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Mein Kind ist immer wieder erkältet

Professor Urs B. Schaad weiss, was Kindern helfen kann.

Die meisten Säuglinge und Kleinkinder machen pro Jahr vier bis sechs Erkältungen durch. Bis zum Schuleintritt sind das 20 bis 30 Atemwegsinfektionen. Sie treten vor allem im Winterhalbjahr auf. Die drei wichtigsten Erklärungen für diese hohe Zahl sind der ständige Kontakt mit den Erregern durch das nahe Beieinandersein in der Familie, in der Krippe und im Kindergarten, das noch unreife Immunsystem und Einflüsse aus dem Umfeld wie Passivrauchen, Feinstaub und nasskalte Wetterlage.

Die Ursache dieser Erkältungen sind in den allermeisten Fällen Viren, was auch erklärt, dass Antibiotika nicht angezeigt sind, da sie nicht wirken und höchstens schaden können. Nur die glücklicherweise seltenen Komplikationen Mittelohrenentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung oder gar Lungenentzündung sind oft durch Bakterien verursacht, so dass ein Antibiotikum in Frage kommt.

Die Nase läuft, der Hals tut weh und somit ist das Schlucken schmerzhaft, der Husten quält und das Fieber macht die Kinder müde und schlaff – unsere Kleinen leiden und sind wirklich krank. Frösteln, Glieder- und Kopfschmerzen, sowie Appetitlosigkeit sind typisch.

Die kleinen Patienten können und sollen in den allermeisten Fällen zu Hause betreut werden. Im Vordergrund steht die Ruhe, also die Erholung in geeigneter Umgebung. Jegliche Anstrengungen sind zu vermeiden; bequem gelagert, in der Regel mit etwas erhöhtem Kopf, was die Atmung erleichtert; leichte Kleidung und leichtes Bettzeug. Geeignet ist eine Zimmertemperatur von zirka 20°C, was mit Lüften beziehungsweise Regulation der Heizung erreicht wird. Die liebsten Kuscheltiere und Spielzeuge sind beim kranken Kind aufgebaut, Radio, Musik und Fernsehen sind sparsam erlaubt. Der kleine Patient soll sich wohl und geborgen fühlen. So wird das Kranksein möglichst positiv erlebt, was die Heilung fördert.

Als zweite wichtige Massnahme ist dafür zu sorgen, dass die Kinder genügend trinken. Fieber, das oft mit starkem Schwitzen einhergeht, schnelles Atmen und nicht selten auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen zur Austrocknung, die unbehandelt sehr gefährlich werden kann. Das kranke Kind soll trinken dürfen, was es sich wünscht.

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Die bewährten Hausmittel kommen zum Zug. Nasentropfen mit Salzwasser helfen die Nase freizubekommen, warmer Hustentee lindert den Husten, ein Luftbefeuchter trägt dazu bei, die Schleimhäute feuchtzuhalten, kühlende Wickel beziehungsweise kühlende Hand- und Fussbäder oder ein Ventilator – nicht direkt ins Gesicht gerichtet – helfen, das Fieber zu senken. Gurgeln oder Halswickel machen Halsschmerzen erträglicher, saubere Luft – kein Passivrauchen, genügend Lüften – vermindert den Hustenreiz, Brustwickel beziehungsweise Brust und Rücken einreiben beruhigen und wirken hustenstillend. Der Einsatz von Fieberzäpfchen, Hustensirup und Nasentropfen erfolgt in Absprache mit dem Kinderarzt, entweder wie früher vereinbart oder nach telefonischer Rückfrage.

Das Wichtigste sind ausgeschlafene Eltern, die Zeit und Geduld für die anspruchsvolle, liebevolle Pflege ihres Kindes haben. Die Eltern sollen sich abwechseln, um dazwischen selbst Ruhe zu finden. Natürlich ist die Mithilfe von Verwandten wie der Grossmutter oder Bekannten Gold wert.

Bei sehr hohem Fieber, das heisst über 40°C, bei sehr schlechtem Allgemeinzustand und wenn es einfach zu Hause nicht mehr geht, ist fachärztliche Hilfe angesagt. Das gilt besonders bei Krämpfen, bei ausgeprägter Schläfrigkeit, wenn die Hautfarbe beunruhigt – Blässe, Blauverfärbung, rote Flecken – und bei deutlich erschwerter Atmung. Der Kinderarzt entscheidet, ob und welche Untersuchungen – zum Beispiel Abstrich, Röntgen, Blut – und Behandlungen – Antibiotikum, Sauerstoff, Infusion – notwendig sind.

Viel Bewegung in der freien Natur und ausgewogene vitaminreiche Ernährung – während der ersten Lebensmonate wenn möglich Stillen – fördern die Resistenz gegen Erkältungskrankheiten. Die Raumluft darf nicht zu trocken sein, Passivrauch und Feinstaub sind fernzuhalten. Impfungen gegen die möglicherweise eine Erkältung komplizierenden Bakterien Pneumokokken und Keuchhusten sind unbedingt zu empfehlen. Die Impfung gegen die eigentliche Grippe, die Influenza, soll mit dem Kinderarzt besprochen werden. Das gilt auch für die unspezifische Immunstimulation, die Anzahl und Schwere der Atemwegsinfektionen im Vergleich zum Vorjahr vermindern kann. Die Präparate, die oral eingenommen werden, stärken die Abwehr des Immunsystems gegen die Verursacher der Erkältung.

Drucken31.12.2010