenastes, eine gewisse Schwächung der Kaumuskulatur auf der Behandlungsseite oder in extrem seltenen Fällen eine behandlungsbedürftige Hirnhautentzündung auftreten, welcher jedoch mit Antibiotika vorgebeugt wird.“

Fazit

Wie lautet das Fazit? Die Trigeminusneuralgie wird heute immer noch zu spät diagnostiziert und meistens nur medikamentös und damit oft unzureichend behandelt. Die Betroffenen sind verzweifelt, der Leidensdruck ist hoch und die Lebensqualität schlecht. Nach sorgfältiger Diagnostik und gezielter Behandlung sollte heute bei nahezu allen Patienten eine zufriedenstellende Schmerzreduktion erreicht werden können. Die klinischen Erfahrungen und die aktuelle wissenschaftliche Datenlage weisen die perkutane Thermoläsion nach Sweet bezüglich Erfolgsaussichten und möglichen Nebenwirkungen als die Methode der Wahl zur Behandlung der Trigeminusneuralgie aus.

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