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Kommunikation mit Ärzten

Doctor talking to his female patient

Besser kommunizieren Teil 4. Prof. Jürgen Steiner von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich nennt Grundregeln für ein partnerschaftliches Gespräch zwischen Arzt und Patient.

 

 

  • Kommunikation ist lehr- und lernbar. Das gilt für Patient und Arzt gleichermassen. Achten Sie auf eine vorsichtige Wortwahl, damit Sie positiv kommunizieren.
  • Inhalt und Form: Als Arzt kommt es sowohl darauf an, was man sagt, als auch wie man es sagt. Das gilt vor allem auch bei der Mitteilung schwieriger Botschaften. Der Arzt versteht sich als Anwalt der Hoffnung mit guten Argumenten dafür. Auch Trost im Lichte einer schweren Krankheit ist das Metier des Arztes.
  • Zeit, Ort und Raum: Ein Arztgespräch braucht Zeit und Raum. Wir alle wünschen uns ungeteilte Aufmerksamkeit und Blickkontakt. Ein Radiologe, der mehr zu seinem Computer spricht und Sie nicht anschaut, sollte sich coachen lassen.
  • Hintergründe: Gesund-Sein ist kein objektiver Status und Gesund-Werden ist kein Geradeaus-Weg. Die Lern- und Lebensgeschichte des Patienten spielen für den Verlauf und die Beeinflussung der Krankheit eine entscheidende Rolle. Deshalb nimmt sich der Arzt einen Moment Zeit für Sie und lebt ein Stück echtes Interesse.
  • Selbstverständnis: Ein Arzt ist Herrn Äskulap verpflichtet und versteht sich nicht als Agent, der für die Kostendämpfung tätig ist. Deshalb folgt der Arzt dem Sinn- und nicht dem Kostenprinzip.
  • Darf es ein bisschen mehr sein? Ein Arzt, der vorschnell und ungefragt Zusatzleistungen offeriert, die Sie selbst zahlen sollen, fällt durch. Wenn Sie mit Schmerzen die Hals-Nasen-Ohren-Praxis betreten und der Arzt Ihnen zunächst Botox für Ihre (Lach-) Falten zum Schnäppchenpreis anbietet, dann kann das unmöglich richtig sein.
  • Ziele: In einer Dauerbehandlung kann man manchmal das Ziel aus den Augen verlieren. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen die Ziele der Behandlung und legt einen Zeitpunkt für eine gemeinsame Bilanz fest. Eventuell lädt er Sie zu diesem Termin sogar ein.
  • Ressourcen: Der Arzt respektiert die Selbstheilungskräfte und würdigt die Lösungen oder Strategien, die Sie als Patient zur Bekämpfung der Krankheit gefunden haben.
  • Freedom: Sie haben freie Arztwahl. Allerdings: Ein Ärzte-Hopping ist nicht sinnvoll und hat etwas Besserwisserisches und Querulatorisches. Geben Sie Vertrauensvorschuss und kleben Sie aber auch nicht an der Treue.
  • Mit der Tür ins Haus fallen: Bitte platzieren Sie als Patient keine Internet-Schlauheiten zum Gesprächsstart. Das wäre respektlos. Wenn Sie aber zum Erstbesuch bei einem Facharzt Kopien der bisherigen Befunde mitbringen, kann das hilfreich sein.
  • Kompetenzgrenze: Ein kluger Arzt weiss, wann er an einen anderen Facharzt oder an eine Therapeutin verweist. Er ist auch in der Lage, im Beisein des Patienten in einem Lexikon nachzuschauen.
  • Türen öffnen: Der wertschätzende Arzt unterlässt Vorwürfe und Abwertungen („tja, bei Ihrem Gewicht …“) und eröffnet Optionen („Wenn Sie …tun, dann …“). Es gibt allerdings beratungsresistente Patienten, für die diese Regel eventuell auszusetzen ist.
  • Back to school: Wenn Kinder gravierende Sprach-, Lern- oder Verhaltensprobleme oder eine Behinderung haben, braucht es den Rat eines Arztes. Der Arzt ist nicht nur im Gesundheitswesen sondern auch im Bildungswesen zu Hause.
  • Frauen in der Praxis, Rückenleiden: Den Status „psychisch“ oder „psychosomatisch“ schreibt ein Arzt erst zu, wenn die strukturell-körperliche Seite diagnostisch abgearbeitet ist. Freundlich ist auch, wenn der Arzt in seinem Arztbrief die Wendung „Verdacht auf …“ verwendet.
  • Vorfahrt für facts: Als Patient sollten Sie sich auf die Sachebene konzentrieren. Bitte verpacken Sie die Schilderung Ihrer Beschwerden nicht in Story-Telling und reichern Sie Ihre Symptomschilderung nicht mit einer unüberschaubaren Fülle von Nebenschauplätzen an. Gerne machen Sie sich vor Ihrem Arztbesuch Notizen, was Sie denn sagen wollen.

 

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Prof. Dr. habil. Jürgen Steiner HfH MitarbeiterInnen 2013

www.hfh.ch