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Einsamkeit ist so schlimm wie Rauchen

Sitting in solitude

Teil 1 der Serie von Dr. Stutz für mehr Gesundheit im Alter. Rezept Nummer 1: Mehr Kontakte.

Von den über 65-Jährigen leben je nach Untersuchung bis zur Hälfte aller Frauen und jeder fünfte Mann allein, wobei Männer und Frauen gleich häufig von Einsamkeit betroffen sind. Frauen verfügen offenbar über mehr Möglichkeiten als Männer, Einsamkeit vorzubeugen. Während Frauen meistens enge Freundschaften pflegen, stehen Männer meistens nur mit ehemaligen Kollegen in loser Verbindung und haben kaum enge Vertrauenspersonen. Ob jemand allein lebt oder nicht, ist nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass jemand über ein gutes Netz an Sozialkontakten verfügt. Wer soziale Kontakte pflegt, sich Beschäftigungen sucht, hat gute Chancen, sich auch im Aller nicht einsam zu fühlen.

Ein Gefühl von Einsamkeit wirkt sich sehr negativ auf die körperliche und seelische Gesundheit aus und kann das Leben ebenso stark verkürzen wie Rauchen oder starkes Übergewicht. Anhaltende Isolation setzt Körper und Psyche massiv unter Stress, was körperliche Krankheiten, Depressionen, Missbrauch von Alkohol und Medikamenten auslösen kann. Das zeigt sich nirgendwo so deutlich wie bei der Anzahl der eingenommenen Psychopharmaka und Schlafmittel im Alter. Je weniger soziale Kontakte jemand hat, desto höher ist der Gebrauch dieser Substanzen.

Ein 65-jähriger Mann kann heute mit durchschnittlich 13 Lebensjahren ohne Behinderung rechnen. Gleichaltrige Frauen sogar mit 16 behinderungsfreien Jahren. Der Trend zu einer immer früheren Ausgliederung von Menschen aus dem Arbeitsleben erweist sich daher immer stärker als sehr problematisch. Deshalb sind Teilzeitarbeit und Freiwilligenarbeit stark im Kommen. Denn alle Studien belegen, dass aktive Engagements wesentlich zu einem gesunden Altern beitragen.

Heutige ältere Frauen und Männer sind aktiver als frühere Generationen. Die nachberuflichen Tätigkeiten sind fast so vielfältig wie jene in früheren Lebensphasen. Zentral ist die bisherige Lebensführung. Wer in früheren Lebensphasen aktiv war, tut dies meistens auch in der Zeit nach der Pensionierung. Zu einem guten Altern gehört eine Aufgabe oder Funktion. Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Bedeutung. Zu wissen, dass es ihn gibt und dass er für irgendjemand wichtig ist. Deshalb benötigen gerade Menschen mit viel freier Zeit einen Bedeutungszuwachs. Eine Art von Arbeit, an der sie wachsen können und Verantwortung spüren, auch jenseits des Bruttosozialproduktes.

Lesen Sie nächste Woche: Neugier bremst Hirnabbau.