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Schonen bringt nur Nachteile

Arthrose Finger klein

Trotz Schmerzen bewegen und den Knorpel schützen. Rheumatologie-Chefarzt PD Dr. Stefan Bachmann sagt, was bei Fingergelenkarthrose hilft.

Vererbung, starke Beanspruchung der Hände, zunehmendes Alter, Menopause: Diese Dinge gelten als Haupt-Risikofaktoren für Fingergelenkarthrose. Kurze Morgensteifigkeit, leichte Schmerzen bei Bewegung, später anhaltender Schmerz und starke Kälteempfindlichkeit sind charakteristische Symptome. 25 bis 30 Prozent der Patienten mit Fingergelenkarthrose sind laut Schätzungen so stark betroffen, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Deutlich mehr Frauen als Männer. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil viele Betroffene nicht zum Arzt gehen, sondern einfach weiterleiden, obwohl man ihnen helfen könnte.

Hat jemand, der unter Fingergelenk­arthrose leidet, irgendetwas falsch gemacht? PD Dr. Stefan Bachmann, Chefarzt der Rheumatologie an den Kliniken Valens SG: «Oh nein. Einfach so vermeiden lässt sich Fingergelenkarthrose nicht. Vorbeugen ist auch kaum möglich.» Woher kommen denn die Beschwerden? «Die Knorpel gehen kaputt, es bilden sich knöcherne Auftreibungen, und die Gelenke werden dick, eine Art harte Schwellungen. Mit der Zeit werden die Finger steif. Unternimmt man nichts, kommt es zu teils deutlichen Funktionseinschränkungen der Gelenke. Fehlstellungen oder Verkrüppelungen wie bei einer rheumatoiden Polyarthritis treten jedoch nicht ein!»

Arthrose wpNicht immer ist die Diagnose auf den ersten Blick eindeutig. «Bei aktivierten, entzündlichen Fingerarthrosen kann die Krankheit einer rheumatoiden Arthritis oder einer Psoriasisarthritis ähneln. Eine Verwechslung mit einer Gicht kann auch einmal vorkommen», sagt der Chef-Rheumatologe. Aber eigentlich sei die Unterscheidung klar: Die rheumatoide Arthritis führt zu weichen Schwellungen der Gelenke, die Arthrose vor allem im späten Stadium zu harten Vergröberungen der Gelenke. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis fehlen bei der Fingergelenkarthrose Entzündungen der Sehnenscheiden. Ausserdem sind bei der Arthrose hauptsächlich die Fingerendgelenke, bei der Arthritis die Fingergrundgelenke und das Handgelenk betroffen. Bestehen trotz allem noch Unklarheiten, räumt ein Röntgenbild alle Zweifel aus.

Wann muss man zum Arzt und genügt die Meinung des Hausarztes? PD Dr. Stefan Bachmann: «Wenn die Schmerzen in den Gelenken länger als vier bis sechs Wochen andauern. Die Fingergelenkarthrose ist ein häufiges Krankheitsbild, das der Allgemeinmediziner gut als erster abklären kann. Im Zweifelsfall wird der gute Hausarzt den Patien­ten an den Fachspezialisten überweisen.»

Am erfolgreichsten ist die Therapie, wenn Patient und Arzt Hand in Hand zusammenarbeiten. Das braucht etwas Disziplin, lohnt sich aber. PD Dr. Stefan Bachmann: «Es geht darum, mit Massnahmen die Beweglichkeit und damit die Funktionsfähigkeit der Finger und der Hand zu erhalten. Denn eines ist klar: Schonen bringt gar nichts, erst recht nicht, wenn man bereits betroffen ist. Damit Bewegungen aber möglich und erträglich werden, muss mit Schmerzmitteln und Antirheumatika behandelt werden. Auch entzündungshemmende Salben haben sich als wirksam erwiesen. Sehr gut ist zudem, wenn der Patient seine Hände regelmässig in einem Becken mit warmem Wasser gut durchbewegt und anschliessend gezielt Übungen macht, bei der alle Gelenke bewegt werden. Bei hartnäckigen Verläufen kann funktionelle Ergotherapie helfen. Aus meiner persönlichen Erfahrung sind auch Medikamente nützlich, die den Knorpel schützen. Wie gut sie wirken, lässt sich häufig erst nach zwei bis drei Monaten beurteilen. Bei konstanten Schmerzen ist ein derartiger Therapieversuch auf jeden Fall gerechtfertigt. Besonders auch dann, wenn die klassischen Antirheumatika wegen ihrer Nebenwirkungen abgesetzt werden müssen. Spricht der Patient gut auf die den Knorpel schützenden Medikamente an, sollte man ihn mindestens sechs Monate therapieren, aus meiner Sicht sogar mehrere Jahre. Bei richtig hartnäckigen Verläufen setze ich zusätzlich ein Malariamittel ein. Wartet man so lange mit der richtigen Therapie, bis die Gelenke komplett in ungünstigen Stellungen versteift sind, kann nur noch der Handchirurg helfen.»

Gibt es hoffnungsvolle Ansätze zur noch besseren Behandlung von Fingergelenks­arthrosen? PD Dr. Stefan Bachmann: «Forscher nehmen derzeit die Zytokine ins Visier. Sie spielen bei der Entstehung von Entzündungsvorgängen eine zentrale Rolle. Biologika nennen sich die Medikamente, die hier helfen sollen. Ich kann mir deren Einsatz vor allem bei jüngeren Frauen mit einer erosiven Fingerarthrose vorstellen, da bei diesen Personen die Entzündungen zu einer rascheren Gelenkszerstörung führen können. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Biologika ist bei der Fingergelenkarthrose aber noch zu schlecht und die wissenschaftlichen Daten bezüglich der erhofften guten Wirksamkeit noch zu spärlich, als dass eine routinemässige Anwendung möglich wäre.»

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