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Erst Hörprobleme, dann Demenz?

Irische Forscher haben untersucht, ob Schwerhörigkeit und kognitiver Abbau zusammenhängen. Eine Metaanalyse deutet vage in diese Richtung.

Man holding ear to listen

Nicht die Ohren sind schuld, sondern das Gehirn, wenn man im Restaurant oder auf einer Party vor lauter Umgebungsgeräuschen sein Gegenüber nicht mehr richtig versteht. Die altersbedingte Schwerhörigkeit, an der laut Deutscher Ärztezeitung heute etwa jeder dritte Mensch über 65 leidet, hat ihre Ursache nämlich in einer gestörten Verarbeitung der akustischen Signale im Gehirn.

Kann es sein, dass altersbedingte Schwerhörigkeit darum Vorbote einer beginnenden Demenz ist? Dieser Frage sind David G. Loughrey vom Trinity College in Dublin (Irland) und Kollegen auf den Grund gegangen. In einer Metaanalyse haben sie die Ergebnisse aus 36 Studien zu Altersschwerhörigkeit und Kognition zusammengefasst. Beteiligt waren insgesamt 20264 Menschen aus zwölf Nationen.

Kausalzusammenhang nicht belegbar

Ganz eindeutig sind die Resultate nicht. Mit zunehmender Schwerhörigkeit war zwar eine Abnahme der kognitiven Fähigkeiten verbunden. Das irische Forscherteam fand eine relativ gering ausgeprägte Assoziation der Altersschwerhörigkeit mit allen untersuchten Bereichen wie globale Wahrnehmung, exekutive Funktionen, episodisches Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Wortgedächtnis und räumlich-visuelle Wahrnehmung. Die Resultate lassen aber trotzdem offen, ob die Schwerhörigkeit zur „kognitiven Last“ des alternden Gehirns beiträgt, schreibt das Blatt. Da in die Metaanalyse ausschliesslich Beobachtungsstudien eingeflossen sind, liesse sich kein Kausalzusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und kognitivem Abbau belegen. Auch ein Zusammenhang zwischen Altersschwerhörigkeit und Alzheimer-Demenz konnte nicht nachgewiesen werden.

Umverteilung kognitiver Ressourcen

Interessant war für die Forscher aber, dass sich bei Einsatz von Hörhilfen die gering ausgeprägte Assoziation weiter abzuschwächen schien; dies betraf vor allem die Bereiche Kurzzeitgedächtnis und semantisches Gedächtnis. Aus Verhaltensstudien und bildgebender Hirnforschung ist bekannt, dass bei neu aufgetretenem Hörverlust vermehrt das Kurzzeitgedächtnis und exekutive Funktionen herangezogen werden, um die Sprachwahrnehmung zu unterstützen. Laut Loughrey wird vermutet, dass dies quasi zu einer Umverteilung kognitiver Ressourcen führen könnte: Und zwar offenbar auf Kosten des episodischen Gedächtnisses und des Langzeit-Sprachgedächtnisses. Es sind weitere Studien nötig, um bessere Klarheit zu erlangen.

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