Startseite » Themen » Hilfe, ich wiege 128 Kilo!

Hilfe, ich wiege 128 Kilo!

Alle Untersuchungen sind gemacht, der Chirurg steht schon parat. Doch eine Leserin hat Angst vor dem geplanten Magenbypass und schickt uns einen Hilferuf.

Fall Übergewicht

Ich führe seit vielen Jahren einen Kampf gegen mein Übergewicht mit Jojo-Effekt und habe auch schon viel ausprobiert, ohne Erfolg. Seit Ende Dezember bin ich in Behandlung in einem Adipositas-Zentrum und seit Januar bei einer Ernährungsberaterin. Drei Kilo rauf, vier Kilo runter. Jetzt habe ich noch mehr zugenommen. Mittlerweile bin ich 128 Kilo schwer bei einer Grösse von 164 cm. Ich habe alle Untersuchungen abgeschlossen für einen Magenbypass, aber ich kann mich nicht dazu entschliessen. Ich habe Reflux, hohen Blutdruck sowie Knie- und Fussbeschwerden. Ich weiss einfach nicht mehr weiter. Ich höre so viele widersprüchliche Dinge. Jemand sagte mir, ich solle drei Mal am Tag etwas Warmes essen. Andere raten von Milchprodukten ab. Es ist zum Verzweifeln. Können Sie mir helfen?

Bedrohung der lebenswichtigen Organe

Sie haben völlig Recht. Wenn man abnehmen will, hört und liest man extrem viel Widersprüchliches. Vieles ist nicht nur blanker Unsinn, sondern schlicht unverantwortlich. Sie stehen an einem entscheidenden Punkt in Ihrem Leben. Ihr Übergewicht ist krankhaft und gefährdet Ihre Gesundheit aufs Höchste. Die vielen Kilos lasten nicht nur auf Ihren Gelenken, sondern bedrohen auch alle lebenswichtige Organe, angefangen von der Leber – sprich Leberverfettung – bis hin zu den Blutgefässen und dem Herz. Auch der Reflux ist eine klare Folge des Übergewichts.

Gefühle und Essen trennen

Da Sie alle möglichen Diäten erfolglos probiert haben, ja sogar immer noch weiter zunehmen, wären Sie ein klarer Fall für einen Magenbypass. Ich betone „wären“. Denn ich vermute, dass ihre bisherigen Versuche abzunehmen allesamt von vorneherein zum Scheitern verurteilt waren. Erstens, weil die Methode nie vernünftig war, und zweitens, weil Sie nie gelernt haben, Ihre Gefühlswelt und die Bewältigung Ihrer Gefühle vom Essen zu trennen.

Ich weiss, viele chirurgisch orientierte Ärzte würden mir wohl widersprechen. Fakt ist: Obwohl alle Untersuchungen für einen Bypass abgeschlossen sind, zögern Sie mit der Einwilligung, ja haben sogar Angst vor dem Eingriff. Diese inneren Stimmen sollten Sie nicht übergehen und Ihre Situation noch einmal gründlich überdenken. Eine chirurgische Intervention will sehr gut bedacht werden. Erstens werden diese Operationen häufig missbraucht, das heisst, oft wird zu schnell operiert, weil bariatrische Eingriffe schnelle Resultate liefern. Zweitens vermag auch eine Operation Ihr Übergewichtsproblem nicht definitiv zu heilen. Viele operierte nehmen zwar in kurzer Zeit sehr stark ab, doch ein grosser Teil nimmt später erneut wieder zu. Oft werden Zweitoperationen notwendig, die mit hohen Risiken belastet sind. Komplikationen können auftreten. Der Stoffwechsel kann verrückt spielen. Das Essverhalten kann erneut gestört werden und die Motivation für mehr Bewegung verfliegen.

Auslöser in Erinnerung rufen

Bei der Behandlung des Übergewichts, auch des krankhaften, sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, durch was es ausgelöst wird: Durch eine zu hohe Kalorienzufuhr und durch eine mangelnde Kalorienverbrennung, sprich zu wenig Bewegung. Wenn man es geschickt anstellt, kann man das korrigieren. Entgegen aller Behauptungen hat ein gescheites Diät-Programm durchaus Aussicht auf Erfolg. Ich habe dutzende ehemals stark übergewichtige Menschen betreut, die 20, 30, ja 50 Kilo abgenommen haben, ohne Jojo-Effekt, und ohne Operation. Sie sind heute gesund wie nie zuvor, konnten sämtliche Medikamente absetzen und sind auch im Stande, normal und genussvoll zu essen.

Nur zwei Mahlzeiten pro Tag

Wie geht das? Ganz einfach, mit nur noch zwei gescheit zusammengestellten, lange sättigenden Mahlzeiten am Tag. Und viel Bewegung. Beides zusammen ist der Schlüssel zum Erfolg. Bloss noch zwei Mahlzeiten sind nicht meine Erfindung. Bis weit ins Mittelalter ass die breite Bevölkerung nur zweimal am Tag. Wer nachhaltig abnehmen und überhaupt gesund leben will, kann mit nur noch zwei Mahlzeiten die Kalorienmenge sehr effektiv reduzieren, ohne sie zählen zu müssen. Für den Stoffwechsel – vor allem den Insulinspiegel und den Kampf gegen Diabetes – hat das enorme Vorteile, weil die nüchternen Phasen automatisch sehr viel länger werden. Ein weiterer entscheidender Punkt: Durch die verminderte Kalorienzufuhr gehen die krankmachenden Entzündungsprozesse im Körper schlagartig zurück, die mit starkem Übergewicht einhergehen.

Lesen Sie unsere Aeschbacher-Diät-Lektion: Zwei Mahlzeiten sind genug