Das Wandern ist der Arthrose Frust
PD Dr. Daniel Uebelhart über Wandern und Wirkstoffe, welche die Gelenke schützen.
Soll man mit Arthrose noch Sport treiben?
Ganz wichtig ist, in Bewegung zu bleiben, gleichgültig, wo und wie stark man Arthrose hat. Das gilt übrigens für alle chronischen Krankheiten – und jede Alterskategorie. Selbstverständlich muss die Sportart dem Alter und dem Gesundheitszustand angepasst werden. Geeignet sind Radfahren, Laufen, Gehen, Nordic Walking oder tägliche Spaziergänge im Sommer – Langlauf oder Snow Walking im Winter und viele weitere Sportarten.
Wieso ist Bewegung bei Arthrose ganz wichtig?
Der Gelenkknorpel wird nicht über Blutbahnen, sondern über die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt. Bei Belastung des Gelenkes wird die Gelenkflüssigkeit wie bei einem Schwamm aus dem Knorpel herausgepresst. Bei Entlastung saugt sich der Knorpel wieder mit Flüssigkeit voll. Ohne Bewegung wird der Knorpel ungenügend versorgt. Die Folge ist schnelleres Fortschreiten der Arthrose. Sportliche Aktivitäten stärken zudem die Muskulatur und tragen so zu einer geringeren Belastung des Gelenkes bei.
Wie ist es mit Wandern? Soll man am besten nur noch bergauf gehen und Abstiege zu Fuss wenn möglich ganz vermeiden?
Wandern ist sehr gut für die Gesundheit – nicht nur für Arthrose-Patienten. Die Strecken bergauf und bergab müssen individuell dem Zustand der Knie- und Hüftgelenke angepasst werden. Einfache Massnahmen wie ein Taping, also ein Stützverband, oder die Benützung von Nordic-Walking-Stöcken.
Wann soll man bei einer Arthrose mit der Behandlung beginnen?
Die Behandlung der Arthrose sollte so früh wie möglich einsetzen, das heisst, wenn sich die ersten Symptome zeigen, also Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit. Die Schmerzlinderung und die Verbesserung der Beweglichkeit sind die wichtigsten Ziele der Therapie.
Wie geht man bei der Wahl eines geeigneten Schmerzpräparates am besten vor? Steht heute Paracetamol immer noch an erster Stelle?
Jeder Arzt kennt die Schmerzmittel-Pyramide. Paracetamol ist immer noch die erste Wahl.
Wie wirksam ist Chondroitinsulfat, das den Knorpel schützen soll?
Die Wirksamkeit dieses Präparates ist durch mehrere wissenschaftlich einwandfrei durchgeführte Studien erwiesen. Das gilt für die Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit. Zwei kürzlich durchgeführte Studien – eine in Zürich, eine andere in den USA und mehreren europäischen Ländern – konnten zudem beweisen, dass Chondroitinsulfat strukturerhaltend wirkt, das heisst, das Fortschreiten einer Kniearthrose bremsen oder sogar stoppen kann. Auch eine neue Auswertung von zehn grossen und erstklassig durchgeführten Studien untermauert klar die schmerzlindernde Wirkung dieser Substanz, und das in einem sehr hohen Ausmass.
Welche Arthrose-Patienten sollen mit diesem Wirkstoff behandelt werden?
Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beziehen sich auf die Kniearthrose. Aber auch Patienten mit Fingeroder Hüftarthrose können von dieser Behandlung profitieren.
Wie lange sollte eine solche Therapie dauern?
Chondroitinsulfat sollte angewendet werden, solange eine schmerzlindernde Wirkung vorhanden ist und die Mobilität der Patienten erhöht wird. Möglicherweise ist das jahrelang der Fall. Sichere Daten zur Langzeitwirkung gibt es heute für eine Therapiedauer von bis zu zwei Jahren.
Lohnt sich eine Behandlung auch noch in einem späten Stadium?
Auf die Behandlung mit Chondroitinsulfat sprechen nur Patienten an, die noch eine gewisse Menge an Gelenkknorpel haben. Deshalb sollte die Therapie möglichst früh einsetzen. Wenn im Gelenk nur noch Knochen auf Knochen reibt, kommt eine andere Substanz in Frage, nämlich das «Schmiermittel» Hyaluronsäure, welches direkt ins Gelenk gespritzt wird.
Ist Chondroitinsulfat gleich Chondroitonsulfat?
Oder anders gefragt: Worauf muss man bei der Wahl eines Präparates achten? Um wirksam zu sein, muss das Präparat in Medikamentenform angewendet werden. Für rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel, die man in Apotheken, Drogerien, übers Internet oder sogar bei Grossverteilern bekommt, gibt es überhaupt keine Wirksamkeitsgarantie.
Kann man mit Knorpelschutzpräparaten Schmerzmittel einsparen?
Die Antwort ist Ja, und das ist eine sehr wichtige Botschaft. Durch die Anwendung von Chondroitinsulfat kann die Einnahme von anderen antientzündlichen Medikamenten reduziert werden, inklusive den Risiken wie Magen- Darm-Blutungen, Nierenversagen und in gewissen Fällen auch Herzinfarkte und Hirnblutungen.
Die Arthrose
Drei von vier Menschen über 60 leiden an Arthrose. Das hängt mit der steigenden Lebenserwartung zusammen, aber auch mit dem steigenden Durchschnittsgewicht der Bevölkerung. Bei der Arthrose kommt es zu Abnützungserscheinungen im Knorpel. Der Knorpelüberzug geht dabei verloren. Durch den fortschreitenden Verlust des Knorpels wird das Gelenk instabil. Dadurch schreitet der Knorpelverlust noch mehr voran, was zur verstärkten Belastung und schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur führt. Die genaue Ursache der Arthrose ist unklar. Sie tritt familiär gehäuft auf.
Achten Sie auf Frühzeichen der Arthrose:
- Schmerzen bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen
- Schmerzen nach längeren körperlichen Belastungen
- Wenig oder nur geringe Schmerzen in Ruhe
- Frühere Verletzung oder Entzündung im Gelenk
- In der Familie leidet jemand an Arthrose
Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome haben.








