Das dunkle Gespenst
Der Depression Paroli bieten? Geht das? Eine Betroffene erzählt.
Depression ist keine Modediagnose, sondern eine schwerwiegende Krankheit, die in einem hohen Prozentsatz immer noch viel zu spät oder überhaupt nicht diagnostiziert und damit auch nicht behandelt wird. Eine Depression ist keine Erkrankung, wofür man sich zu schämen braucht. Jeder Mensch kann eine Depression bekommen, wenn bestimmte Faktoren zusammentreffen. Das sollte uns den Betroffenen gegenüber feinfühlig machen und uns jeglichen Anflug von Überheblichkeit nehmen. Eine Depression hat auch nichts mit einer vorübergehenden Traurigkeit oder einer blossen Verstimmung auf äussere Umstände zu tun. Bei der Depression ist die Stimmung anhaltend gedämpft und lässt sich kaum durch positive Einflüsse verändern. Eine Ausnahme davon ist die atypische Depression, bei der die Stimmung sich auf äussere positive Lebensumstände vorübergehend bessern kann.
Menschen, die an einer Depression erkranken, sollen spüren, dass sie nicht allein sind, dass es wirksame Hilfe gibt, mit der sie die Depression überwinden können.. Hier sind wir alle gefordert, Schranken zu überwinden, Hemmungen abzulegen und auf die Betroffenen behutsam zuzugehen. Nichts ist für depressive Menschen wichtiger als sich getragen zu fühlen, sich nicht zu isolieren und über ihr Befinden sprechen zu können.
„Unbestritten spielen Psychotherapie und Medikamente bei der Behandlung der Depression eine zentrale Rolle.- Darüber hinaus ist es aber eminent wichtig, den Betroffenen “Werkzeuge” in die Hand zu geben, womit sie bei zunehmender Besserung die Behandlung selber aktiv unterstützen können. Damit verstärkt sich das Selbstvertrauen, etwas verändern und bewegen zu können.“, sagt der bekannte Zürcher Psychiater und Depressionsspezialist Dr. Joe Hättenschwiler. „Es sind die ganz kleinen Erfolgserlebnisse im Alltag, der kurze Spaziergang, der Duft einer Blume im Frühling, die liebevolle Berührung eines Angehörigen, das Telefongespräch mit einem Arbeitskollegen, welche die Dunkelheit Zentimeter um Zentimeter zurückweichen lassen. Am Anfang fallen die Lichtstrahlen nur sehr spärlich in die Gefängniszelle der Depression, dann wird das Licht immer stärker, bis das Vertrauen in sich selber, in die Menschen und das Leben wieder da ist. Wichtig ist einfach, dass man sich der Depression nicht einfach hingibt, sondern möglichst früh Hilfe in Anspruch nimmt, beim Arzt und oft auch bei einer Selbsthilfegruppe.“
Vielen Betroffenen hilft es, dem Gespenst “Depression” einen Namen zu geben, mit ihr zu sprechen, sie sogar zu beschimpfen, sie zu malen, ihr einen Brief zu schreiben oder ihr sonst Gestalt zu geben. Alles, was dazu beiträgt, aus der passiven Opferrolle auszubrechen, ist hilfreich. Der Depression Paroli bieten? Wie geht das? Eine Patientin schildert das so: Schon als Kind war ich keine fröhliche Natur. Nie hatte ich Gspänli oder eine Freundin. Obwohl ich einen liebevollen Mann heiratete und zwei tolle Jungs geschenkt bekam, war ich oft traurig. Grundlos. Immer versuchte ich mir Mühe zu geben, eine fröhliche und gute Mutter zu sein. Dann kam es plötzlich zum Zusammenbruch. Die Depression hatte mich in den Krallen. Ich stürzte in ein tiefes Loch. Keine Lebenslust, kein Selbstwertgefühl. Ich fühlte mich als Versager. Kein Radio, TV, keine Familie, niemanden und nichts konnte ich ertragen. Nach einem vierwöchigen Aufenthalt in der Klinik ging es mir wieder besser. Ich bekam Medikamente und eine psychotherapeutische Behandlung. Ich glaubte, es könne mir nichts mehr passieren. Aber die Depression liess mich nicht so rasch los. Niemand kann sich vorstellen, wie es in mir aussieht und welch enormen Willen und Kraft es braucht, aus diesem Loch herauszukommen. Die guten Ratschläge wie „nimm dich zusammen! Du hast keinen Grund, dich gehen zu lassen Du hast ein schönes Haus und eine tolle Familie!“ helfen dir nicht. Im Gegenteil. Meine Familie hat gelernt, mit meiner Depression umzugehen. Nicht sprechen, nicht fragen, mir Zeit lassen, einfach abwarten, bis ich spreche. Ein Lächeln und ein leichtes Streicheln wirken dagegen Wunder. Bin ich wieder oben und hab das die Depression besiegt, bin ich stolz. Ich habe gelernt, dem Gespenst Paroli zu bieten. Beim Erwachen spreche ich laut mit ihm und lache es hämisch aus. Ich weiss heute, dass ich darüber stolz sein darf.
Eine Depression ist eine Krankheit. Sie betrifft Leib und Seele gleichermassen. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, kann sie zum Tod führen.
Bis zu 15 Prozent der Depressionsbetroffenen scheiden durch Suizid aus dem Leben. Das sind gegen 1400 Menschen jedes Jahr in der Schweiz.
Von einer Depression spricht man, wenn die Symptome an den meisten Tagen über mindestens zwei Wochen anhalten.
Typische Zeichen sind gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und der Fähigkeit, sich zu freuen. Nachlassen von Interesse und Konzentration. Grosse Müdigkeit und rasche Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Gedanken von Wertlosigkeit.
Equilibrium, der Verein zur Bewältigung von Depressionen, bietet in der ganzen Schweiz Selbsthilfegruppen an und begleitet Depressive und ihre Angehörigen. http://www.depressionen.ch
Die Schweizerische Gesellschaft für Angst und Depression SGAD ist eine Fachgesellschaft, mit dem Ziel die Aufklärung und Behandlung dieser Erkrankungen zu verbessern. Auf deren Webseite http://www.sgad.ch finden Sie viele wertvolle Informationen.
Die hilfreiche Broschüre bei Depression
Bestellen Sie die Gratisbroschüre von Dr. Joe Hättenschwiler mit ihren einfühlsamen Kurztexten und vertrauenschenkenden Bildern aus dem Verzascatal. Die Broschüre zeigt auf, was man selber gegen die Depression tun kann, von den Gedanken über die Bewegung bis hin zur Ernährung. Senden Sie ein frankiertes, an Sie rückadressiertes Couvert an: MediService, Leserservice, Depression, Ausserfeldweg 1, 4528 Zuchwil.








