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Ich lebe sehr gut mit der Krankheit

Ein «Schoggi»-Job, ein süsser Junge, eine optimale Betreuung. Fabienne Seiler, 34, erzählt über ihr Leben mit Multipler Sklerose

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Begonnen hat alles vor zehn Jahren. Ich konnte innerhalb von zwei Wochen auf einem Auge kaum noch etwas sehen. Da meine Mutter ziemlich genau ein Jahr vorher die Diagnose MS erhielt und sie dieselben Symptome hatte, riet sie mir dringend, das ärztlich untersuchen zu lassen. Nach einer dreiwöchigen Odyssee in der Augenklinik des Unispitals Zürich wurde in der Neurologie dann auch bei mir diese Krankheit festgestellt.

Meine erste Konsultation bei einer Neurologin war der absolute Horror, dass ich weinend die Praxis verliess. Daraufhin habe ich auf Empfehlung von Bekannten bei Prof. Dr. med. Czaplinski vom Neurozentrum Bellevue einen Termin vereinbart. Bei ihm fühlte ich mich von Anfang an verstanden und in sehr guten Händen. Er sagte mir ganz klar, dass Studien zufolge eine medikamentöse Therapie unumgänglich sei. Er gab mir diverse Unterlagen zu den verschiedenen Therapie-Möglichkeiten mit nach Hause. Ich sollte mir Gedanken machen, welche der verschiedenen Möglichkeiten für mich in Frage komme.

Ich entschloss mich für eine Spritze, welche einmal täglich subkutan gespritzt wird. Durch die Infobroschüre wusste ich bereits, dass diese Spritze an den injizierten Stellen Entzündungen auslösen kann, was bei mir auch der Fall war. Mit diesen Entzündungen konnte ich relativ gut umgehen. Nach vier Jahren musste ich jedoch die Therapie abbrechen, da ich von den Spritzen Probleme in den Oberschenkeln bekam.

Danach folgten vier Jahre Therapie mit einem anderen Medikament. Ich habe es zwar gut vertragen, musste es aber aufgrund einer Herzmuskelentzündung vor vielen Jahren aus reiner Vorsicht absetzen. Seit diesem Frühling habe ich nun ein ganz neues Präparat, das ich selber einmal im Monat subkutan spritzen kann. Nach den ersten Spritzen fühle ich mich sehr gut.

Auch wenn alles etwas mühsam klingt, lebe ich sehr gut mit der Krankheit und lebe mein Leben sehr bewusst und mit grosser Freude. Ich habe einen wundervollen achtjährigen Sohn, die absolut besten Eltern der Welt und ein super Umfeld, die mein Leben bereichern und mich unterstützen. Dank meinen Eltern kann ich als alleinerziehendes Mami 60 Prozent im Event- und Marketingbereich bei Lindt&Sprüngli arbeiten. Zudem mache ich zwei- bis dreimal in der Woche Kraft- und Kardiotraining, ernähre mich gesund und schaue positiv in die Zukunft.

Ein Musterbeispiel

«Multiple Sklerose ist zu einer behandelbaren Krankheit geworden», sagt Prof. Adam Czaplinski vom Neurozentrum Bellevue.

Fabienne Seiler ist ein Paradebeispiel dafür, wie man heute dank den modernen, sehr vielfältigen Therapieoptionen trotz oder sogar mit MS in sehr vielen Fällen ein fast normales Leben ohne grosse Einschränkungen führen kann – in Beruf und Familie. Das betonen wir stets, wenn wir jemandem die Diagnose MS mitteilen müssen.

Unsere Patientin hatte bisher sehr wenige Krankheitsschübe und eine gute Prognose, was die Zukunft anbelangt. In ihre neue Therapie, monatlich eine Spritze, setzen wir grosse Hoffnungen. Die Studiendaten sind sehr vielversprechend. Die Wirksamkeit ist sehr gut bei überschaubaren, meist vorübergehenden Nebenwirkungen. Die Anwendung der zwölf Selbstinjektionen pro Jahr ist sehr patientenfreundlich. Unsere bisherigen Erfahrungen bei rund einem Dutzend Patienten sind durchwegs positiv.