Startseite » Themen » Doppelt, fix und fertig

Doppelt, fix und fertig

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine einzige Studie die Behandlung einer Volkskrankheit auf den Kopf stellt.

Pretty young woman smoking dangerous cigarette with toxic skull smoke

Die 400 000 Menschen in der Schweiz mit der Chronisch Obstruktiven Lungenkrankheit COPD und ihre behandelnden Ärzte sollten sich den Namen dieser Studie merken: FLAME. Die beim Kongress der American Thoracic Society in San Francisco und zeitgleich im New England Journal of Medicine präsentierte Studie wird die medikamentöse Therapie der COPD – im Volksmund Raucherlunge – umkrempeln. Darin ist sich die Fachwelt einig. FLAME macht die sogenannte duale Bronchodilatation – die Inhalationsbehandlung mit zwei sich in ihrer Wirkung ergänzenden Bronchien erweiternden Mittel – zum Mass aller Dinge.

Aufschlussreiche direkte Vergleichsstudie

Bei FLAME handelt es sich um eine höchst aufschlussreiche direkte Vergleichsstudie – duale Bronchodilatation gegen eine Bronchien erweiternde Therapie mit nur einem Wirkstoff, aber kombiniert mit einem Cortison-Präparat zur Inhalation – einer bisher gängigen Behandlung. Die Ergebnisse sind in allen Patientengruppen und über alle Endpunkte sehr konsistent, das Ausmass der Überlegenheit beeindruckt. Die Patienten mit dualer Bronchodilatation mit den beiden Wirkstoffen aus der FLAME-Studie hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für Rückfalle, eine bessere Lungenfunktion und eine höhere Lebensqualität, benötigten weniger Notfallmedikamente und mussten weniger ins Spital. Patienten dagegen, die neben einem Bronchien erweiternden Mittel auch ein Cortison-Präparat inhalierten, hatten überall schlechtere Werte und erst noch signifikant mehr Lungenentzündungen.

Alle Patienten profitierten gleichermassen von der dualen Behandlung, unabhängig von Alter und Geschlecht, aber auch unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung oder der Atemwegsobstruktion, von der Vorbehandlung, der Vorgeschichte und der Raucherkarriere.

Prof. Jörg Leuppi, Chefarzt der Medizinischen Universitätsklinik Kantonsspital Baselland und Präsident der Lungenliga beider Basel, bestätigt, dass die duale Bronchodilatation künftig die erste Wahl bei der COPD-Therapie sein wird: «Die Fixkombination zweier Bronchien erweiternden Mittel wird für alle symptomatischen Patienten mit COPD Behandlungsstandard werden. Die Leitlinien könnten entsprechend geändert werden.»

Die Chronisch Obstruktive Lungenkrankheit COPD

Die unheilbare Lungenkrankheit engt die Luftwege mehr und mehr ein und beeinträchtigt den ganzen Körper. Raucherlunge nennt man sie im Volksmund, weil in rund 80 Prozent der Fälle Rauchen die Ursache ist; dazu zählt auch starker Passivrauch. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in den Jahren 2020 bis 2030 COPD nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Hirnschlag die dritthäufigste Todesursache weltweit sein wird.

Die Krankheit entwickelt sich schleichend und bleibt meist lange Zeit unentdeckt. Man schätzt, dass rund die Hälfte der Fälle nicht erkannt und daher auch nicht behandelt wird. Die Betroffenen haben am Anfang oft nur am Morgen Husten mit Auswurf und Atemnot bei körperlichen Anstrengungen. Wird die Diagnose gestellt, ist die Krankheit häufig schon weit fortgeschritten. Dabei spielt die Früherkennung eine zentrale Rolle: Je früher die Diagnose, desto effektiver ist die Therapie.