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Ich sah aus wie ein Monster

Grosse rote Flecken, Eiterbeulen, Schmerzen. Sylvia Huber setzten die Spritzen gegen ihre MS so zu, dass sie eines Tages keine Hoffnung mehr sah. Ein Wechsel der Therapie brachte die Wende.

Sylvia Huber arbeitet in der Vollkornbäckerei Scharrenberg in Oetwil am See.

Angefangen hat es im Jahr 2000. «Ich konnte auf einmal keine Flasche mehr öffnen. Auch einen Knopf zumachen am Hemd ging nicht mehr, geschweige denn etwas tragen. Und sogar die Sprache war verwaschen. Es war extrem seltsam», erzählt Sylvia Huber, 56, aus Dübendorf. «Ich dachte zuerst an Borreliose, also an Spätfolgen eines Zeckenstichs, weil ich das von meinem Stiefvater kannte. Und auch der Hausarzt hatte zuerst diese Vermutung.»

Diese Krankheit lähmte mich

Die Abklärung im Spital ergab aber sehr rasch eine ganz andere Diagnose: Multiple Sklerose. «Ich hatte damals null Ahnung, was das ist und was diese Diagnose für mich bedeutet. Niemand in meinem Umfeld hatte MS. Und ich hatte auch noch kein Internet.» Nicht so ihre Eltern. Sie erzählten ihrer Tochter von Patienten, die nach Jahren mit MS im Rollstuhl landeten. «Das machte mir Angst. Und je länger ich mich mit dieser Krankheit befasste, desto mehr Angst bekam ich und desto stärker bedrückte und lähmte mich diese Krankheit.»

Erschwerend kam hinzu, dass Sylvia Huber seit jeher einen Horror vor Spritzen hatte. Es sollte ihr nicht erspart bleiben. Von nun an musste sie sich selber spritzen, jeden Tag, um die MS in Schach zu halten. Zu weiteren Schüben kam es dennoch. Und ihre Haut ertrug die endlosen Injektionen überhaupt nicht. «Ich bekam riesige rote Flecken und Eiterbeulen. Ich sah fürchterlich aus, wie ein Monster, und schämte mich überall, mich zu zeigen. An ein nur einigermassen normales Leben war nicht zu denken. Und an eine Arbeit ohnehin nicht.»

Angst vor dem, was noch kommt

Die Krankheit wurde für Sylvia Huber unerträglich, ja beinahe aussichtslos. «Die Spritzerei war eine einzige Plage. Und ich hatte vor allem Angst vor dem, was noch kommt. Ich hatte Angst, meine Selbständigkeit zu verlieren und schon bald im Rollstuhl zu enden. Ich frage mich: Wieso ich? Die ganze Situation machte mich kaputt.»

Die geplagte MS-Patientin wollte sich von ihrer «Strafe» befreien und Schluss machen. Sie schluckte alle Tabletten und jagte alle zehn Spritzen, die sie in der Wohnung noch fand, in sich hinein. Vorher schrieb sie ihrem Freund zum Abschied ein SMS: «Ich wünsche dir alles Gute!» Ihm hat sie es zu verdanken, dass sie noch lebt. Er alarmierte sofort die Polizei. Zusammen brachen sie die Türe auf, fanden sie bewusstlos und benachrichtigten den Rettungsdienst. So überlebte sie den Suizidversuch.

Eine riesige Erleichterung

Die Spritzenpräparate gegen die MS wurden abgesetzt. Neu erhielt Sylvia Huber eine Tablette, die damals erst seit Kurzem verfügbar war. Seither ist sie schubfrei. Das Leiden mit den Injektionen und den unsäglichen Hautproblemen und die starken Schmerzen haben ein Ende gefunden. «Es war eine einzige, riesige Erleichterung, als ich nicht mehr spritzen musste. Sogar arbeiten kann ich wieder stundenweise, und zwar in der Bäckerei Scharrenberg in Oetwil am See, wo wir wunderbares Vollkornbrot herstellen.»

Sylvia Huber lebt heute besser mit MS als zuvor. Noch immer macht sie sich hie und da Sorgen, was die Zukunft bringt. Aber sie ist im Neurozentrum Bellevue in guten Händen. »Prof. Czaplinski hat mir versichert, dass ich dank den Tabletten einen guten Verlauf habe und keine Angst vor dem Rollstuhl haben muss. Er nimmt mich und meine Sorgen ernst und macht mir Mut. Ich gehe gerne zu ihm. Wichtig ist, und das ist meine Botschaft an alle MS-Patienten, dass man sich über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten informiert und sich nicht mit der erstbesten zufriedengibt, besonders, wenn man so leiden muss wie ich.»

Das Neurozentrum Bellevue

Nebst einer allgemeinneurologischen Sprechstunde bietet das Neurozentrum Bellevue Spezialsprechstunden an. Die Patienten erhalten von ausgewiesenen Spezialisten rasche Abklärung und Behandlung bei Krankheitsbildern wie Multiple Sklerose, Parkinson und andere Bewegungsstörungen, Schlaganfall, Epilepsie, neuromuskuläre Krankheiten, insbesondere Polyneuropathien und Kopfschmerzen. Ausserdem ist das Neurozentrum Bellevue spezialisiert in der Anwendung von Botulinumtoxin bei Dystonien und Spastik.

Neurozentrum Bellevue
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