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Das Endstadium aller Herzerkrankungen

Herzinsuffizienz. Ein harmloses Wort für ein fatales Leiden, das immer gigantischere Ausmasse annimmt. Hier steht alles, was Sie über das schwache Herz und seine Behandlung wissen müssen.

Zuerich ZH, 09.02.2016, Prof. Dr. med. Frank Ruschitzka mit einem Patienten mit einem Kunstherz waehrend einer Untersuchung im Unispital Zuerich.
Foto: Moritz Hager

Die Therapie der Herzinsuffizienz steht vor einem Umbruch. Herzinsuffizienz oder einfach gesagt Herzschwäche ist eine Volkskrankheit, die angesichts einer älter werdenden Bevölkerung immer häufiger und in Zukunft noch viel gigantischere Ausmasse annehmen wird. Die Herzinsuffizienz ist das Endstadium sämtlicher Herzerkrankungen. Die Ursachen für den dramatischen Anstieg sind mannigfaltig. Neben der Alterung der Gesellschaft sind es die hohen Überlebensraten nach Herzinfarkt sowie die Häufigkeit von Bluthochdruck in der Bevölkerung. Sowohl eine langjährige, medikamentös schlecht behandelte Hypertonie wie auch ein Herzinfarkt führen zu einer chronischen Einschränkung der Herzfunktion.

Ein guter Anhaltspunkt ist das Treppensteigen

Die anhaltende Einbusse der Pumpkraft bedeutet, dass das Herz nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf befördern kann. Im Alltag macht sich das im Laufe der Zeit immer stärker bemerkbar. Die Betroffenen haben anfänglich nur bei schweren körperlichen Anstrengungen keine Kraft mehr und Atemnot, später schon bei leichten und am Schluss sogar in Ruhe. Ein guter Anhaltspunkt ist das Treppensteigen. Kommt es hier zu einer unerklärlichen Verschlechterung, darf man das keinesfalls bloss dem Alter zuschreiben, sondern muss in ärztliche Abklärung. Auch ungewohnte Müdigkeit und geschwollene Knöchel beidseits sollten Sie Ihrem Arzt melden.

Herzinsuffizienz ist eine Krankheit, bei der eine wirksame Behandlung und angepasstes körperliches Training von grösster Bedeutung sind. Eine unsachgemässe oder sogar fehlende Therapie, der Einsatz von ungeeigneten Medikamenten, falsche Dosierung oder eine unregelmässige Tabletteneinnahme haben dramatische Folgen für den Einzelnen und die Prämienzahler, weil die Betroffenen immer wieder wegen einer akuten Verschlechterung ihrer Herzfunktion für längere Zeit hospitalisiert und mühsam rehabilitiert werden müssen.

Die Behandlung ist im Umbruch

Herzinsuffizienz-Patienten kommt jetzt zugute, dass die Behandlung im Umbruch ist wie noch nie. Mittlerweile gibts mehr als ein halbes Dutzend lebensverbessernde und lebensverlängernde Medikamente. Zudem stehen Schrittmacher und in fortgeschrittenen Stadien Kunstherzen zur Verfügung.

Neu ist ein duales Behandlungsprinzip, mit zwei verschiedenen Wirkstoffen, um das geschwächte Herz zu schützen. Dieses duale Prinzip führt zu einer deutlichen Reduktion von Todesfällen und Klinikeinweisungen. Den Betroffenen werden so bis zu zwei zusätzliche Lebensjahre geschenkt.

Ein grosser Teil der Patienten mit Herzinsuffizienz hat eine Anämie und ein chronisches Eisendefizit. Studien zeigen nun, dass sie von einer Eisenbehandlung stark profitieren, und zwar hinsichtlich Hospitalisationsrate, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Im 6-Minuten-Gehtest konnten die Patienten nach der Eisenbehandlung eine deutlich längere Strecke zurücklegen.

10’000 Schritte am Tag sind ein absolutes Muss

Ein mindestens so wichtiges Standbein einer effizienten Behandlung der Herzschwäche ist moderates, regelmässiges Training. Am günstigsten wirkt sich Ausdauertraining aus. Dazu eignen sich zügiges Spazieren, Walken oder Nordicwalken, Velofahren, Langlauf und ganz speziell Laufen oder Steppen auf dem Minitrampolin. Wer noch keinen Schrittzähler hat, braucht spätestens jetzt einen. 10 000 Schritte pro Tag sind ein absolutes Muss. Eine grosse Studie kam zum Schluss, dass die Häufigkeit von Spitaleinweisungen durch regelmässiges Ausdauertraining um mehr als ein Viertel reduziert wird.

Wichtig ist die Selbstüberwachung durch tägliches Wägen. Jeder Gewichtsanstieg ist verdächtig auf eine sich verschlechternde Herzfunktion und muss dem Arzt gemeldet werden. Unterbleibt dies, ist eine unter Umständen lebensgefährliche Entgleisung mit Spitaleinweisung nur eine Frage der Zeit.

Schlimmer als eine Krebserkrankung

Prof. Dr. med. Frank Ruschitzka

Prof. Dr. med. Frank Ruschitzka

Prof. Frank Ruschitzka, stellvertretender Klinikdirektor der Kardiologie am Universitätsspital Zürich und der künftige Präsident der Europäischen Gesellschaft für Herzinsuffizienz, über das schwache Herz.

Herzinsuffizienz klingt harmlos. Wie ernst ist diese Erkrankung?

In der Schweiz leiden 200 000 Menschen an Herzinsuffizienz. Jedes Jahr sterben 10 000 an deren Folgen. Wer die Diagnose bekommt, ist mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit nach fünf Jahren tot. Die Lebenserwartung mit Herzinsuffizienz ist schlechter als bei den meisten Krebserkrankungen. Das schwache Herz sorgt für mehr Spitaleinweisungen als alle Krebsleiden zusammen, ist also auch ein riesiger Kostenfaktor.

Wer ist besonders gefährdet, eine Herzinsuffizienz zu bekommen?

Grundsätzlich kann jeder eine Herzinsuffizienz bekommen. Im Schnitt trifft es jede fünfte Person. Die grössten Risiken sind Bluthochdruck, vor allem, wenn er gar nicht oder schlecht behandelt wird, die koronare Herzerkrankung, die mit Angina Pectoris einhergeht, erhöhtes Cholesterin, Rauchen und dann natürlich das Alter als solches.

Wie merkt man eine Herzschwäche?

Typische Anzeichen sind Abgeschlagenheit, mangelnder Appetit, Müdigkeit, Atemnot und Wasser in den Beinen. Menschen mit einer Herzinsuffizienz leiden und haben am Schluss kaum noch Lebensqualität.

Wie wichtig ist körperliches Training?

Möglichst viel Bewegung ist nicht nur zur Vorbeugung entscheidend, sondern auch zur Behandlung. Menschen mit Herzinsuffizienz, die regelmässig körperlich trainieren, leben nicht nur länger, sondern vor allem auch besser. Das zeigen neue Daten ganz klar.

Was bedeutet das neue kombinierte Behandlungsregime für den klinischen Alltag und für die Betroffenen?

In den letzten Jahren gab es bedeutende Fortschritte in der Behandlung, sei das mit neuen Medikamenten, Schrittmachern oder Kunstherzen, die das Überleben verlängern. Das neue duale Behandlungsprinzip ist nun aber ein Durchbruch. Die Sterblichkeit von Herzinsuffizienz-Patienten  lässt sich damit in einem Ausmass senken, wie wir es bis jetzt noch nicht gesehen haben. Vor allem eine neue Substanz hat einen äusserst spannenden Wirkmechanismus, der uns bei aller Vorsicht sehr optimistisch stimmt.

Führendes Herzzentrum

Das Universitäre Herzzentrum Zürich zählt zu den führenden Herzzentren der Schweiz. Um den Patientinnen und Patienten die optimale Diagnose und Therapie anzubieten, arbeiten die Kardiologen und Herzchirurgen eng in interdisziplinären Heart-Teams zusammen.

Heart-Teams sind Fachgruppen, die gemeinsam über diagnostische und therapeutische Massnahmen entscheiden. Und das über die Grenzen des Universitätsspitals Zürich hinaus.

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