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Atemnot im Kinderzimmer

Atemnot bei Kindern löst bei Kind und Eltern Panik aus.

Gequält hebt und senkt sich ihr Brustkorb. Angestrengt treten die Muskeln hervor. Die nackte Panik steht Jessica, sieben Jahre alt, ins Gesicht geschrieben. «Mami, Papi, so helft mir doch», liest man aus ihren verzweifelten Augen. Sie atmet schwer. Zwischen den Hustenattacken bleibt kaum Zeit zum Luftholen. An den Pseudokrupp mit 12 Monaten erinnert sie sich nicht mehr, die Eltern hingegen schon. Ihr Vater trug sie damals sofort an die kühle frische Luft und die Atmung normalisierte sich schnell. Doch mit sieben Jahren? Kann das ein Pseudokrupp sein? Ist es nur eine harmlose Erkältung oder richtiges Asthma? Prof. Johannes Wildhaber: «Nach einem einzigen Anfall im Vorschulalter ist die Beurteilung schwierig, denn rund ein Drittel aller Kinder erkrankt nicht selten sogar mehrmals pro Jahr an obstruktiven Bronchitiden, einer Einengung der Bronchien im Rahmen eines viralen Infektes. Er beginnt mit Schnupfen und plötzlich kommt es zur erschwerten, geräuschvollen Atmung. Tritt der Anfall erst im Schulalter auf, handelt es sich häufig um Asthma.» Was sollen Eltern tun? Abwarten oder sofort den Arzt aufsuchen? Prof. Wildhaber: «Im Vorschulalter ist das klassische allergische Asthma selten. Treten die Symptome bei einem sonst gesunden Kind auf, behandelt man die akute Krise und wartet vorerst einmal den weiteren Verlauf ab. Bei zusätzlichen Auffälligkeiten wie schlechtem Gedeihen des Kindes, häufigen Mittelohrentzündungen usw. sollte man das Kind hingegen unabhängig vom Alter schon nach dem ersten Anfall auf andere Ursachen abklären lassen. Ebenfalls dann, wenn
ein sonst gesundes Vorschulkind mehr als drei Anfälle innerhalb eines Jahres oder in kurzer Folge erlitten hat.» Und wenn der Anfall bei Schulkindern wie Jessica auftritt? Prof. Wildhaber: «Dann muss man auf jeden Fall zum Arzt, denn in diesem Alter liegt der Verdacht auf allergisches Asthma nahe, und das muss dringend behandelt werden. Ohne Angst machen zu wollen: Ein Asthmaanfall kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen.»

Jedes zehnte Kind in der Schweiz leidet an Asthma. Das eine ist allergisch auf gewisse Stoffe, das andere reagiert bei Anstrengung mit Atemnot oder Husten. Es ist wichtig, die Boten korrekt zu deuten. Nicht selten wird Anstrengungsasthma als Konditionsschwäche abgetan. Nur, wer richtig diagnostiziert ist, kann richtig behandelt werden. Oberstes Ziel jeder Therapie ist es, die Entzündung der Atemwege und Bronchien zu bekämpfen und so dem Kind ein ganz normales Leben ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Das heisst: Teilnahme am Schulsport und so wenig Unterrichtsabsenzen wie möglich. Das Kind darf wegen seiner Krankheit nicht in eine Aussenseiterrolle gedrängt und aus dem Klassenverbund ausgegrenzt werden.

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Mit den heutigen Medikamenten ist das kein Problem. Auf ein paar Dinge sollte man aber achten. Prof. Wildhaber: «Wenn die Bronchien im Akutfall verschleimt sind, nützt Inhalieren von Cortisonsprays nur wenig, weil der Wirkstoff grösstenteils im Schleim stecken bleibt. Ich empfehle deshalb frühzeitig die Gabe von Cortison als Tropfen oder Brausetabletten, welche ich zu Hause und auf Reisen auch für meine drei Kinder immer bereithabe. Zusätzlich helfen Medikamente, welche die Atemwege erweitern und als Spray oder Sirup eingenommen werden. Das Spray erreicht zwar auch hier die Lungen kaum, wird aber von den Mundschleimhäuten resorbiert und wirkt somit systemisch über den Blutkreislauf. Das Kind kann danach sehr schnell wieder atmen und hat keine Erstickungsangst. Da ich dies bei meinen eigenen Kindern erlebt und im Notfall erfolgreich angewendet habe, gehört Cortison-Sirup meiner Meinung nach in jede Reiseapotheke. Kurz und einmalig angewendet, hat Cortison keine Nebenwirkungen.»

Anders lautet die Empfehlung zur Vorbeugung. Prof. Wildhaber: «Das einzige Medikament, das bei Kindern mit infektausgelösten obstruktiven Bronchitiden im Vorschulalter prophylaktisch wirkt und zur Besserung der Symptome ausserhalb eines akuten Anfalls führt, ist ein Leukotrienantagonist (z.B. Singulair). Beim klassischen allergischen Asthma sind es die inhalativen Steroide. Da im Schulalter – also ab etwa sechs Jahren – häufig eine Kombination von allergen- und infektausgelösten Symptomen auftritt, setze ich beide Medikamentengruppen vorbeugend ein. Hier handle ich aus Erfahrung, vielleicht nicht ganz gemäss den Richtlinien, aber auf jeden Fall zum maximalen Nutzen des Kindes.» Gerade weil Asthma verschiedene Auslöser haben und durch Stress und psychische Belastungen begünstigt werden kann, ist der Dialog zwischen Eltern, Kind und Arzt wichtig. Der Tipp von Prof. Johannes Wildhaber: «Sprechen Sie als Eltern mit den Ärzten ganz offen über Ihre Sorgen und die Sorgen Ihres Kindes.»

Symptome

  • (Starker) Husten, meist ohne Auswurf
  • Beim Ausatmen pfeifende Atmung
  • Atemnot
  • Brustenge, seltsame Gefühle in der Brustgegend
  • Häufige Infektionen der Atemwege (Erkältungen, Bronchitis)

Anfall

  • Die Schleimhaut in den Bronchien reagiert auf eine Reizung mit Entzündung. Sie wird dicker und verengt die Bronchien
  • Der produzierte Schleim verengt die Bronchien abermals
  • Die Muskeln rund um die Bronchien verkrampfen sich und drücken die Atemwege zusammen
Drucken20.08.2010