Startseite » Themen » Die zehn grössten Arthrose-Irrtümer

Die zehn grössten Arthrose-Irrtümer

Jetzt wird aufgeräumt mit falschen Behauptungen rund um die Behandlung von Arthrose. Das sind die Fakten zur Volkskrankheit Nummer 1.

Retro style of young woman massaging her painful knee, Medical and health care concept.

1. Arthrose schreitet langsam voran. Man kann mit dem Arztbesuch warten.

Auch wenn die Arthrose ein langsamer Prozess ist, sollten die Beschwerden rasch abgeklärt werden. Einerseits kann nur der Arzt andere, eventuell sogar schwerwiegendere Erkrankungen ausschliessen. Andererseits wirkt die Arthrose-Behandlung umso besser, je früher man damit beginnt. Erste Warnzeichen einer Arthrose sind Anlaufschmerz am Morgen oder nach längerem Sitzen sowie Morgensteifigkeit, Schmerzen unter Belastung und Schwellungen des Gelenkes.

2. Arthrose ist eine harmlose Krankheit.

Arthrose ist zwar keine tödliche oder lebensbedrohliche Erkrankung. Arthrose verursacht aber Schmerzen, bisweilen ganz starke. Und sie schränkt die Beweglichkeit und die Funktionsfähigkeit der Gelenke ein. Schmerzen und fehlende Mobilität bedeuten schlechte Lebensqualität bis hin zur Invalidität. Es drohen Isolierung und Depression. Zudem verursacht Arthrose wegen Arbeitsausfällen hohe volkswirtschaftliche Kosten.

3. Gegen Arthrose kann man nichts ­machen. Damit muss man leben.

Arthrose kann man zwar nicht heilen. Ist der Knorpel einmal degeneriert oder abgebaut, lässt er sich nicht mehr verjüngen, erneuern oder aufbauen. Man kann die Arthrose aber aufhalten oder ihr Fortschreiten verlangsamen. Wer unter Arthrose leidet, sollte darum unbedingt einen Arzt aufsuchen und die vorgeschlagenen Massnahmen umsetzen. Es geht um die Lebensqualität jedes einzelnen. Arthrose darf man nicht dem Schicksal überlassen, sondern man muss alles unternehmen, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen und die Beweglichkeit zu erhalten.

4. Arthrose lässt sich nicht aufhalten.

Verschiedene Massnahmen können das Fortschreiten der Arthrose deutlich bremsen, zumindest vorübergehend. Zu diesen Massnahmen gehören die Reduktion von Übergewicht, die Stärkung der Muskulatur zur Entlastung des Gelenks und die Einnahme von Medikamenten mit dem Wirkstoff Chondroitinsulfat. Studien an Patienten mit Kniegelenkarthrose haben belegt, dass sich unter Chondroitinsulfat die Abnahme des Knorpelvolumens verlangsamt.

5. Bei Schmerzen muss man das Gelenk ruhigstellen und schonen.

Das gilt nur bei Sportverletzungen, nicht aber bei Arthrose. Da der Knorpel keine Blutbahnen und Nerven hat, ist ein Austausch von Nährstoffen und Abfallprodukten bei Knorpelzellen nur passiv über die Gelenkflüssigkeit möglich. Das Gelenk muss dazu bewegt werden. Durch Bewegung wird der Knorpel abwechselnd wie ein Schwamm zusammengedrückt und wieder entlastet. Gelenkflüssigkeit wird aufgesaugt und wieder ausgepresst. Ohne Bewegung kommt es zur Mangelversorgung der Knorpelzellen. Der Knorpel degeneriert dann noch schneller.

6. Nur Schmerzmittel lindern Arthrose-Schmerzen.

Es gibt verschiedene nicht-medikamentöse Massnahmen, welche die Schmerzen ebenfalls verringern können. Zum Beispiel Patientenaufklärung, Schulung im Selbstmanagement und Umgang mit der Erkrankung, Physiotherapie, Behandlungen mit Wärme und Kälte – je nach Entzündungszustand des Gelenkes –, Verwendung von Stöcken, Schuheinlagen und Taping. Auch Chondroitinsulfat verfügt gemäss neuesten Studien über eine schmerzlindernde Wirkung.

7. Bei Arthrose ist Paracetamol das Schmerzmittel der Wahl.

Neue Studien zeigen, dass die Wirkung von Paracetamol in Dosen von weniger als drei Gramm pro Tag ungenügend ist. Nimmt man hingegen mehr als drei Gramm pro Tag, können gravierende Nebenwirkungen im Magen oder auch im Herz-Kreislauf-System auftreten. Bei starken Schmerzen greift man also besser zu einem Entzündungshemmer. Die haben zwar die gleichen Nebenwirkungen, wirken aber besser gegen Schmerzen und Entzündungen.

8. Gels, Cremen und Pflaster wirken nicht so gut wie Tabletten.

Bei Finger- und Kniegelenkarthrose – das Hüftgelenk liegt zu weit unter der Haut – wirken die lokal angewendeten Medikamente genauso gut wie die oral eingenommenen, zumindest in den ersten vier Wochen nach Therapiebeginn. Sie sind zudem viel besser verträglich und haben keine potenziell lebensgefährlichen Nebenwirkungen. Genau wegen dieser Nebenwirkungen sollten die oralen Antirheumatika immer in der tiefsten noch wirksamen Dosis und nur so lange wie erforderlich genommen werden.

9. Auch Nahrungsergänzungsmittel helfen bei Arthrose.

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Medikamente. Sie unterstehen keiner kontinuierlichen Kontrolle durch die Arzneimittelregistrierungsbehörde. Die enthaltenen Stoffe sind bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht hoch genug dosiert, um Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern oder den Knorpelabbau zu verlangsamen. Zudem sind Nahrungsergänzungsmittel oft von minderer Qualität und enthalten nicht so viel, wie auf der Packung deklariert ist. Therapieversuche mit Nahrungsergänzungsmitteln sind daher von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Nahrungsergänzungsmittel von guter Qualität können ernährungsphysiologisch Sinn machen, zum Beispiel bei unausgewogener Ernährung. Dafür sind sie auch gedacht.

10. Prävention ist bei Arthrose nicht möglich. Arthrose ist eine Alterserscheinung und zu einem Grossteil vererbt.

Die Häufigkeit von Arthrosen nimmt mit dem Alter zwar zu, eine Alterserscheinung im eigentlichen Sinne ist Arthrose aber nicht. Vererbung spielt eine Rolle, insbesondere bei der Fingergelenkarthrose und in geringerem Ausmass bei der Kniegelenkarthrose. Dennoch ist Vorsorge möglich. Die Regel lautet: Gelenke benutzen und belasten, aber nicht überlasten. Freeclimbing und wiederholte Höchstbelastungen bei allen Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Tennis oder Squash tun den Gelenken mittel- bis langfristig nicht gut. Ganz wichtig ist, dass man Sportverletzungen vollständig ausheilen lässt und in der Physiotherapie wieder lernt, das betroffene Gelenk richtig zu bewegen und zu belasten. Viele Arthrosen sind nämlich Spätfolgen einer nicht auskurierten Verletzung.