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Ein Akt der Vernunft

Wer sich gegen Grippe impft, denkt nicht nur an sich, sondern auch an andere. Ein Plädoyer für weniger Leichtsinn und mehr Verantwortung.

Senior woman receiving flu vaccine

Diesen Artikel dürfen Impfgegner nicht lesen. Er ist nichts für deren schwache Nerven und deren festgefahrenen Glauben. Allen anderen, die offen sind für einleuchtende Argumente, werfen wir gleich ein paar Zahlen an den Kopf: In der Schweiz ist die Grippe jedes Jahr für rund 110 000 bis 275  000 Arztkonsultationen, 1000 bis 5000 Spitaleinweisungen sowie bis zu 1500 Todesfälle verantwortlich. Man muss sich mal vorstellen, was das kostet. Vom menschlichen Leid gar nicht zu reden. Dabei gibt es eine wirksame Impfung, die nicht mal teuer ist und garantiert weniger kostet als eine Packung eines Grippemittels.

Die Grippe gilt völlig zu Unrecht als Bagatellerkrankung. Auch wenn junge Erwachsene sich in der Regel gut erholen, sind sie erst einmal ein bis zwei Wochen so richtig krank und völlig ausser Gefecht. Ob das wirklich erstrebenswert ist, sei dahingestellt. Wenn man die verursachten Kosten anschaut, ganz sicher nicht. Schwerwiegender können die Folgen für Säuglinge, Menschen ab 65, Schwangere sowie Personen sein, die an einer chronischen Krankheit oder Immunschwäche leiden. Sie reichen von bakteriellen Mittelohren- über Lungen- bis zu Herzmuskelentzündungen.

Immer häufiger auch gesunde junge Erwachsene betroffen

Kommt dazu, dass die Grippe neuerdings immer häufiger auch gesunde junge Erwachsene trifft und nicht nur Alte und Kranke. Menschen der mittleren Altersgruppen erkranken nach neusten Erkenntnissen erstens häufiger und zweitens schwerer als in den Vorjahren. Ursache ist höchstwahrscheinlich ein erst seit 2009 zirkulierender Erreger, der bei jungen Menschen mit ihrem noch unerfahrenen Immunsystem leichtes Spiel hat. Das mag auch erklären, weshalb die Grippewelle des letzten Winters mit 14 statt normalerweise acht bis zehn Wochen besonders lang war.

Eine Grippe ist hochansteckend. Die Influenzaviren übertragen sich leicht von einer Person auf die andere. Dazu muss man nicht mal husten oder niesen. Sprechen genügt, auch eine Berührung mit einem Türgriff oder eines Touch Screens. Da eine infizierte Person die Viren schon in sich trägt, kann sie diese bereits einen Tag vor Ausbruch der Krankheit auf andere übertragen.

Schützt ein gesunder Lebensstil vor Grippe? Nein. Das Pflegepersonal in den Spitälern glaubt das zwar, weil es – trotz seiner Berufstätigkeit – der Schulmedizin gegenüber eher kritisch eingestellt ist. In den Schweizer Spitälern lassen sich nur gerade 22 Prozent des Pflegepersonals gegen Grippe impfen. Ein Grund für die ablehnende Haltung ist, dass sich das Gesundheitspersonal für wenig anfällig hält. In Tat und Wahrheit erkrankt jede vierte Fachkraft, die sich nicht impft, im Winter selbst an Grippe.

Akt der Vernunft und der Solidarität

Sich gegen Grippe impfen zu lassen, ist ein Akt der Vernunft und der Solidarität gegenüber kranken Menschen, Arbeitskollegen, und vor allem auch gegenüber dem eigenen familiären Umfeld. Anderen Menschen zwei Wochen lang Symptome und Komplikationen zuzumuten, die alles andere als angenehm und oft auch gefährlich sind, ist nicht nur dumm, sondern auch egoistisch.

Die Grippeimpfung reduziert das Ansteckungs­risiko auf ein Minimum. Lassen sich genügend Menschen impfen – und zwar nicht nur alte und kranke, sondern auch gesunde, haben diese eine viel grössere Chance, ohne Grippe den Winter zu überstehen. Das würde der Schweiz jedes Jahr unheimlich viel ersparen. Die Impfstoffe sind heute sicher. In allen Bevölkerungsgruppen verfügt man über langjährige Erfahrung. Schon ab dem 6. Lebensmonat kann man Kleinkinder impfen. Schwangere ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft. In der Stillzeit sowieso. Die beste Zeit für die Impfung ist von Mitte Oktober bis Mitte November.

Grippe-Impf-Check und nationaler Grippeimpftag

Haben Sie ein erhöhtes Komplikationsrisiko bei einer Grippe? Ist die Impfung nötig? Der Grippe-Impf-Check mit zehn Fragen kann Ihnen bei der Einschätzung Ihrer Situation behilflich sein. Bei bestimmten Personengruppen kann die Grippe alles andere als harmlos verlaufen und zu schweren Komplikationen führen. Die Impfung schützt Sie vor der Grippe und ihren Komplikationen. Sie verhindert aber auch die Übertragung der Grippeviren auf Ihnen nahestehende Personen. Nehmen Sie sich daher ein paar Minuten Zeit und machen Sie den Grippe-Impf-Check. Der Check ersetzt aber nicht eine ärztliche Beratung.

www.impfengegengrippe.ch

Am 11. November 2016 findet der nationale Grippeimpftag statt. Er bietet die Möglichkeit, sich in vielen Arztpraxen ohne Anmeldung zu einem empfohlenen Pauschalpreis gegen die Grippe impfen zu lassen. Mehr Informationen zum Grippeimpftag und eine Liste der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte finden Sie unter

www.kollegium.ch