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Ich hatte riesiges Glück

Dass Jacob Verbeek noch lebt, hat er dem Glück, seiner Frau, dem Kantonsspital Luzern und einem speziellen Kathetereingriff am Herzen zu verdanken.

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Vorhofflimmern, Blutverdünnung, lebensbedrohliche Blutungen mit literweise Blutverlust. Der gebürtige, 70-jährige Holländer, der seit vier Jahren in der Schweiz lebt, ist Arzt und weiss ganz genau, wie gefährlich das alles ist, was er durchgemacht hat. «Einmal wachte ich mitten in der Nacht auf. Beim Aufstehen wurde mir schwindlig. Zweimal bin ich auf den Boden gestürzt und blutete danach stark.»

Nur ein paar Tage später erlitt Jacob Verbeek aus heiterem Himmel am Morgen nach dem Duschen eine schwere Darmblutung. Seine Frau rief den Rettungsdienst, der ihn ins Kantonsspital Luzern einlieferte. Sieben Stunden Intensivstation, dreieinhalb Liter Blut verlor er insgesamt. Kaum konnte er entlassen werden, kam es erneut zu einer lebensbedrohlichen Blutung im Verdauungstrakt. Und wieder belief sich der Blutverlust auf mehrere Liter.

Dr. med. Florim Cuculi, Co-Chefarzt Kardiologie, LUKS Luzern

Nach drei notfallmässigen Hospitalisatio­nen war klar, dass Jacob Verbeek einfach keine Blutverdünner verträgt, die er wegen seinem Vorhofflimmern zum Schutz vor einem Hirnschlag eigentlich dringend nehmen müsste. Eine andere Lösung musste her. Sein behandelnder Arzt, PD Dr. med. Florim Cuculi, Co-Chefarzt Kardiologie am Herzzentrum Luzern des Luzerner Kantonsspitals, schlug ihm den Verschluss des Vorhofohres vor.

Am 9. Dezember 2015 erfolgte der Eingriff. Gespürt hat Jacob Verbeek rein gar nichts. Die Blutverdünner konnte er absetzen. «Ich bin sehr glücklich, dass ich durch den Vorhofohrverschluss nun weitgehend vor Embolien und Schlaganfällen geschützt bin, ohne dass ich grosse Risiken eingehen muss, wie sie eine Blutverdünnung bei mir mit sich bringt. Blutverdünner sind mit Sicherheit ein grosser Segen für Zehntausende von Patienten, aber ich vertrage sie aus irgendeinem Grund offensichtlich nicht. Wichtig für mich war auch, dass ich mich am Herzzentrum Luzern stets in den besten Händen fühlte. Ich kann diesen Eingriff nur empfehlen, wenn er wie bei mir indiziert ist.»

Vorhofohrverschluss erspart Blutverdünnung

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Die Wahrscheinlichkeit, dass man im Leben davon betroffen ist, beträgt 25 Prozent. Ein Hirnschlag durch Verschleppung eines Blutgerinnsels aus dem Herzen ist für jeden Betroffenen eine Katastrophe. Die Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten bringt zwar eine deutliche Reduktion des Hirnschlagrisikos, geht aber auch mit Einschränkungen und Gefahren einher, besonders für Blutungen. Am meisten gefürchtet und oft nur schwer zu beherrschen sind Hirnblutungen. Häufig sind aber auch Blutungen im Magen-Darm-Trakt.

Weil über 90 Prozent der Thromben bei Vorhofflimmern aus dem linken Vorhof stammen, gibt es einen gute Behandlungsalternative, nämlich den Verschluss des Vorhofohres. Dabei handelt es sich um eine Aussackung des linken Vorhofs, die für die Herzfunktion keine Rolle spielt. Man weiss, dass die meisten Gerinnsel, die zu einem Schlaganfall führen, in dieser Aussackung entstehen.

Mit einem kathertechnischen Verschluss des Vorhofohrs lässt sich mindestens eine so gute Reduktion der Schlaganfälle erzielen wie mit der klassischen Blutverdünnung. Für den Verschluss wird ein Katheter von der Beinvene über den rechten Vorhof in den linken Vorhof eingeführt und dann ein Implantat – eine Art Schirm – im linken Vorhof platziert. 24 Stunden nach dem Eingriff kann der Patient wieder nach Hause. Eine weitere Einnahme von starken, blutverdünnenden Medikamenten ist nicht mehr erforderlich. Langfristig werden die Patienten nur mit einer niedrigen Dosis Aspirin behandelt.

 

VHF Ohr

Ein Schirm rettet Leben

Mit einem kleinen Metallschirm wird das linke Vorhofohr während eines Katheter­eingriffs verschlossen. Die meisten Gerinnsel, die bei Vorhofflimmern zu einem Schlaganfall führen, entstehen in dieser Aussackung.