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Na und?

Bettnässen ist für Tausende Familien ein leidiger Dauerbrenner.

Bettnässen ist häufig. Und Bettnässen nervt. Nicht etwa, weil ein Kind noch nicht trocken ist, sondern weil alle daraus ein Problem machen. Weil Eltern weis gemacht wird, das habe sicher einen psychischen Hintergrund. Sie hätten womöglich in der Erziehung etwas falsch gemacht. Weil all die guten Ratschläge und Therapien meist nur wenig fruchten oder mit grossem Aufwand verbunden sind. Weil sich im Familienleben am Schluss alles nur noch um dieses eine, leidige Thema dreht.

Legen wir also zuerst den Sumpf der Vorurteile trocken, bevor wir von den Kindern etwas verlangen, für das sie die Natur vielleicht gar noch nicht eingerichtet hat. Bettnässen ist keine Krankheit. Die einen sind früher trocken, die anderen später. Bettnässen ist auch kein Erziehungsfehler noch hat es psychische Ursachen. Ein Bett nässendes Kind ist so normal wie jedes andere auch.

Bettnässen ist so häufig, dass es keinen Grund gibt, sich deswegen zu hintersinnen oder gar zu schämen. 25 Prozent der Vierjährigen nässen nachts ein, 10 Prozent der Siebenjährigen und von den Jugendlichen sind immer noch ein bis zwei Prozent betroffen.

Nur ganz seltens hat Bettnässen organische Ursachen. Diese Kinder haben meistens auch tagsüber Probleme beim Wasserlösen und schlafen nachts unruhiger als andere. Ist dies nicht der Fall, gibt es keinen Grund, dem Bettnässen einen Krankheitswert zu geben. Auch die Aussage, nach dem fünften Lebensjahr müsse Bettnässen behandelt werden, entbehrt jeder Grundlage. Jedes Jahr werden rund 10 Prozent der Kinder ganz von alleine trocken. Erfahrene Kinderärzte betonen immer wieder, dass fast jedes Kind seine Blase irgendwann unter Kontrolle hat und keiner speziellen Therapie bedarf.

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Strafen sind nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich. Denn Kinder machen weder absichtlich ins Bett noch sind sie zu faul um aufzustehen. Erst wenn das Zusammenspiel von Gehirn und Blase ausgereift ist, kann ein Kind trocken werden. Das ist ein Prozess, auf den ein Kind nicht den geringsten Einfluss hat. Auch Kalender und Belohnungen bringen nichts, weil ein schlafendes Kind seine Blase willentlich gar nicht steuern kann. In Ratgebern ist zu lesen, abends sei die Trinkmenge einzuschränken. Für Kenner des Problems ist diese Empfehlung längst überholt. Nachts sollen die Kinder ein- bis zweimal geweckt werden, um sie auf die Toilette zu schicken. Was für ein Stress für die armen Kinder und diejenigen, welche sie wecken müssen!

Eltern, die gegen Bettnässen etwas unternehmen möchten, verwenden am besten einen Weckapparat. Dabei handelt es sich um ein Gerät zur Feuchtigkeitsmessung, das ähnlich einem Wecker ein Alarmsignal abgibt, sobald Urin auf die Messfühler gelangt. Das Kind wird geweckt, der Wasserstrahl unterbrochen. Manche Kinder entwickeln mit der Zeit die Gewohnheit, nachts automatisch aufzuwachen, um Wasser zu lösen. Der Weckapparat wird, sofern ärztlich verordnet, von der Krankenkasse bezahlt. Jedoch nur wenn das Gerät gemietet wird.

Problematisch ist der wachsende Trend, die Betroffenen mit einem antidiuretischen Hormon zu behandeln. Entsprechende Medikamente haben zum Teil beträchtliche Nebenwirkungen und eine hohe Rückfallquote, sobald sie abgesetzt werden.

Ungeduldige Bemühungen der Eltern führen nur dazu, dass sich zu Hause bald alles nur noch ums Bettnässen dreht und dem Kind ständig vermittelt wird, dass es den Ansprüchen der Eltern nicht genügt. Dabei wäre es so einfach: Lasst der Natur ihren freien Lauf – und dem Urin auch! Je weniger Ihr Euch um das Bettnässen kümmert, desto eher werden Eure Kinder trocken. Ein Problem wird Bettnässen erst, wenn Ihr eines daraus macht.

Erspart Euren Kindern vor allem die Demütigung, am Morgen in einem durchnässten Bett aufzuwachen. Mittlerweile gibt es saugfähige Pyjama-Unterhosen, die diskreten Schutz und Sicherheit bieten, die wie echte Unterwäsche getragen werden können und viel angenehmer sind als normale Windeln, sodass auch auswärts kaum etwas auffällt.

Drucken11.01.2010