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Hilfe, mein Mann will in den Swingerclub!

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Ein Mann stellt seine Frau vor ein Ultimatum: Entweder gehen wir ­zusammen in den Swingerclub oder wir trennen­ uns. Lesen Sie, was der bekannte Paar- und Sexual­therapeut Henri Guttmann dazu meint.

Mein Mann und ich stehen vor einem grossen Problem. Wir sind seit 19 Jahren verheiratet. Mein Mann wollte schon von Anfang an Fremderfahrungen in Swingerclubs machen. Ich war immer dagegen. In den vergangenen Jahren versuchte er immer wieder, mich davon zu überzeugen, dass das nichts Schlimmes sei, und dass das nichts mit Liebe zu tun habe. Es gehe lediglich um Sex.

Jetzt stellt er mich vor ein Ultimatum. Er will nicht mehr darauf verzichten. Wenn ich nicht einwillige, will er sich von mir trennen. Ein Mindestmass müsse möglich sein. Mir fällt es ausserordentlich schwer, auf seine Forderung einzugehen. Es verletzt mich sehr. Vor allem, dass es jetzt sogar ein Trennungsgrund sein könnte.

Abgesehen von den sexuellen Differenzen haben wir in all den Jahren in unserer Ehe bei allen Höhen und Tiefen immer einen Weg gefunden. Ich möchte ihn nicht verlieren. Was raten Sie?

Das sagt der Paar- und Sexualtherapeut Henri Guttmann aus Winterthur:

Henri GuttmannSexualität und Intimität leben in einer Liebesbeziehung von zwei Aspekten, die oft schwer unter einen Hut zu bringen sind. Einerseits braucht es Vertrauen und Vertrautes, andererseits braucht es den Kick von Neuem, Abenteuerlichem. Während Sie mehr vom Aspekt des Vertrauens angetan sind, eröffnet Ihnen Ihr Mann, dass ihn Neues und Abenteuerliches anmacht.

Wenn Paare länger zusammenleben, ist es leider oft so, dass sich die Sexualität vom anfänglichen gegenseitigen Entdecken zum eintönigen kleinsten gemeinsamen Nenner einpendelt. Und wie die Einrichtung im Wohnzimmer – wenn die Wohnwand und der Stubentisch mal dort stehen – bleibt es auch in Zukunft so. Eine lebendige Sexualität lebt aber auch von aufregendem Neuem. Niemand will über Jahre zum Mittagessen Hörnli und Gehacktes, auch wenn er mal gesagt hat, dass ihm das so schmeckt. Abwechslung und Farbe ins Sexualleben zu bringen ist aber ein aktiver Prozess, für den Sie beide die Verantwortung haben. Wie steht es um Ihre Fähigkeit über Ihre sexuellen Fantasien zu sprechen? Was macht Ihnen wirklich Spass beim Sex? Reden Sie darüber – oder überlassen Sie es ihrem Mann, so dass er alles selbst heraus finden soll, was Ihnen Freude bereitet?

DruckHier kann das Paar-Spiel «Liebesgeflüster» hilfreich sein. Aus den 78 vorgegebenen sexuellen Wünschen kann jeder drei Teile vor sich hinlegen: 1. Machen wir schon. 2. No-Go, das heisst, kommt nicht in Frage und 3. Oh-la-la … – würde ich gerne ausprobieren. Interessant ist, wenn beide zusammensitzen und schauen, was auf dem dritten Kartenstapel zu finden ist. Das führt oft zu heiteren Überraschungen.

Positiv ist, dass Ihr Mann Ihnen deutlich mitteilt, dass er sexuelle Fantasien hat, die er gerne ausprobieren und ausleben möchte. Ihr Mann will Sie in erster Linie nicht betrügen, er will punkto Sex etwas Neues erleben – und das mit Ihnen zusammen.

Ein Swingerclub ist ein Ort, an dem sich Menschen zusammenfinden, die Sie genauso auch auf der Strasse antreffen könnten. Einige sind extrem hübsch anzuschauen, bei andern schaut man lieber weg. Die Menschen, die sich dort treffen, haben Spass an Sex. Nur als Paar, in Gruppen, übereinander, nebeneinander oder wie auch immer. Punkt.

Ein Besuch im Swingerclub wird auch oft als Puff mit Buffet, wo die Männer ihre Frauen mitbringen dürfen, bezeichnet. Natürlich gibt es auch Frauen, die ohne Verlustängste den Mann in den Swingerclub begleiten. Die meisten willigen aber nur ein, weil sie Angst haben, den Ehemann zu verlieren.

Ernüchternd ist, dass Ihr Mann Sie vor ein Ultimatum stellt; denn jeder Mensch hat ein Anrecht auf seine sexuellen No-Gos. Den meisten Frauen wird beim blossen Gedanken an einen Besuch im Swingerclub übel, aber Sie können sich dort auch einfach an die Bar setzen und Ihnen den gebotenen Anblick erträglich trinken. Es kann auch sein, dass Sie die Situation erregt. Wenn Sie in einem Swingerclub sind, bedeutet das nicht, dass Sie sich von allen anwesenden Männern betatschen lassen müssen. Vielleicht will Ihr Mann sich von anderen inspirieren lassen und mag es, wenn er beim Sex mit Ihnen beobachtet wird. Und beobachtet werden Sie garantiert!

Überreden lassen sollten Sie sich unter gar keinen Umständen. Wer nicht grundsätzlich neugierig ist, sondern als Swingerclub-Anfänger nur Ablehnung in sich spürt, für den wird ein erster widerwilliger Besuch wohl eher das Ende der Beziehung bedeuten.

Realität ist, dass die meisten Swingerpaare sich über kurz oder lang trennen und die Partner im tatsächlichen Leben «getauscht» werden, dass Frauen seelisch darunter leiden, wenn sie gezwungen werden, mitgehen zu müssen.

Als Paartherapeut empfehle ich Ihnen Folgendes:

Die Summe dessen, was Sie beide an sexuellen Spielereien gut finden, sollte reichen, um ein erfülltes Sexleben zu haben. Lassen Sie Ihre Fantasie spielen und experimentieren Sie mit dem, was Sie beide gut finden. Da ist bestimmt noch Vieles unentdeckt.

www.henri-guttmann.ch

www.liebesgefluester.ch