Zeit für ein Time-Out
Sommerferien sind die Gelegenheit für provokative Fragen und ehrliche Antworten.
Wahrscheinlich hast Du Schul- oder Semesterferien. Vielleicht machst Du eine Lehre und hast im Sommer auch ein paar Wochen frei. Oder Du hast gerade einen Abschluss gemacht und beginnst eine neue Ausbildung oder steigst sogar ins Berufsleben ein. Es könnte auch sein, dass Du zu jenen Tausenden von Jugendlichen gehörst, die verzweifelt eine Lehr- oder Arbeitsstelle suchen, oder aber null Bock haben, sich in das Hamsterrennen der Gesellschaft einzuordnen.
Nutz diese Zeit. Nimm Dir ein Time- Out. Nur wer fragt, bekommt Antworten. Stell alles infrage, auch Dich selbst. Mach nichts, nur weil man es immer so gemacht hat. Tue nie etwas gegen Deine innerste Überzeugung. Höre auf Dein Bauchgefühl. Mach nur das, was Dir auch wirklich entspricht. Lass Dich nicht von irgendwelchen Normen unter Druck setzen, weder was Dein Aussehen, die Kleidung, das Konsum- und Freizeitverhalten noch die Trink- und Rauchgewohnheiten betrifft. Habe den Mut, eine eigene Persönlichkeit zu sein, die ruhig auch einmal anecken und ausscheren darf.
Challenge Nummer 1
Entzieh Dich für eine definierte Zeit komplett der monströsen Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer, Handy und Co. Immer mehr Schulen und Gemeinden machen das Experiment, eine oder zwei Wochen auf jeglichen elektronischen Müll zu verzichten, und haben damit grossen Erfolg. Du wirst sehen, dass die leisen Töne Dir viel mehr zu sagen haben als die lauten, mit denen Du Dich sonst Tag für Tag zudröhnst.
Challenge Nummer 2
Such Dir wahre Freunde im Leben. Freunde in den Internetcommunities haben kein Fleisch und Blut, lachen und streiten nicht mit Dir und sind auch nicht zur Stelle, wenn es wirklich drauf ankommt. Was ist, wenn Du Dich der virtuellen Welt für eine Weile verweigerst? Such Dir dazu zwei echte Freunde und zieh das Time-Out zusammen mit ihnen durch.
Challenge Nummer 3
Bist Du Dir schon einmal bewusst geworden, dass Du in der 24-Stunden-Gesellschaft nicht mehr zur Ruhe kommst? Unsere Eltern und Grosselten kannten noch den Feierabend. Für uns geht nach der Schule oder Arbeit der Stress erst los, wenn die Nacht zum Tag wird und wir getrieben von der Angst, etwas zu verpassen, wie Irre in den Städten herumhetzen. Nimms doch cooler. Sei einfach einmal bei Dir. Dann verpasst Du gar nichts. Und gönn Dir auch den Schlaf, den Du brauchst. Sich an jedem Wochenende um den Schlaf zu bringen, macht weder klug noch sexy.
Challenge Nummer 4
Die Schule ist ein Motivationsräuber. Jahrelang nur zu büffeln, ohne zu wissen, wozu das gut sein soll, und dazu noch wie gelähmt still sitzen zu müssen, überfordert die meisten von uns. Zum Glück gibt es da und dort Ansätze, das starre und krankmachende Schulsystem aufzubrechen. Die bewegte und individualisierte Schule ist ein Erfolg versprechender Versuch. Setz Dir klare Ziele, kurzfristige und langfristige. Brauche ich die Matur? Will ich wirklich studieren, oder entspricht mir eine Berufslehre mehr? Nur wenn Du Deine Interessen kennst, kannst Du Dich motivieren und hältst auch einmal eine vorübergehende Durststrecke durch. Lineare Lebensläufe werden immer seltener. Unsere Eltern wählten noch einen Beruf fürs Leben. Heute darf man ausprobieren, schnuppern, einsteigen, aussteigen, aufhören, wieder neu anfangen. Je mehr Erfahrungen Du jetzt sammelst, gute und schlechte, desto mehr Andockstellen hast Du für Dein berufliches Leben. Ein neuer Trend ist übrigens eine sehr frühe Selbstständigkeit unmittelbar nach oder sogar vor einer abgeschlossenen Ausbildung. Heute sind kreative Köpfe und neue Ideen und Produkte gefragt. KV und Wirtschaftsstudium in St. Gallen sind längst nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Werde schon früh ein kleiner, selbstbestimmter Unternehmer. Das Wissen und Können dazu holst Du Dir in den Ferien in den verschiedensten Betrieben im Inland und in fernen Ländern. Und im Internet, welches das Wissen zum Glück entmonopolisiert hat.
Challenge Nummer 5
Pisa-Studien hin oder her, auch wenn Lesen, Schreiben, Mathe und Englisch wichtig sind, wegweisend für Dein Leben ist die emotionale Intelligenz. Höre auf Deine Gefühle und erstick sie weder mit einer Bilderflut oder Lärm noch mit Drogen, Nikotin und Alkohol. Nur emotionale Analphabeten und Krüppel flippen beim kleinsten Konflikt aus und schlagen drein. Echte Gefühle für Dich und die anderen machen das Leben lebenswert.
Challenge Nummer 6
Ohne dass Du es wahrscheinlich merkst, lauert an jeder Ecke Gefahr: das unselige Fett und der Zucker mit seinen Tausenden von leeren Kalorien. Sie liefern Dir keine wertvollen Nährstoffe, sondern führen Deinen Stoffwechsel auf eine Achterbahn ohne Ende, jagen den Insulinspiegel hinauf und hinunter, machen Dich lustlos, träge und unkonzentriert. Kein Frühstück, kein warmes Essen, dafür ständig Fast Food sind für Körper und Geist Gift. Alles spricht doch von der Natur. Also weshalb nicht viel mehr naturbelassene Lebensmittel statt verarbeitete Produkte. Geh auf den Markt und lass Dich von der riesigen Auswahl an köstlichen Früchten, Salat, Gemüse, Brot, Gewürzen etc. verführen und lass all die Softdrinks, Snacks und Hamburger stehen, wo sie sind. Und noch ein Geheimtipp: Vitamine haben abgesehen von Vitamin D die Hoffnungen nicht erfüllt, die man lange hatte. Viel wichtiger für die Funktion Deiner Gehirnzellen, Deiner Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sind essentielle Omega-3-Fettsäuren, die man mit fettem Fisch oder auch mit einem entsprechenden Präparat zu sich nehmen kann. Achte dabei auf die beiden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA im Verhältnis 3:1. Diese Nährstofftherapie ist ein relativ neuer Ansatz, der auf Studien der Universitäten Oxford und Südaustralien zurückgeht. Beim Zappelphilipp-Syndrom verbessern die beiden Omega-3-Fettsäuren sogar Lesen, Schreiben und hyperaktives Verhalten. Und Forscher der Universität Cincinnati konnten jetzt mit Bildern zeigen, dass sie bei ganz normalen Schülern Aufmerksamkeit und Gedächtnis verbessern.
Challenge Nummer 7
Reden wir nicht von Sport. Reden wir von Bewegung. Oder von der Bewegungsverweigerung, welche die Mehrheit der Jugendlichen tagtäglich praktiziert. Nun gibt es aber keine Gesundheit ohne Bewegung. Das Hirn braucht Bewegung, das Herz sowieso. Dein Stoffwechsel auch und die Liebe ohnehin. Sich nicht zu bewegen, ist einfach nur dumm. Nütz die Ferien, um irgendetwas Cooles zu finden, das Du gerne machst. In ist asiatischer Kampfsport oder – Du wirst es kaum glauben – Wandern. Wenn Du Deinen Körper regelmässig herausforderst, werden sich viele Probleme von alleine lösen. Du wirst weniger stressanfällig, lernst schneller, kannst Dich besser konzentrieren, Du wirst Dich besser ernähren und auch viel weniger auf Alkohol und Zigaretten abfahren. Mach, was Du willst. Aber mach den Sommer 2010 zu Deinem ganz persönlichen Challenge!








