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Der Zehendoktor mit grosser Wirkung

Hammerzehen sind ein Stiefkind der Chirurgie, obwohl sie extrem ­störend und schmerzhaft sein können. Fusschirurg Dr. Urs Graf weiss, wie man sie erfolgreich operiert.

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Es war nicht der eindrücklichste Hallux Valgus. Er schmerzte die Patientin nicht einmal sonderlich. Vielmehr bereitete ihr sein viel kleinerer Nachbar Sorgen. Insbesondere in Schuhen drückte er derart, dass sie keine längeren Strecken mehr gehen konnte, ohne unsägliche Schmerzen zu bekommen. Auch der Gang zur Podologin zur Entfernung der Hühneraugen war jedes Mal mit Schmerzen verbunden und die Verbesserung jeweils auch nur von kurzer Dauer: typische Symptome einer Hammerzehe.

Da die Patientin keinesfalls die altbekannte Therapie mit Entfernung des Mittelgelenkes wollte, weil dadurch die Zehe einerseits viel kürzer und andererseits vermutlich zwar einigermassen schmerzfrei, jedoch sonst wie krumm geworden wäre, kam sie in meine Sprechstunde. Hammerzehen fallen optisch viel weniger auf als ein Hallux und werden auch von den Chirurgen oft nur als Nebendiagnose eingestuft. Die Betroffenen sehen das ganz anders. Beschränkte man sich früher darauf, das vorstehende Gelenk einfach mit einer Zange sozusagen «herauszuknipsen» mit häufig miserablen Ergebnissen, gibt es heute differenziertere Behandlungsmöglichkeiten, die zwar für den Chirurgen anspruchsvoller sind, aber den Patienten sowohl funktionell als auch optisch zu deutlich besseren Resultaten verhelfen.

Hammerzehen gehen meistens mit Spreizfüssen einher und treten vorzugsweise bei Frauen ab dem fünfzigsten Lebensjahr auf. Sicherlich spielen dabei zu kleine oder sonst schlecht passende Schuhe eine Rolle, meist aber sind diese Probleme vererbt. Ein gleichzeitig bestehender Hallux ist meistens der direkte Auslöser einer Deformität der zweiten Zehe: Drückt er diese nach aussen, weicht sie einerseits zurück und andererseits nach oben oder unten aus und verkrümmt sich dabei so, dass das Mittelgelenk nach oben und das Grundgelenk nach unten gedrückt wird. Verbleibt die Zehe über Monate und Jahre in dieser Stellung, wird das Gelenk langsam steif und stark geschädigt. Auch die umgebenden Strukturen leiden, indem sie sich verkürzen und ihre Elastizität verlieren – so ist die Hammerzehe mit der Zeit fixiert und kann gar nicht mehr in Streckstellung gebracht werden, auch nicht mit Gewalt. Wie im Domino können dann schliesslich die Nachbarzehen drei und vier ein ähnliches Schicksal erleiden, wodurch das Tragen von Schuhen zur echten Tortur wird, besonders dann, wenn sich an den Höckern der Hammerzehen durch Druck und Reibung in den Schuhen Hühneraugen bilden. Weitere Schmerzen können an der Fusssohle unter den Köpfchen der Mittelfussknochen entstehen, wenn wegen des Druckes der Hammerzehen Schwielen entstehen, die trotz Pedicure nicht definitiv wegzubringen sind.

Es gibt verschiedene Ansätze, um Hammerzehen zu korrigieren. Eines ist allen gemeinsam: Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist auch heute aufgrund des stark geschädigten Mittelgelenkes nur selten möglich. Hingegen darf optisch ein schönes und funktionell ein mindestens befriedigendes, sicher jedoch ein schmerzfreies Resultat erwartet werden. In der Klinik Pyramide am See in Zürich lege ich ganz besonders Wert auf ein optimales Resultat mit modernen Methoden. Allen Verfahren gemeinsam ist, dass ein gleichzeitig bestehender Hallux mit der Hammerzehe zusammen korrigiert werden muss.

Zur Versteifung des Mittelgelenkes werden heute moderne Implantate eingesetzt. Dazu verwende ich das neuartige System Nextra von Nextremity Solutions für ein optisch schönes und schmerzfreies Resultat. Eine andere Methode ist die Verkürzung des Mittelfussknochens. Dadurch wird die Hauptbelastungszone nach hinten verlagert, die Bänder und Sehnen werden entlastet, was ein Strecken der Zehe erlaubt. Durch Verkürzen mehrerer Mittelfussknochen kann eine Harmonisierung des Vorfusses mit homogen verteiltem Druck erreicht werden. Damit verschwindet die Überbelastung einzelner Mittelfussknochen. Bei einem neueren Verfahren werden die gerissenen Bänder auf der Unterseite des Fusses repariert. Bis vor Kurzem war das aus technischen Gründen kaum möglich. Eine innovative Firma hat nun aber eine Art «Hand-Nähmaschine für Einzelstiche» entwickelt, dank derer es möglich geworden ist, die gerissenen Bänder auch unter den engen Platzverhältnissen wieder so zu befestigen, dass sie einheilen können. Diese Operation muss dennoch zwingend mit der oben beschriebenen kombiniert werden, was bedeutet, dass der Eingriff zwar äusserst wirkungsvoll ist, jedoch einen ordentlichen technischen Aufwand erfordert. Ist zusätzlich das Mittelgelenk degeneriert und steif, muss allenfalls auch noch ein Implantat eingesetzt werden. Auch wenn diese Techniken anspruchsvoll sind, führen sie zu erfreulich guten Ergebnissen. Es ist damit sogar möglich, schlechte Resultate nach bereits erfolgten Operationen zu korrigieren und zu verbessern.

Mehr Infos: www.hallux-valgus.ch

 

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Links: Entgegen jeder Erwartung schmerzt bei diesem Fuss nicht der Hallux Valgus, sondern – als Folge der gerissenen plantaren Platte – die überkreuzende Hammerzehe.

Rechts: Ein Jahr später: Die plantare Platte ist repariert, die Zehen zwei und drei mittels Nextra-Implantaten begradigt – und die Patientin seit ca. einem Monat völlig beschwerdefrei.

 

Dr. med. Urs Graf, FMH Chirurgie, Seefeldstrasse 128, CH-8008 Zürich
Tel. +41 43 499 90 40, info@graf-chirurgie.com, www.hallux-valgus.ch