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Fertig mit den Märchen

Chefarzt Dr. med. Jürg Traber von der Venenklinik Bellevue in Kreuzlingen räumt auf mit den sieben grössten Irrtümern rund um die Krampfadern.

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Irrtum 1: Frauen haben viel häufiger Krampfadern als Männer.

Nein. Nicht viel, nur ein bisschen häufiger. Vielleicht liegt es an der Behaarung der Männerbeine oder an den langen Hosen, dass man Krampfadern bei Männern weniger wahrnimmt. So eindeutig, wie wir meinen, ist das Ungleichgewicht nämlich nicht. Dass Frauen tatsächlich ein wenig mehr Probleme mit den Beinvenen haben, liegt an ihren Hormonen. Besonders Schwangerschaften begünstigen die Entstehung von Krampfadern.

Irrtum 2: Krampfadern sind unschön, aber bedeutungslos.

Falsch! Es gibt im Laufe des Lebens zwar viele Veränderungen am Körper, von denen wir wissen, dass sie ungefährlich sind; Falten im Gesicht oder graue Haare zum Beispiel. Bei Krampfadern ist das anders. Selbst wenn sie schmerzlos sind, bergen sie ein Risiko, vergleichbar mit Bluthochdruck, zu hohem Cholesterin, Gallensteinen, Polypen und anderen Dingen. Tut nicht immer weh, muss aber behandelt werden. Es ist nicht ganz einfach vorauszusagen, wer betroffen sein wird. Sicher ist aber: Wer seine Krampfadern behandelt, sei es mit Kompressionsstrümpfen oder durch Operation, reduziert die Gefahr von Komplikationen massiv.

Irrtum 3: Beine überschlagen fördert Krampfadern.

Das wurde noch nie durch Untersuchungen bestätigt. Die Vene in der Kniekehle ist in einer knöchernen Rinne gut versorgt und kann nicht einfach abgedrückt werden. Langes Überschlagen der Beine empfinden wir ohnehin als unangenehm und verändern deshalb – ohne bewusst daran zu denken – immer wieder die Position. Ich sehe keine Gefahr.

Irrtum 4: Krampfadern soll man nicht operieren, sie kommen sowieso immer wieder.

Das stimmt so nicht. In einem schwachen Venensystem können Krampfadern zwar zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten entstehen. Nach einer gut indizierten und fachgerechten Operation ist es aber keineswegs so, dass sie immer wieder kommen. Entstehen können hingegen kleinste Äderchen in der Haut, sogenannte Besenreiser. Sie sind medizinisch unbedeutend und mit einer Verödung kosmetisch leicht zu entfernen.

Irrtum 5: Sport ist Gift für Krampfadern.

Falsch! Ausdauersport ist für unseren Kreislauf etwas ausgesprochen Gutes. Mit jedem Schritt presst die Beinmuskulatur das Blut aus der Wade zurück zum Herzen, wodurch das Venensystem in den Beinen vor zu hohem Druck bewahrt wird.

Irrtum 6: Ich kann nichts machen, meine Krampfadern sind vererbt.

Die Vererbung spielt schon eine Rolle. Mindestens so wichtig ist aber der Einfluss von Zivilisation, Kultur und sogar Rasse. Die Chance besteht darin, dass wir unseren Kindern vorleben, wie sie sich richtig verhalten sollen. Wenn in der Familie Krampfadern vorkommen, lohnt es sich ganz besonders, gewisse Verhaltensweisen zu beachten, die den Krampfadern entgegenwirken: Langes Stehen vermeiden, lockere Beinkleider und Schuhe mit gutem Fussbett tragen. Ballaststoffreich essen, viel trinken, sich genügend bewegen, Übergewicht vermindern. Und in Risikosituationen wie langen Flugreisen, langen Autofahrten, während der Schwangerschaft und an «Steh-Tagen» unbedingt auch mal Kompressionsstrümpfe tragen.

Irrtum 7: Schönheit muss leiden

Nein. Gesundheit und Schönheit lassen sich hier gut unter einen Hut bringen. Ich weiss: Krampfadern-Patientinnen und -patienten sorgen sich um das Aussehen ihrer Beine. Uns Ärzten geht es in erster Linie um die funktionelle Instandstellung des Venensystems, um die Patienten vor Komplikationen wie Venenthrombosen, Blutungen und langfristig vor offenen Beinen zu bewahren. Passt trotzdem, denn eine gelungene Behandlung führt nicht nur zu einer Funktionsverbesserung. Die Beine sehen danach auch schöner aus, und zwar ohne grosses Leiden: Die modernen Behandlungsmethoden – ob operativ oder chemisch – sind sehr schmerzarm. Oft werden sie nur in lokaler Betäubung angewandt. Die Nachbehandlung mit einem modernen Kompressionsstrumpf ist heutzutage ebenfalls komfortabel.

Drei Operationsarten

  1. Klassische Methode, Stripping: Nach einem kleinen Schnitt in der Leiste oder in der Kniekehle wird die funktionsunfähige Vene herausgezogen.
  2. Endoluminal (Laser, Radiowellen): Mit einem Katheter wird die funktionsunfähige Vene durch Hitze von innen geschädigt und verschlossen. Die Vene wird vom Körper abgebaut.
  3. Verödung, Sklerosierung: Mit Schaum oder Flüssigkeit wird die funktionsunfähige Vene von innen behandelt, was zu einer Entzündung und schliesslich zum Verschluss der Vene führt. Sie wird vom Körper abgebaut.

 

Venenklinik_Dr_Traber Beitrag

Chefarzt Dr. med. Jürg Traber

Ihr direkter Kontakt:

Venenklinik Bellevue, Brückenstrasse 9, 8280 Kreuzlingen, Telefon 071 678 22 66, info@venenklinik.ch, www.venenklinik.ch

 

 

 

Venenklinik Gebäude BeitragDie Venenklinik Bellevue

Die Venenklinik Bellevue ist eine Spezial­klinik mit rund 40 Mitarbeitenden. Der Name Venenklinik widerspiegelt die grosse Erfahrung im Bereich der Phlebologie. Medizinische Leistungen auf höchstem Niveau erbringt die Spezialklinik am Bodensee aber in allen Bereichen der Gefässerkrankungen sowie bei der Heilung von chronischen Wunden und in der Proktologie, also jener Disziplin, die sich mit den Erkrankungen des Afters und Enddarms befasst. Mit einer eigenen Praxis ist Dr. med. Volker Vedler zurück in der Venenklinik. Er ist kompetenter Ansprechpartner rund um die Ästhetische und Plastische Chirurgie.