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Ich getraue mich kaum an den Strand

Man with a fat woman on the beach, flat style, vector cartoon illustration

Eine alleinerziehende Mutter schreibt uns verzweifelt, sie habe grosse Mühe abzunehmen, und ihre Lust auf Süsses sei fast unüberwindbar. Sie schämt sich, im Badekleid an den Strand zu gehen und träumt, vielleicht doch noch einmal ihr Wunschgewicht zu erreichen.

„Es ist, als wäre ich gefangen in meinem Körper. Ich habe grosse Mühe abzunehmen, da ich nicht loslassen kann, diesen Panzer, der mir all die Jahre Schutz gab, meinen 100 Prozent-Job und die Aufgabe als alleinerziehende Mutter zu bewältigen. Vor zehn Jahren gelang es mir, 12 Kilo mit Weight Watchers abzunehmen. Immer wieder nehme ich einen Anlauf, verliere wieder einige Kilos, welche jedoch nach verlorener Disziplin wieder umso zahlreicher auf der Waage angezeigt werden.

Seit einem Jahr bin ich in den Wechseljahren. Das macht mein Ziel, weniger Kilos zu haben, nicht leichter. Jetzt steht der Frühling vor der Tür und mit diesem die erste Wohnwagen-Saison. Da ich mit meiner Figur absolut nicht zufrieden bin, werde ich die meiste Zeit damit verbringen darüber nachzudenken, welche Kleider denn am besten kaschieren, mich aber kaum an den Strand unter die Leute wagen, geschweige denn im Badekleid.

Ihren Schrittzähler habe ich bereits eine Weile. In der Regel mache ich 7’000 bis 8’000 Schritte am Tag. Auch habe ich ein Trampolin, das ich zwei bis drei Mal die Woche benütze. Im Moment habe ich wieder sehr grosse Lust auf Süsses. Auch hier fehlt mir der Ansporn, Nein zu sagen. Ich weiss wie es sich anfühlt, dem Wunschgewicht sehr nahe zu sein. Es ist ein unbeschreiblich gutes und leichtes Gefühl. Ich möchte mein Wunschgewicht so gerne wieder erreichen, nur fehlt mir diesmal der Kick, mich in eine andere, gute Richtung zu bewegen. Können Sie mir helfen?“

Antwort der Redaktion:

Nicht Nein, sondern Ja sagen! Das ist das Wichtigste, was wir dieser Leserin ans Herz gelegt haben. Nein sagen zu Süssem kann sie nur, wenn sie nach all den vielen Jahren des Verzichts und der Aufopferung für Beruf und Familie zu sich selber endlich Ja sagt. Ja zu den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen. Wenn sie selber zu sich besser schaut, achtsam wird gegenüber sich selber, Dinge einmal nur für sich selber macht und nicht für andere, neues ausprobiert, nur für sich allein, dann verlieren das Essen und die Lust auf Süsses ihre Anziehungskraft. Solange das Essen und die Süssigkeiten als Ersatzpartner dienen, sind die grösste Willensanstrengung und die eisernste Disziplin zum Scheitern verurteilt.

Wir haben der Leserin geraten, von jetzt an jeden Tag ihren Kilos etwas zu schreiben und mit ihnen einen Dialog zu führen: Warum seid ihr da? Was wollt ihr von mir? Was habt ihr mir zu sagen? Warum habt ihr mich so gern? Was verlangt ihr, dass ihr wieder verschwindet? Dieser Dialog wird es der Leserin erlauben, sich über sich selber, ihre Ängste und ihre Bedürfnisse klarer zu werden. All das wird ihr das Loslassen viel, viel leichter machen.

Ist dieser Knopf gelöst, geschieht alles von alleine. Die Lust auf Süsses vergeht, die Freude am ausgewogenen Essen kommt, die Bewegung macht viel mehr Spass, das Trampolin wird mehrmals im Tag benutzt und nicht nur zwei bis drei Mal pro Woche. Die 10’000 Schritte täglich sind plötzlich ein Leichtes. Und ein Kilo verabschiedet sich nach dem anderen. Einfach so.