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Hilfe, die Leichen verwesen nicht mehr

Erdbestattungen werden zum Problem. Nach Aufhebung der Grabruhe sind viele Leichen noch nicht vollständig verwest.

Religion, death and dolor  - coffin bearer carrying casket at funeral to cemetery

Die Ärztezeitung bricht ein Tabu: Sie berichtet über das, was nach der Beerdigung im Boden mit den Verstorbenen passiert, beziehungsweise was eben nicht passiert. Friedhofsmitarbeiter treffen immer wieder auf konservierte Leichenteile, wenn sie ein Grab nach Beendigung der Grabruhe für eine neue Erdbestattung ausheben. Selbst Gesichtszüge der Toten sind in manchen Fällen noch zu erkennen, sogar nach 20 Jahren.

Experten liefern eine Erklärung für derartige Wachsleichen: Die Hautfette der Verstorbenen wandeln sich in Leichenlipide um, die sich im Gewebe einlagern. Diese weisse, krümelige und an Wachs erinnernde Substanz auf der Haut verhindert die weitere Verwesung unter Umständen vollständig.

Grabruhe verlängern

Was kann man tun? An einigen Friedhöfen wird über die Verlängerung der Grabruhe von 20 auf 35 Jahre nachgedacht. Andererseits würde man bei ungünstigen Bodenverhältnissen auch nach 35 Jahren noch auf Wachsleichen treffen. Probleme bereiten vor allem lehmhaltige Böden, in denen die Leichen über viele Jahre hinweg vom umgebenden Erdreich und den darin lebenden Organismen abgeschirmt würden. In solchen Böden sollten deshalb keine Erdbestattungen durchgeführt werden.

Geeignete Bepflanzung erhöht Luftdurchlässigkeit des Erdreiches

Immerhin könne man durch eine geeignete Bepflanzung der Gräber die Luftdurchlässigkeit des Erdreiches erhöhen und so die Verwesung fördern. Auch Angehörige könnten zur Problemlösung beitragen, indem sie den aufgeschütteten Boden nach einem Begräbnis nicht festtreten. Zudem sollten sie dafür sorgen, dass auf dem Grab tiefwurzelnde Sträucher und Stauden gepflanzt werden, weil sie dem Boden mehr Wasser entziehen. Das bedeutet auch, dass man die Pflanzen bei Friedhofbesuchen nicht zu viel giessen darf.

Hinter vorgehaltener Hand berichten Friedhofsmitarbeiter, dass manche Baggerführer beim Zuschaufeln der Gräber die Särge absichtlich beschädigen, damit Bakterien und Bodenorganismen schneller eindringen können. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, die Särge nicht mehr so tief in den Boden einzulassen. Manche Friedhofreglemente würden Grabtiefen von mindestens zwei Metern vorschreiben, doch gerade dies sei für die Verwesung oft nicht ideal.

Hoffnung bietet ein Trend: Immer mehr Verstorbene werden in Urnengräbern bestattet. Damit löst sich das Problem der Wachsleichen von ganz alleine.