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Kleine Klammer mit grosser Wirkung

Menschen mit Herzinsuffizienz kann mit einem schonenden Kathetereingriff geholfen werden. Prof. Francesco Maisano über das Clippen der Mitralklappe.

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Herzinsuffizienz wird als die neue Volkskrankheit bezeichnet. Weshalb?

Herzinsuffizienz ist eigentlich ein Syndrom, nicht nur eine Krankheit. Es gibt viele verschiedene Ursachen, welche ein Herz versagen lassen. Der Hauptgrund, weshalb dies in der Bevölkerung so weit verbreitet ist, ist die steigende Lebenserwartung. Herzinsuffizienz ist eine Alterserscheinung, und weil das Durchschnittsalter in der heutigen Zeit immer mehr ansteigt, erhöht sich auch die Zahl der betroffenen Personen. Deswegen hat sich die Herzinsuffizienz in den letzten Jahren zu einer Volkskrankheit der westlichen Welt entwickelt.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Es gibt mehrere Umstände, die eine Herzinsuffizienz verursachen können. Am häufigsten sind Erkrankungen der Herzkranzgefässe, die sogenannte Koronararteriosklerose, die zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels führen. Auch diese Krankheit verbreitet sich seit Jahren. Ebenfalls zu Herzinsuffizienz führen unbehandelter Bluthochdruck über längere Zeit, Erkrankungen der Herzklappen oder unbehandelte Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern.

Wie merkt man, dass man eine Herzinsuffi­zienz hat, und mit welchen Beschwerden sollte man zum Arzt?

Das Hauptsymptom ist Kurzatmigkeit. Am Anfang nur bei Belastung oder körperlicher Anstrengung. Dieses Symptom wird immer stärker, bis auch bei geringer Aktivität und in Ruhephasen Atemlosigkeit auftritt. Weitere Symptome sind Beinschwellungen, verstärkter nächtlicher Harndrang und allgemeine Schwäche. Wenn sich diese Symptome verschlimmern, können sie bis zum Lungenödem führen.

Welche Rolle spielt eine defekte oder ­ungenügend funktionierende Mitralklappe bei der Herz­insuffizienz?

Eine defekte oder undichte Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer verstärkt die Symptome zum Teil massiv und verringert die Lebensqualität. Ebenso sinkt die Lebenserwartung für Patienten mit einer schon bestehenden Herzinsuffizienz.

Was ist zuerst da? Die Herzinsuffizienz oder die defekte Mitralklappe?

Es gibt Situationen, in welchen eine unbehandelte und undichte Mitralklappe Auslöser der Herzinsuffizienz ist. Das ist heutzutage aber nicht wirklich häufig, da wir versuchen, organische Mitralinsuffizienz früh, das heisst vor Beginn einer irreversiblen Herzinsuffizienz zu behandeln. Bei den meisten Patienten mit Herzinsuffizienz ist jedoch eine funktionelle oder sogenannt sekundäre Mitralinsuffi­zienz vorhanden, eine Folge der Erweiterung der linken Herzkammer. In solchen Fällen besteht zwar eine Mitralinsuffizienz, aber das vorrangige Problem ist ein ventrikuläres Problem und die Klappe selbst ist anatomisch normal. Die undichte Klappe verschlechtert die Herzinsuffizienz und führt so zu einem Teufelskreis.

Herz GrafikWas macht man gegen eine undichte Mitral­klappe?

Man kann sie mithilfe eines Katheters clippen. An der Spitze des Katheters befindet sich eine Klammer, die unter Ultraschallkontrolle an der richtigen Stelle zwischen den Segeln der Mitralklappe platziert wird. Die undichte Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer kann sich so wieder schliessen, der normale Blutfluss in den Körper ist wieder gewährleistet und das geschwächte Herz wird entlastet.

Das Clippen der Mitralklappe ist durch einen Katheterzugang in der Leiste möglich. Dadurch kann der Eingriff an der undichten Mitralklappe am schlagenden Herzen, ohne Eröffnung des Brustkorbes und ohne Unterstützung durch die Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden. Das reduziert das chirurgische Risiko, und deshalb ist der Eingriff auch bei Patienten in schlechtem Allgemeinzustand möglich.

Welche Patienten kommen für das Clipping der Mitralklappe infrage?

Ideal ist der Eingriff für alle Patienten, welche nicht für die offene Herzchirurgie geeignet sind. Das heisst hohes Alter, fortgeschrittene Herzinsuffizienz oder andere, zusätzliche Erkrankungen.

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Prof. Dr. med. Francesco Maisano, Leiter des Universitären Herzzentrum Zürich

Wie belastend ist der Eingriff?

Der Eingriff findet in Narkose in einem speziellen Operationssaal, dem Hybrid-OP statt. Es gibt keine grossen Hautschnitte, alle Katheter werden über Punktionen eingeführt. Normalerweise dauert der Eingriff etwas weniger als zwei Stunden, und danach kann der Patient direkt auf die Überwachungsstation verlegt werden. In den meisten Fällen kann der Patient schon nach drei bis vier Tagen nach Hause. Eine Rehabilitation ist meistens nicht nötig.

Welches sind die Erfahrungen an Ihrer Klinik?

Unsere Klinik am UniversitätsSpital Zürich ist eines der Center of excellence für diesen Eingriff. Wir können alle verschiedenen Techniken zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz anbieten und haben grosse Erfahrung. Dadurch kann jeder Patient individuell und auf seine Bedürfnisse angepasst behandelt werden.

Ein Katheter mit einer Klammer an der Spitze wird über die Leistenvene eingeführt und über den rechten
im linken Vorhof positioniert. Anschliessend werden die Mitralklappen zusammengeclippt.

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