Plicasyndrom und jumper’s knee
Sport ist gesund. Wer es übertreibt, spürt es oft im Knie.
Das Knie ist bei Überlastungsschäden überdurchschnittlich häufig betroffen. Das liegt an den Kräften, die auf das Knie einwirken, aber auch daran, dass dieses Gelenk bei praktisch allen sportlichen Aktivitäten in die Bewegungsabläufe einbezogen ist. Was macht nun die Belastung zur Überlastung, und wie kommt es zu Schädigungen?
Probleme mit Überlastungsbeschwerden ergeben sich aus der Störung des Verhältnisses Belastung zur tatsächlichen Belastbarkeit. Ein Missverhältnis kann einerseits aufgrund erhöhter Belastung wie zunehmende Frequenz, Dauer und Intensität einer sportlichen Aktivität entstehen. Andererseits können Stress, Erkrankungen, Vorschäden nach Verletzungen und Operationen eine verminderte Belastbarkeit zur Folge haben. Auch Achsfehlstellung wie O- oder X-Beine, Störungen der Fussstatik mit Knick-Senk- Spreizfuss sind nicht selten dafür verantwortlich.
Während bei einer Sportverletzung die Ursache rasch geklärt ist, sind bei Überlastungsproblemen die Entstehung oder der Zusammenhang mit dem auslösenden Moment nicht immer eindeutig. Die Abklärung der Ursache verlangt neben dem geschulten Blick, dem Verständnis der sportartspezifischen Bewegungsabläufe, der Kenntnis sportartspezifischer Probleme eine gezielte Diagnostik, besonders der klinischen Untersuchung und einer sorgfältigen Befragung des Sportlers.
Häufig sind Überlastungen der Kniescheibe. Meist findet man Kombinationen von Knorpelschäden, einer Dezentrierung der Patella sowie Dysbalancen der vorderseitigen Oberschenkelmuskulatur. Sehnenentzündungen oberhalb oder unterhalb der Kniescheibe – jumper’s knee – werden vorwiegend bei Sprungsportarten, aber auch bei Rotationssportarten wie beispielsweise dem Fussball beobachtet.
Ein im Laufsport häufiges Beschwerdebild ist eine Entzündung des Schleimbeutels zwischen Oberschenkelknochen und dem Tractus Iliotibialis, einem straffen Gewebesegel auf der Aussenseite des Kniegelenkes. Iliotibiales Friktionssyndrom wird dieses Problem genannt, das in Läuferkreisen einen unrühmlich hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat.
Eine Besonderheit beim jugendlichen Sportler ist die schmerzhafte Entzündung der Sehne, welche Kniescheibe und Schienbein miteinander verbindet. Betroffen ist meistens die Wachstumszone am Sehnenansatz. Folge ist eine Verdickung am Knochenansatz des Schienbeins, die lebenslang sichtbar bleiben kann.
Auch jede andere Sehne oder deren knöcherner Ansatzpunkt können belastungsabhängige Irritationen zeigen. Das unterstreicht, wie wichtig eine genaue Untersuchung und die Kenntnis sportartspezifischer Belastungsmuster mit ihren Gefahren sind.
Das Plicasyndrom steht für eine chronische Reizung und Fibrosierung einer Schleimhautfalte, die auf der Kniescheiben- Innenseite im Gelenk liegt. Grundlage sind meistens repetitive Beuge-Streck-Bewegungen wie beim Velofahren oder Rudern, aber auch beim Rennen. Die Plica klemmt es zwischen Oberschenkelrolle und Patella ein, mit der Folge, dass es zu Knorpelabrieb kommt. Die Lösung ist meistens eine arthroskopische Entfernung der Falte. Knorpelglättungen hingegen sollte man nur mit grosser Zurückhaltung machen.
Generell geht es immer darum, die zugrunde liegende Ursache zu beseitigen. Lediglich am Anfang der Behandlung stehen symptomatische Schritte wie entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente sowie physikalische Massnahmen im Vordergrund. Neben der Anpassung der Belastung oder der Technik oder des Sportgerätes kann eine Korrektur des Schuhwerkes mit Einlagenversorgung notwendig werden. Nicht selten ist eine Lauf- und Ganganalyse wegweisend, möglicherweise auch ergänzende radiologische Abklärungen. Ziel ist es, dass der jeweilige Patient seine gewohnte Sportart weiter ausüben kann, seiner sozialen, körperlichen und seelischen Gesundheit zuliebe.








