Rasch Diagnose stellen
Der Zeitfaktor spielt im Kampf gegen die rheumatoide Arthritis wohl die grösste Rolle.
Verpasst man das sogenannte therapeutische Fenster, kommt es unweigerlich zu Gelenkszerstörung und deformierung mit oft invalidisierenden Folgen. «Schon bei den ersten Verdachtsmomenten muss die Diagnose deshalb erzwungen werden», sagt Privatdozent Dr. Diego Kyburz, leitender Arzt an der Rheumaklinik des Universitätsspitals Zürich. «Leider werden uns viele Patienten immer noch zu spät überwiesen. Das ist deshalb tragisch, weil Gewebe, das einmal zerstört wurde, nicht mehr repariert werden kann.»
Ein wichtiger Fortschritt in der Frühdiagnostik der rheumatoiden Arthritis brachte die Einführung des Ultraschalls. Dr. Kyburz: «Er hat den ganz grossen Vorteil, dass wir entzündliche Veränderungen der Gelenkschleimhaut sehr präzis und vor allem sehr früh aufspüren können.»
Auch bei der Behandlung sieht Dr. Kyburz noch erhebliches Verbesserungspotential: «Viele Patienten werden zu lange nur mit Schmerzmitteln oder Kortison behandelt. Die Schmerzen sind dadurch vielleicht im Griff, nicht aber der Zerstörungsprozess. Und genau diesen muss man aufhalten, und zwar mit hochpotenten sogenannten Basismedikamenten.»
Für die Therapie der rheumatoiden Arthritis gibt es ein standardisiertes Vorgehen. Schmerz- und entzündungshemmende Mittel gibt man so früh wie möglich, das heisst, wenn der Patient zum ersten Mal in die Untersuchung kommt. Ist die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis klar gestellt, muss eine Behandlung mit Basismedikamenten begonnen werden, um die Gelenkszerstörung zu verhindern. Dabei kommt zuerst meist Methotrexat zur Anwendung. Genügt dies nicht, werden hochwirksame biologische Mittel der ersten Stufe eingesetzt, in der Regel TNFBlocker.
Weil man weiss, dass rund 30 Prozent der Patienten darauf immer noch nicht genügend ansprechen, wird die Krankheitsaktivität unter der Therapie genau verfolgt. Setzt die Wirkung nicht innerhalb von zwei bis drei Monaten ein, nimmt man am besten ein Medikament mit einem ganz anderen Wirkprinzip, beispielsweise den Antikörper Rituximab. Die Ansprechrate ist hoch. In der Regel hält die Wirkung zwischen einem halben und einem ganzen Jahr an, oft sogar noch länger. Wird die Krankheit wieder aktiv, macht man möglichst schnell eine zweite Behandlung mit demselben Antikörper.
Reicht das immer noch nicht, verfügt der erfahrene Rheumatologe über weitere Behandlungsalternativen. Neue Waffen gegen die rheumatoide Arthritis stehen kurz vor der Einführung, oder sind kürzlich eingeführt worden, so der vielversprechende Wirkstoff Tocilizumab.
In der Schweiz sind rund 70 000 Menschen von rheumatoider Arthritis betroffen. Die Krankheit beginnt häufig mit Morgensteifigkeit. Die Patienten können nach dem Aufstehen die Finger nicht mehr frei und schmerzlos bewegen. Sie ist ein Alarmsymptom ersten Ranges, mit dem man rasch zum Arzt soll.








