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Imposanter Effekt auf die Sterblichkeit

Eines der obersten Gebote bei Diabetes ist Herzschutz. Der Zürcher Hausarzt Dr. Daniel Schlossberg erläutert die Ergebnisse einer bahnbrechenden Studie.

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Es geht um Diabetes, von dem in der Schweiz fast eine halbe Million Menschen betroffen sind. Eine der schwerwiegendsten Folgen ist der frühzeitige Herz-Kreislauf-Tod, Schicksal von mehr als zwei Dritteln aller Diabetiker über 65. Die Ergebnisse einer internationalen Studie, in die von 2010 bis 2013 über 7000 Diabetiker aus 42 Ländern mit einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko eingeschlossen waren, brachten letztes Jahr den Durchbruch.

Beim untersuchten Wirkstoff handelt es sich um eine neue Substanzklasse zur oralen Behandlung von Diabetes. Er sorgt dafür, dass überschüssiger Zucker via Nieren ausgeschieden wird, unabhängig von der Funktion der Bauchspeicheldrüse und der Ansprechrate auf das körpereigene Insulin. Das Medikament senkt aber nicht nur den Blutzucker, sondern auch den Blutdruck, das Gewicht und den Bauchumfang. «Der Wirkstoff senkt als erstes Antidiabetikum das Risiko für Herz-Kreislauf-Zwischenfälle in einem bisher noch nie dagewesenen Ausmass. Einer von drei kardiovaskulär bedingten Todesfällen lässt sich damit verhindern», erklärt der Zürcher Internist Daniel Schlossberg. «Würden 1000 Menschen mit Diabetes mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko drei Jahre lang mit dem Medikament behandelt, könnte man 25 Leben retten. Oder anders gesagt: Nur gerade 39 Patienten müssen behandelt werden, um einen kardiovaskulären Todesfall zu verhindern. Und der schützende Effekt setzt schon nach drei Monaten ein. Diese Untersuchung ist die erste und einzige Studie, welche die Behandlung des Blutzuckers im Visier hat, die tatsächlich einen imposant anmutenden Effekt nicht nur auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität, sondern auch auf die Gesamtsterblichkeit gezeigt hat.»

Die Studie wird nicht ohne Folgen bleiben. Dr. Schlossberg: «Keine Frage, dies muss einen grossen Einfluss auf unser Tun haben, wenn sich diese Daten bestätigen.» Klar sei, dass man bei der Behandlung des Diabetes längst nicht nur die Normalisierung des Blutzuckes im Visier habe, sondern mit einem umfassenden Therapieplan alle Begleitrisiken angehen müsse, den hohen Blutdruck genauso wie erhöhte Blutfette und den Eiweissverlust im Urin. Nicht zu vergessen den Versuch, die Raucher zu motivieren, vom Tabakkonsum loszukommen. Dennoch dürfe man den Blutzucker nicht vergessen: «Wir haben so etwas wie ein Glukosegedächtnis. Die Anzahl kumulierter HbA1c-Patientenjahre spielt für die Spätkomplikationen eine wichtige Rolle. Andererseits wollen wir auch verhindern, dass unsere Diabetiker ins hyperglykämische Koma fallen, und ebenso wichtig ist, dass sie keine mitunter tödlichen Hypoglykämien erleiden. In diesem Spannungsfeld gestalten wir unsere Behandlung.»