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Im siebten Himmel

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Hätte sie geahnt, wie gut es ihr nach der Herzklappen-Operation geht, wäre sie mit 91 noch nicht in die Alterswohnung gezügelt.

Emma Schmid aus Visp VS geniesst ihr hohes Alter. Seit drei Jahren dank einer künstlichen Herzklappe. Sie hat es sich verdient. Sie hat ein halbes Leben lang als Bäuerin und Lehrersgattin gekrampft, schwere Milchkannen geschleppt, Raclettekäse hergestellt, als Sennerin kräftezehrende Arbeiten an steilen Hängen verrichtet, sieben Kinder grossgezogen und dafür gesorgt, dass es niemandem an etwas mangelte. «Wir haben nichts anderes gekannt und waren zufrieden damit.»

94 Jahre alt ist die Walliserin inzwischen und sie fühlt sich hervorragend. So gut, dass sie bedauert, kurz nach der Herzoperation in eine Alterswohnung gezügelt zu sein. «Wenn ich gewusst hätte, wie gut es mir auch Jahre nach dem Eingriff geht, hätte ich meine damalige Wohnung nicht aufgelöst.» Zusammen mit der Spitex würde sie den Haushalt und den Alltag auch heute noch locker bewältigen, ist sie überzeugt.

Was war geschehen? Karfreitag vor drei Jahren. Emma Schmid ist unterwegs zur katholischen Messe. Über den heiligen Kreuzweg möchte sie zum Gotteshaus in Visp emporsteigen. Anders als sonst löst die leichte Anstrengung ein Gefühl von Übelkeit aus. Sie stoppt, setzt sich und geht erst weiter, als es besser wird. Am blauen Stein schon die nächste Zwangspause. Das ungute Gefühl ist wieder da. Die Kraft schwindet, der Atem stockt. Noch ein Halt, jetzt beim Burgener Haus, dann erst erreicht Emma Schmid die Kirche. Ungewohnt schwerfällig, ungekannt schwach. Während des Gottesdienstes beruhigt sich der Kreislauf und auch die Übelkeit vergeht.

Doch nur bis zum Ostersamstag. Als einer der Söhne mit ihr ausfährt, wird es Emma Schmid so schlecht wie tags zuvor. Gleich am Dienstag sitzt sie darum beim Hausarzt in der Sprechstunde. «Er wollte mir etwas verschreiben, doch ich bestand auf die Überweisung zum Herzspezialisten. Ich drohte, die Praxis nicht vorher zu verlassen, weil ich spürte, dass da etwas nicht stimmen konnte und einer Behandlung bedarf», sagt die Walliserin.

Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Beim Kardiologen ging alles ganz schnell. Die Untersuchung hatte gezeigt, dass eine ihrer Herzklappen – die Aortenklappe – defekt war. Nur eine Operation würde helfen. «Ich lasse mich aber nicht auf meine alten Tage aufsägen», sagte Emma Schmid mehr überrascht als überzeugt. Doch der Arzt beruhigte sie; er schlug ihr eine neuartige, schonende Operationsmethode vor, bei der die Herzklappe durch einen Katheter minimal-invasiv bis zum schlagenden Herzen geführt wird. Nichts würde aufgesägt und keine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Ein wenige Millimeter winziger Schnitt in der Leiste sei das Einzige, was man machen müsse. Alles ganz sanft und deshalb besonders für ältere Patienten geeignet.

«Ich konnte es kaum glauben, aber ein paar Tage nach der Operation lief ich tatsächlich schon quietschfidel herum. Seit diesem Moment habe ich keine Probleme mehr mit dem Herzen. Ich kann wieder beschwerdefrei bergauf gehen und jeden Tag mache ich meine kleine Runde zu Fuss: ohne Stock, ohne Rollator und ohne Pause. Ich bin so froh, dass ich diese Operation habe machen lassen.» Noch mehr: Emma Schmid lässt andere an ihrem Glück teilhaben. Sie hilft, wo sie kann. Nimmt sich im Heim einer älteren Dame an, streicht für sie die Frühstücksbrote, geht mir ihr spazieren, macht mit beim Suppentag der Gemeinde und hilft beim Kuchenbacken. Und geniesst ab und zu für sich alleine einen Jännu-Schnaps. «Der schmeckt hervorragend. Nicht nur dann, wenn eine Erkältung im Anzug ist.»

TAVI – die schonende Operation

Mit der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, kurz TAVI, ist eine der grössten Innovationen der letzten Jahrzehnte gelungen. Die Vorteile sind eine verkürzte Operationsdauer, weniger Schmerzen und deutlich kürzere Spitalaufenthalte. Durch diese minimalinvasive Methode genesen die Patienten in der Regel schneller als nach einer Operation am offenen Herzen – rund zwei bis vier Wochen anstatt sechs bis acht. TAVI lindert sowohl kurz- als auch langfristige Symptome einer Aortenstenose, erhöht die allgemeine Lebenserwartung und trägt zudem zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Bei dieser Methode muss der Brustkorb nicht geöffnet werden. Die Klappe wird auf einem Ballon fixiert und durch die Leiste oder direkt unterhalb der Herzspitze per Katheter eingeführt. All dies geschieht bei schlagendem Herzen, die Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt, was ein weiterer grosser Vorteil dieser Methode ist.