Schielen
Bis zum 6. Lebensjahr sind die Heilungschancen am grössten.
Hält Ihr Kind den Kopf häufig schief? Kneift es ein Auge immer wieder zu und Sie schimpfen, es solle mit dem Tick aufhören? Blinzelt es viel und reibt sich die Augen? Sie denken vielleicht, die Augen sind wegen des Reibens gerötet, obwohl es umgekehrt ist. Oder ist Ihr Kind scheinbar etwas tollpatschig, weil es immer wieder stolpert oder danebengreift? Es kann sich um frühe Warnzeichen von Schielen handeln. Ganz besonders dann, wenn das Kind sagt, es sehe manchmal doppelt.
Ungefähr jeder 40. Mensch leidet an Schielen, im Fachjargon Strabismus. Oft tritt das Krankheitsbild bereits im frühen Kindheitsalter auf, doch häufig wird es zu spät erkannt. Der Glaube, Schielerkrankungen müssten offensichtlich sein, ist ein folgenschwerer Irrtum. Wer sein Kind nicht frühzeitig auf Fehlsichtigkeiten untersuchen lässt, vergibt eine grosse Chance – denn die besten Heilungserfolge werden bis zum sechsten Lebensjahr erzielt. «Es ist sogar schon vor dem sechsten Monat möglich, kindliche Sehfehler zu entdecken. Je früher ein Kind präventiv untersucht wird, desto besser», sagt Dr. Christian Bosshard, Leitender Arzt der Abteilung Strabologie in der Klinik Pallas in Olten.
Für die Untersuchungen bei Kindern sind in der Klinik ausgebildete Orthoptistinnen zuständig. Sie sind auf die Diagnose und Therapie von Fehlentwicklungen der Sehkraft bei Kindern spezialisiert. Die Vorsorgeuntersuchungen seien besonders wichtig, betont Sarah Dennler, Orthoptistin und administrative Leiterin des Augenzentrums: «Eine vollständige Untersuchung zur Beurteilung des Sehvermögens kann bei Kindern in Bezug auf Schielerkrankungen wegweisend sein. Im Kanton Solothurn besuchen wir deshalb so viele Kindergärten wie möglich. Schielen ist kein Schönheitsfehler, der sich von alleine auswächst.»
Werden kindliche Sehfehler nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, entwickelt sich eine Sehschwäche, die nicht mehr korrigierbar ist. Es droht der Verlust des dreidimensionalen Sehens, weil ein Auge weniger gut oder gar nicht mehr sieht. Dennler: «Solche Störungen können lebenslängliche Auswirkungen haben und auch zu einer Einengung der Berufswahl führen». Hat man einen Sehfehler entdeckt, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Orthoptistin und Augenarzt wichtig. Es geht primär um die Art der Behandlung. Sie kann von Fall zu Fall variieren. Beim einen Kind wird ein Auge abgedeckt, um die einseitige Schwachsichtigkeit zu korrigieren. Beim andern Kind ist die Korrektur mittels spezieller Brille möglich. Wiederum bei anderen Kindern ist eine Schieloperation nötig.
Die erbliche Situation kann gute Hinweise geben. Falls innerhalb der Familie Sehfehler oder andere gravierende Augenerkrankungen bekannt sind, empfiehlt sich eine Augenuntersuchung schon präventiv, also auch dann, wenn keine Auffälligkeiten bemerkbar sind. Denn es sind die gezielten Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt und bei geschultem Personal, welche die Leistungsfähigkeit und Sensibilität der Augen erhalten helfen – oft bis ins hohe Alter.








