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Es ist schon fast eine Revolution

Resignation und Ausgrenzung haben Menschen mit Psoriasis jahrelang ­begleitet. Privatdozent Dr. Christian Busch sagt, weshalb es sich jetzt lohnt, zum Arzt zu gehen.

Psoriasis 3er

Die Schuppenflechte, eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, von der rund zwei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, verursacht seit jeher erhebliches Leid, schwere Nachteile im Leben und soziale Ausgrenzung. Vor allem, wenn sichtbare Hautareale und die äusseren Geschlechtsorgane befallen sind. In vergangenen Jahrhunderten wurden Patienten mit ausgeprägter Psoriasis stark stigmatisiert. Teils wurde ihnen sogar der Zutritt zu den Städten verwehrt, aus einer völlig unbegründeten Angst, es könne sich um Lepra handeln. An den Vorurteilen hat sich bis heute nicht viel geändert. So ist die Schuppenflechte weder ansteckend noch hat sie etwas mit mangelnder Hygiene zu tun.

Eine Psoriasis tritt typischerweise in Schüben auf, die durch unterschiedliche Triggerfaktoren ausgelöst werden können. Dazu zählen Infektionen wie eine Angina, körperlicher und seelischer Stress, klimatische Einflüsse, hormonelle Veränderungen wie eine Schwangerschaft, bestimmte Nahrungsmittel, gewisse Medikamente wie Beta-Blocker, Lithium und Interferon etc.

Massgeschneiderte Therapie

Weil die Schuppenflechte eine genetische Veranlagung hat, kann auch die moderne Medizin diese Krankheit nicht heilen. Aber dank bestehender und vor allem auch dank neuer Therapieoptionen lässt sich die Psoriasis jeder Ausprägung – sei es ein Befall der Haut, der Nägel oder der Gelenke – praktisch immer vollständig wegbehandeln. Eine moderne Psoriasis-Therapie ist immer massgeschneidert und orientiert sich sowohl an der Ausprägung der Krankheit als auch an den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Man geht dabei nach einem Stufenschema vor. An erster Stelle steht die Lokaltherapie mit Vitamin-D-Präparaten und Kortison. An zweiter Stelle folgen die Lichttherapie oder die sogenannte Bade-PUVA. Auf Stufe drei kombiniert man die Therapien der Stufe eins und zwei miteinander. In vierter therapeutischer Instanz kommen systemisch wirksame Medikamente zum Zug. Es gibt herkömmliche, bewährte Mittel und ganz neue, die bequem als Tabletten eingenommen werden können und sehr verträglich sind. Reicht das noch nicht, hat man als letzte Option die Biologicals. Aber das ist schon schwereres Geschütz. Sie müssen gespritzt werden und sind zudem sehr kostspielig.

Weitere wichtige Säulen sind Basistherapiemassnahmen wie Bäder mit Salz aus dem Toten Meer und Feuchtigkeitscremes sowie phytotherapeutische Behandlungen und TCM. Auch Stressreduktion mittels Yoga, Atemtherapie oder ähnlichen Ansätzen können die Häufigkeit und Schwere von Erkrankungsschüben reduzieren.

Neue Perspektiven

Vor allem die neuen Medikamente eröffnen uns bei der Behandlung von mittelschweren bis schweren Fällen ganz neue Perspektiven. Viele Experten sprechen sogar von einer Revolution. Die neuen Wirkstoffe zeigen gute bis sehr gute Effekte und sind sehr gut verträglich. Besonders werden sie von Patienten geschätzt, die Angst vor Spritzen haben.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Medizin sind wir dank einer Vielzahl von Therapieoptionen in der Lage, den Menschen mit Psoriasis wirksam helfen zu können. Resignation und Rückzug sind heute fehl am Platz. Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, das Gespräch mit einem erfahrenen Dermatologen zu suchen.

«Gib nicht auf – bekämpfe Psoriasis»

Die Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft hat unter diesem Slogan eine Kampagne lanciert. Sie möchte Psoriasis-Patienten, die aufgegeben haben, wieder Mut machen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Mit einem Online-Test können Sie herausfinden, wie zufrieden Sie mit Ihrer Lebenssituation sind. Bei Bedarf hilft die Webseite, einen Dermatologen oder Rheumatologen in der Nähe zu finden. Machen Sie jetzt den Online-Test unter www.fightpsoriasis.ch.