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Der Plan bei Arthrose

Knorpel schützen, Schmerz lindern, Entzündung hemmen. Eine neue Studie beweist: Das geht alles auf einmal.

Aged man with walking stick and terrible backache

Diskutiert wurde es schon lange, doch jetzt hat man es schwarz auf weiss: Der knorpelschützende Wirkstoff Chondroitinsulfat hat auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Eine klinische Doppelblindstudie beweist dies. PD Dr. Stefan Bachmann, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und internistische Rehabilitation der Kliniken Valens, ist nicht überrascht: «Frühere Studien haben es vermuten lassen, und ich selber stelle es auch bei meinen Patienten immer wieder fest: Unter Chon­droitinsulfat ist der Schmerzmittelverbrauch rückläufig.» Überraschend ist die dreifache Wirkung aber in ihrem Ausmass. Laut Studie werden durch den knorpelschützenden Wirkstoff nicht nur die Arthrose-Schmerzen gelindert, sondern auch die Alltagsfunktionen wie Gehen, Stehen, Treppensteigen oder In-die-Knie-gehen verbessert. Und zwar genauso gut wie durch einen Entzündungshemmer aus der Gruppe der selektiven COX-2-Hemmer, wenn man den Knorpelschützer über einen Zeitraum von sechs Monaten einnimmt.

Erhalten und schützen

Knorpelschutz bei Arthrose hat für PD Dr. Stefan Bachmann eine grosse Bedeutung. Er behandelt in den beiden Rehabilitationszentren Valens und Walenstadtberg alle Formen dieser Volkskrankheit, entwickelt Strategien, schreibt Rezepte, begleitet Patienten und hilft, wo im Fall von Arthrose zu helfen ist. «Nicht nur medikamentös, sondern vor allem auch durch eine gestärkte Muskulatur, Gewichtsabnahme, allenfalls in Kombination mit gutem, stossdämpfendem Schuhwerk und durch Aufklärung der Patienten.» Und längst nicht mehr nur bei den über 65-Jährigen. Schon viel Jüngere kommen in die Klinik, um ihre schmerzenden Gelenke therapieren zu lassen. Den defekten Knorpel kann man zwar nicht erneuern. Aber man kann erhalten und schützen, was noch vorhanden ist.

Wie geht das? Der Knorpel hat ja keine eigenen Blutgefässe. PD Dr. Bachmann: «Via Darmschleimhaut und Blutkreislauf gelangt der Wirkstoff in die Gelenkflüssigkeit und wird beim Bewegen des Gelenks in den Knorpel hineinmassiert. Der Effekt tritt aber nicht innert weniger Tage ein. Die Therapie muss über eine längere Zeit oder dauernd erfolgen.»

Anlaufschmerzen sind typisch

Chondroitinsulfat ist ein biologisches Makromolekül, das von den Chondroblasten im Knorpel zum Aufbau der Knorpelmatrix gebildet wird. Das geschieht in der Wachstumsphase von ganz alleine. Mit zunehmendem Alter verlieren die Zellen aber ihre Fähigkeit, Knorpelgewebe zu bilden. Immer mehr Makromoleküle gehen verloren. Der Knorpel wird spröde und rissig – so beginnt eine Arthrose. PD Dr. Stefan Bachmann: «Am Anfang nehmen Betroffene einfach einen Belastungsschmerz wahr, ohne zu wissen, was die Ursache ist. Typisch sind auch Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen am Morgen oder nach längerem Sitzen. Die einen beginnen das Gelenk zu kühlen, andere versuchen es zu wärmen. Beides ist richtig. Jeder muss für sich herausfinden, was ihm Linderung verschafft. Entzündungshemmende Salben oder Pflaster sind ebenfalls nützlich. Es geht vor allem darum, den Schmerz zu minimieren und falls möglich zu eliminieren, denn unter starken Schmerzen belastet man die Gelenke falsch oder gar nicht mehr. Die fatale Folge: Der Knorpel büsst an Qualität und Widerstandsfähigkeit ein, die Muskeln, die die Gelenke stützen, werden schwächer, und dann wird’s nur noch schlimmer.»

Im Alltag mehr bewegen

Wie reagieren die Patienten, wenn ihnen Bewegung als Therapiebestandteil empfohlen wird, obwohl sie gerade beim Bewegen Schmerzen haben? «Da die Schmerzen meist auch zu einer Funktionsstörung führen – zum Beispiel Beugungseinschränkung bei Hüftarthrose – sind die Patienten für eine Physiotherapie dankbar. Sie lernen, wie sie den Bewegungsapparat auf die Erfordernisse ihres Alltags einstellen, und wie sie die Alltagstauglichkeit später auch mit Übungen zu Hause erhalten oder weiter verbessern können. Eventuell braucht es am Anfang noch ein Schmerzmittel. Wichtig ist aber, dass Arthrose-Patienten in ihrer Therapie begleitet werden. Das erhöht die Therapietreue. Bei Widerstand suche ich andere Therapiekonzepte. Ich ermuntere meine Patienten zuerst, sich im normalen Alltag mehr zu bewegen. Es braucht aber schon ein gewisses Mass an Willen. Überreden bringt nichts.»

Übergewicht reduzieren

Wann soll man mit Gelenkschmerzen zum Arzt gehen? «Nach ein bis zwei Wochen, wenn die Schmerzen nicht von alleine abklingen oder auch Hausmittel keine Besserung bringen, denn nur eine frühe Behandlung kann Schäden am Gelenk verhindern. Und: Allein der Arzt kann erkennen, ob es sich tatsächlich um Arthrose handelt. Die Schmerzen können nämlich auch von einer Arthritis oder beim Knie zum Beispiel auch von Meniskusproblemen kommen. Bei Fussdeformationen empfehle ich, korrigierende Einlagen anfertigen zu lassen, um Fehlbelastungen zu vermeiden. Unbedingt auch Übergewicht reduzieren. Jedes Kilo, das man nicht mit sich herum trägt, lastet nicht auf den Gelenken.»

Weitere Infos zu Arthrose

Haben Sie Fragen zu möglichen Arthrose-Schmerzen bei sich selber? Dann sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an oder wenden Sie sich an PD Dr. med. Stefan Bachmann, Chefarzt Klinik für Rheumatologie und internistische Rehabilitation, Valens und Walenstadtberg.

Telefon 081 303 14 12, www.kliniken-valens.ch