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Hervorragende Behandlungschancen

«Meine Patienten sollen Experten in eigener Sache werden», sagt Dr. med. Annett Härtel, Dermatologin bei Somamedica in Zürich und Basel. Und: «Neue Medikamente haben das Leben vieler Psoriatiker extrem verbessert.»

Schuppenpflechte-Psoriasis am Haaransatz und auf der kopfhaut

Wieso bekommt man eine Schuppenflechte?

Bei der Entstehung der Schuppenflechte spielt das überschiessende Immunsystem eine wichtige Rolle. Bekanntermassen gibt es eine genetische Veranlagung. Wenn Eltern und Verwandte an einer Schuppenflechte leiden, ist es wahrscheinlicher an einer Schuppenflechte zu erkranken. Nach Infektionen wie beispielsweise einer Angina kann es besonders im Jugendalter zu einer akuten Psoriasis kommen.

Es gibt offensichtliche und weniger offensichtliche Erscheinungsformen von Psoriasis. Hinter welchen Symptomen kann sich eine Psoriasis verbergen?

Für fast jeden sichtbar ist die Kopfhautpsoriasis, die mit starker Schuppenbildung und Rötungen bis über die Kopfhaargrenze einhergeht. Dicke Schuppenplaques sind häufig über den Knien und Streckseiten der Ellenbogen bei der Plaque-Psoriasis. Es gibt aber auch verstecktere Varianten der Psoriasis mit Befall in der Pofalte, Leistengegend und Rötungen unter dem Busen. Im Berufsleben besonders störend ist die Nagelpsoriasis, die sich mit gelblich krümeligen Nägeln ölfleckartig und tüpfelig zeigt, oder die Psoriasis pustulosa mit Befall der Handflächen.

Wissen womöglich viele Patienten gar nicht, dass sie Schuppenflechte haben?

Das ist leider so. Die Diagnose kann schwierig sein, und nur Hautärzte werden in ihrer Ausbildung trainiert, die Psoriasis von anderen Hauterkrankungen abzugrenzen. Die Haut kann auch mal schuppen, wenn sie sehr ausgetrocknet ist, was aber nichts mit Schuppenflechte zu tun hat. Wichtig ist, die Diagnose von einem Facharzt für Dermatologie stellen zu lassen. Dann hat man sehr gute Chancen, die Hauterscheinungen so zu behandeln, dass sie über längere Zeiträume unsichtbar bleiben. Leider kann man eine Psoriasis nicht dauerhaft heilen. Mein Ziel als Hautärztin ist es, meine Patienten zu Experten in eigener Sache auszubilden, sie über die vielen Möglichkeiten der Behandlung aufzuklären und sie so zu begleiten, dass sie dank einer effizienten Therapie verknüpft mit einer Langzeitstrategie die bestmögliche Lebensqualität haben.

Ist Psoriasis «bloss» eine Hauterkrankung oder kann noch viel mehr passieren?

Die Psoriasis ist eine entzündliche Systemerkrankung und wird oft begleitet von Gelenkproblemen, der Psoriasis-Arthritis, Stoffwechselstörungen, Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen.

Was weiss man über die psychischen, sozialen und beruflichen Folgen für die Betroffenen?

Bei schweren Verläufen der Psoriasis können die Folgen gravierend sein. Die Lebensqualität ist eine der schlechtesten im Vergleich zu anderen Erkrankungen.

Dr. med. Annett Härtel, Dermatologin bei Somamedica in Zürich und Basel

In der Schweiz rechnet man mit gegen 200 000 Patienten. Wo stecken all die Betroffenen? So viele Dermatologen gibt es ja gar nicht! Oder gehen am Ende die Patienten gar nicht oder nicht mehr zum Arzt?

Gut wäre, wenn die Betroffenen den Weg zum Hautarzt finden würden. Zahlreiche Patienten haben vor vielen Jahren die Diagnose Psoriasis erhalten und werden seither nur mit Cortison-Cremen behandelt, ohne vom medizinischen Fortschritt zu profitieren. Schlimm ist, wenn sie schleichend depressiv und arbeitsunfähig werden, ohne zu ahnen, welche hervorragenden Behandlungen heute zur Verfügung stehen.

Therapien gegen Psoriasis sind meistens aufwendig und oft wenig wirksam. Oder dann fährt man schweres Geschütz auf. Beides ist vielen Betroffenen verleidet. Gibt es Alternativen?

Die Zeiten, wo die Psoriatiker wochenlang in einer Hautklinik behandelt wurden, sind nicht lange her. Die Therapie hat sich heute in den ambulanten Bereich verlagert und lässt sich den Bedürfnissen des Patienten anpassen.  Die Therapiekosten, den zeitlichen Aufwand und die möglichen Nebenwirkungen sollten Arzt und Patient immer im Auge behalten. Sind die Hauterscheinungen überschaubar, werden Cremes, Salben, Schäume und Pflaster mit Vitamin-D3-Analoga und Cortison eingesetzt. Sehr gut wirken auch die verschiedenen Lichttherapien. Weiter werden Wirkstoffe in Tablettenform wie Methotrexat, Vitamin-A-Derivate, Fumarsäure, Biologicals zum Spritzen und neuerdings auch sogenannte kleine Moleküle eingesetzt, welche einfach oral einzunehmen und recht sicher in der alltäglichen Anwendung sind und kein Labormonitoring erfordern. Die neuen oralen Medikamente und die Biologicals haben das Leben vieler Patienten extrem verbessert. Die sicherste und wirksamste Therapie sollte gemeinsam mit dem Haut- und dem Hausarzt ausgewählt werden.

Kann man eine Psoriasis mit der Ernährung beeinflussen?

Eine spezielle Ernährung für die Psoriasis ist wissenschaftlich nicht bekannt. Qualitativ hochwertige und frische Lebensmittel mit vielen Nährstoffen, guten Fetten und Antioxidantien dürfen je nach Vorliebe genossen werden. Dabei gilt es, Übergewicht zu vermeiden.

Welche Rolle spielt die Psyche? Ist die Schuppenflechte auch eine Stresserkrankung?

Die Behandlung fängt schon im Kopf an. Ein informierter Patient hat die beste Lebensqualität. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sowie ausreichend Schlaf helfen. Ein Freundeskreis ist wichtig bei psychischer Belastung. Fehlt dieser, hilft das Psoriasis-Netzwerk, ein Coach oder der Rat eines Hautarztes, zu dem man ein langjähriges Vertrauensverhältnis aufbauen sollte.

Welche Behandlungen aus der Alternativmedizin können Sie empfehlen?

Licht- und Badekuren sowie die Pflegeprodukte mit Salz vom Toten Meer oder der Blauen Lagune, Feuchtigkeitsspender mit Aloe Vera, natürliche Pflegeöle, zum Beispiel auf Basis von Olivenöl, werden als sehr angenehm empfunden und helfen. Oft muss der Patient diese Dinge selbst finanzieren, aber das Wohlbefinden ist ja unbezahlbar und sollte ganz bewusst gesucht werden.

Machen Sie den Online-Test

Die Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft hat unter dem Slogan „Gib nicht auf – bekämpfe Psoriasis“ eine Kampagne lanciert. Sie möchte Psoriasis-Patienten, die aufgegeben haben, wieder Mut machen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Mit einem Online-Test können Sie herausfinden, wie zufrieden Sie mit Ihrer Lebenssituation sind. Bei Bedarf hilft die Webseite, einen Dermatologen oder Rheumatologen in der Nähe zu finden. Machen Sie jetzt den Online-Test unter www.fightpsoriasis.ch.