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Der Prostata den Hahn zudrehen

Prostataembolisation nennt man ein neues, raffiniertes Verfahren, mit der man der vergrösserten Prostata mit einem Minieingriff die Blutzufuhr kappt.

Prostate gland. Male reproductive and urinary systems. Anatomy. 3d illustration

Es ist das Männerproblem schlechthin. Im Alter über 50 haben mehr als die Hälfte aller Männer eine gutartig vergrösserte Prostata, mit den Jahren sogar fast alle. Weil der innere Bereich der Prostata betroffen ist, kommt es unweigerlich zu einer Einengung der Harnröhre mit den typischen Beschwerden wie gehäufter Harndrang, schmerzhaftes Wasserlösen und Blasenentleerungsstörungen, die bis zum kompletten Harnverhalt führen können.

Gegen die gutartige Prostatavergrösserung gibt es eine Reihe von Medikamenten und bewährten Operationen. Sie arbeiten mit der Schlinge bis hin zum Laser, um das überschüssige Prostatagewebe abzutragen und die Harnröhre damit zu befreien und wieder normal durchgängig zu machen. Impotenz oder Inkontinenz sollten bei korrekt durchgeführten Operationen eigentlich nicht mehr auftreten. Angst davor haben die meisten Männer dennoch. Nicht zu vermeiden ist oftmals die retrograde Ejakulation in die Blase, also der „Schuss nach hinten“. Der „trockene“ Sex ist auch nicht jedermanns Sache.

Alternative zu bisherigen Therapien

Da kommt die Prostataembolisation, der künstliche Verschluss von ihren Blutgefässen, gerade richtig. „Für bestimmte Patienten ist dieses schonende, minimalinvasive Verfahren eine Alternative zu bisherigen Therapien mit Medikamenten und Operationen“, sagt Prof. Dr. A. Ludwig Jacob vom SwissIntervention Zentrum für Mikrotherapie an den Kliniken Hirslanden in Zürich und St. Anna in Luzern, das grosse Erfahrung mit Embolisationen am ganzen Körper hat und seit einiger Zeit diese neue Methode anbietet. „Abklärung und Zuweisung erfolgen in enger Absprache mit dem Zentrum für Urologie Zürich bzw. den urologischen Kollegen an der Klinik St. Anna. Die Embolisation wird dann von Spezialisten der Mikrotherapie durchgeführt. Über die Leiste wird ein Katheter eingeführt und unter dreidimensionaler Röntgenkontrolle in die Gefässe vorgeschoben, welche die Prostata mit Blut versorgen. Dazu werden winzige Kügelchen in die Prostataarterie gespritzt, was zu ihrem Verschluss führt und die Prostata schrumpfen lässt. Für den rund ein- bis eineinhalbstündigen Eingriff braucht es lediglich eine örtliche Betäubung.“

95 Prozent Erfolg

Die Prostataembilisation ist zwar neu, aber in zahlreichen Studien erprobt. Der Gefässverschluss gelingt bei 95 Prozent der Patienten. Gute Ergebnisse sind insbesondere bei Patienten mit grosser Prostata und ausgeprägten Beschwerden zu erwarten. Negative Folgen für die Potenz oder Kontinenz sind nicht bekannt. Grundsätzlich kann der Eingriff aber bei allen Patienten gemacht werden, bei denen eine medikamentöse Behandlung nicht die erhoffte Wirkung hat und eine Operation nicht in Frage kommt oder vom Patienten abgelehnt wird.