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Eine Frage von Leben und Tod

Dass Jean-Jacques Baume aus Basel trotz metastasierendem ­Lungenkrebs noch lebt, verdankt er dem Tumorzentrum des ­Universitätsspitals Basel und einer Immuntherapie.

Baume

Er war dipl. Maschineningenieur ETH. Bildete sich in den USA in Management Science und Kybernetik weiter. Arbeitete erfolgreich als selbständiger Unternehmensberater im Financial Engineering. Zu seinen Hobbies gehörten Skifahren und Autorennen. Er war verheiratet, hat zwei Töchter und drei Enkelkinder. Vor sieben Jahren starb seine Frau. An Brustkrebs. Aus nächster Nähe hat er damals gesehen, wie machtlos die Medizin sein kann, wenn es das Schicksal anders will.

Jetzt, nur ein paar Jahre später hat auch er ein schweres Krebsleiden, nämlich Lungenkrebs, die weltweit häufigste krebsbedingte Todesursache. Es sterben mehr Menschen an Lungenkrebs als an Brustkrebs, Dickdarmkrebs, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs zusammen. In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 2500 Männer und 1500 Frauen neu an Lungenkrebs.

Zufallsdiagnose Lungenkrebs

Seit Januar weiss Jean-Jacques Baume, dass er Lungenkrebs hat. Symptome verspürte er keine, wie so viele Betroffene. Es war eine Zufallsdiagnose. Ein Fuchs rannte über die Strasse, als er mit dem Auto unterwegs war. Er kam von der Fahrbahn ab, der Airbag ging los. Verletzungen trug er keine nennenswerten davon. Doch man ging auf sicher und machte im Spital ein Röntgenbild zur Kontrolle. Mit dem niederschmetternden Befund: metastasierender Lungenkrebs. Und das aus heiterem Himmel, ohne jede Vorwarnung.

Natürlich hatte er viel geraucht, aber schon vor dreissig Jahren damit aufgehört. «Das ist doch nicht möglich – nach all diesen Jahren Lungenkrebs? Ich konnte es einfach nicht glauben.» Im selben Augenblick erwachte sein Kampfgeist. Tatenlos hinnehmen wollte er diese Diagnose nicht.

Im Universitätsspital Basel folgten Chemotherapie und Bestrahlung. Mitten in der Nacht musste er unters Messer. Es war ein Notfalleingriff, so schlecht war es um ihn bestellt. Das Krebsgewebe war von Bakterien durchseucht. Es drohte eine Blutvergiftung. «Mein Zustand war miserabel. Ich hatte keine Kraft mehr und musste mit dem Schlimmsten rechnen.»

Beim Melanom und bei Lungenkrebs

Trotz Chemotherapie und Bestrahlung verschlechterte sich sein Zustand. Deshalb schlug ihm Prof. Alfred Zippelius vom Tumorzentrum Universitätsspital Basel eine immunonkologische Therapie vor. Damit gelingt es, die bisher bescheidenen Überlebensaussichten von Lungenkrebspatienten zu verbessern. Die Ärzte bezeichnen die Immuntherapie als einen Hoffnungsträger in der Krebsbehandlung, zuerst beim Melanom, und jetzt auch beim Lungenkrebs.

Mit immunologisch aktiven Antikörpern bringt man den Körper dazu, selbst die Arbeit zu machen, das heisst die Krebszellen anzugreifen und zu vernichten. Das gelingt, indem man an den sogenannten Checkpoints des Immunsystems mit Hilfe der Antikörper die Signalsysteme so verändert, dass die Krebszellen als fremd erkannt und beseitigt werden können. Viele Krebszellen entgehen nämlich der Vernichtung, weil sie sich geschickt tarnen und die angreifenden Immunzellen täuschen. Mit Hilfe der immunologisch aktiven Proteine lassen sich die Krebszellen nun enttarnen.

Therapie hat Leben gerettet

Bei Jean-Jacques Baume schlug die Immuntherapie voll ein. «Es ging mir vom ersten Moment an sofort besser. Es war eine Wende von 0 auf 100. Für meinen Zustand vorher gab es nur ein Wort: elend. Heute bin ich schon fast wieder der Alte. Dabei bin ich mir voll bewusst, es war eine Frage von Leben und Tod. Wenn ich diese Therapie nicht bekommen hätte, wäre ich schlicht nicht mehr da. Auch für meine behandelnden Ärzte grenzt das an ein Wunder.»

Jean-Jacques Baume will mit seiner Geschichte dazu beitragen, dass sich die Patienten heute vollumfänglich informieren, auch über den medizinischen Fortschritt, und für ihre Rechte kämpfen. Und er wünscht allen Krebspatienten, dass sie ebenso gute Erfahrungen machen wie er im Tumorzentrum des Universitätsspitals Basel: «Ich selber und auch meine Angehörigen waren begeistert, wie vertrauensvoll, überlegt und zuvorkommend die behandelnden Ärzte waren und uns über jeden Schritt umfassend informierten. Nie hat sich jemand von uns alleingelassen oder hilflos gefühlt.»

 

Prof. Alfred Zippelius

Prof. Alfred Zippelius, stellvertretender Chefarzt Onkologie, Leiter Labor Tumorimmunologie, Universitätsspital Basel.