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Knieprothese

15 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Arthrose, dem schmerzhaften Gelenkverschleiss.

Und es werden immer mehr. Eines der am stärksten betroffenen Gelenke ist das Knie. Kein Wunder, muss es doch die ganze Last des Lebens tragen. Die stetig steigende Lebenserwartung, Unfälle sowie Verletzungen beim Sport und vor allem das epidemisch um sich greifende Übergewicht setzen diesem komplexen Gelenk über die Jahre zu. Die Auswirkungen einer Arthrose sind gravierend. «Es sind nicht nur die Schmerzen, die den Patienten plagen», sagt Pivatdozent Dr. Victor Valderrabano von der Orthopädischen Universitätsklinik Basel, «sondern auch die Beeinträchtigung der gesamten Lebensqualität und die Einengung des Aktionsradius in Beruf, Freizeit und Sport. Wird die Arthrose nicht rechtzeitig behandelt, kommt es zwangsläufig zu schweren Problemen im Zusammenleben und zur Invalidität.»

Helfen konservative, das heisst gelenkbewahrende Massnahmen wie Schmerz- und Entzündungshemmung, Knorpelschutz und Physiotherapie nicht mehr weiter, kommt der Chirurg zum Zug. Eine möglichst rasche Schmerzfreiheit und Normalisierung der Gelenkfunktion ist das Ziel jeder Versorgung mit einer Prothese. Eine besondere Herausforderung ist der gleichzeitige Befall beider Kniegelenke. Bis nach einer ersten Operation auch das zweite Knie ersetzt werden muss, ist nur eine Frage der Zeit.

Dr. Valderrabano erläutert die drei möglichen Behandlungsszenarien: «Versorgung beider Gelenke mit einer Prothese in einer einzigen Operation: Das ist sicher die billigste, aber auch die für den Patienten am stärksten belastende Methode. Gemäss einer schwedischen Studie kann sie mit einem um das siebenfach erhöhten Sterberisiko einhergehen. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, den Gelenkersatz in zwei verschiedenen Hospitalisationen durchzuführen. Nach der ersten Operation geht der Patient in die Reha und kommt sechs bis zwölf Wochen später für die Operation des zweiten Knies und geht dann nochmals in die Rehabilitation, mit einem Arbeitsausfall von rund einem halben Jahr. Dieses Vorgehen ist zwar für den Patienten sehr schonend, nicht aber für das Gesundheitswesen, weil die Kosten relativ hoch sind.»

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Der Basler Orthopäde plädiert für ein anderes Vorgehen, und der Erfolg gibt ihm recht: Beide Knie werden in zwei Operationen, aber während dem ein und demselben Spitalaufenthalt operiert. «Bei dieser Methode erhält der Patient die zweite Prothese vier bis sieben Tage nach der ersten Operation. Das ist nicht nur für den Körper, den Kreislauf und die Rehabilitation des Patienten viel schonender, sondern auch für das Gesundheitssystem am günstigsten,»

Variante drei hat sich noch viel zu wenig herumgesprochen. Lieber warten viele Patienten mit der zweiten Operation noch Monate oder sogar Jahre zu und nehmen in Kauf, dass sie sich immer noch nicht schmerfrei bewegen können und es zu einem fortlaufenden Abbau der Muskulatur kommt, der später nur wieder sehr mühsam oder überhaupt nicht mehr wettgemacht werden kann. Dr. Valderrabano: «Ein Muskelabbau ist auch deshalb sehr unerwünscht, weil eine Prothese nur gut funktionieren kann, wenn die umliegende Muskulatur trainiert ist. Gerade älteren und eher schwächeren Patienten ist der Gelenkersatz beider Knie in zwei Operationen innerhalb des gleichen Spitalaufenthaltes sehr zu empfehlen. Heute werden die Kniegelenkprothesen so stabil und schonend implantiert und die Rehabilitation so kompetent durchgeführt, dass sich dieses Verfahren für alle auszahlt.»

Drucken02.07.2009