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Wie ein Befreiungsschlag

50 Jahre Pille haben Frau und Mann verändert.

Julia Onken über Quantensprünge, Null-Risiko-Mentalität und die neue Unlust.

Was haben 50 Jahre Pille der Frau gebracht?

Ein neues Denken, einen Quantensprung im Hirn. Ohne Pille wäre die Emanzipation der Frau auf der Strecke geblieben. Ständig mit einer tickenden Zeitbombe leben zu müssen, ob eine Schwangerschaft sämtliche Zukunftspläne jäh zunichtemachen könnte, verhindert die Selbstbestimmung. Für viele Frauen war die Pille wie ein Befreiungsschlag.

Und dem Mann?

Der Mann musste ebenfalls umdenken. Er musste lernen, dass die Frau ein Recht hat, selbst über ihre Lebensform zu entscheiden. Schliesslich hat die Pille dem Patriarchat einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wie hat sich das Verständnis der Sexualität verändert?

Die Pille hat zweifellos dazu geführt, einen freieren Umgang mit sexuellen Aktivitäten zu praktizieren. Die 68er wären mit ihrer Libertinage wohl kaum in der Lage gewesen, die Jahre einigermassen unbeschadet zu überstehen.

Die Pille ist zu einem Lifestyle-Medikament geworden, wo Null-Risiko verlangt wird. Geht das überhaupt?

Nein, alles hat seinen Preis. Die Sex-Fan-Gesellschaft bezahlt ihn bereits, einerseits durch eine ständige Pornografi sierung und Perversionen aller Art, andererseits durch den Verlust der erotischen Spannung, die sich vor allem bei Paaren zeigt. Noch nie war das Geschlechtsleben derart von Unlust geprägt wie in der heutigen Zeit, was sich vor allem in der paartherapeutischen Praxis zeigt.

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Wie war die Pille der ersten Generation im Vergleich zur heutigen, sehr niedrig dosierten? Kennen Sie die Pille aus eigener Erfahrung?

Ja, klar. Die ersten Pillen sind etwa zu vergleichen mit den ersten Autos. Mit der Handkurbel den Motor anwerfen, kein Fahrkomfort, wenn es regnete, schiffte es hinein. Mit anderen Worten: Es kam zu Übelkeit, Stimmungsschwankungen und anderen Beeinträchtigungen.

Was halten Sie von der Pillenmüdigkeit vieler Frauen und dem Trend zur sogenannt natürlichen Verhütung?

Es ist wohl eine verständliche Reaktion, wenn nach jahrelangem Pillenschlucken der Wunsch entsteht, endlich wieder wie ein normaler Mensch zu leben. Vielleicht gar ein unbewusster Widerstand, dass der Körper der Frau für alles herhalten soll: Lustbefriedigung, Schwangerschaft und schliesslich auch noch die Schwangerschaftsverhütung.

Drucken19.08.2010