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Volle Kraft gegen Rheuma

Rheumatoide Arthritis mit früher Therapie stoppen.

Man sagt heute, mit rheumatoider Arthritis soll man möglichst früh zum Arzt. Bei welchen Symptomen muss man Verdacht schöpfen?

Die wichtigsten Beschwerden, mit denen man sofort zum Arzt muss, sind Morgensteifigkeit von einer halben Stunde und mehr, Gelenkschmerzen an den Händen, vor allem an den Handgelenks- und Fingergrundgelenken, sowie eine Schwellung von mehreren Gelenken.

Wie lässt sich die Diagnose möglichst früh stellen?

Bereits im Frühstadium gibt die klinische Untersuchung Hinweise auf eine Gelenksentzündung, besonders im Bereiche der Hände und Füsse. Findet man zwei oder mehr entzündete beziehungsweise geschwollene Gelenke, muss die Situation näher abgeklärt werden – mittels Röntgenbild und Labor. Eine besonders frühe Diagnose lässt sich heute im Ultraschallbild stellen, weil dort sowohl die Schwellung als auch eine allfällige Zerstörung des Knochens bereits im frühesten Stadium erkennbar sind.

Darf man heute überhaupt noch warten, bis im Röntgenbild Veränderungen sichtbar werden?

Natürlich nicht, da wir ja mittlerweile Medikamente haben, welche die Gelenkzerstörung aufhalten können. Die Behandlung sollte deshalb so früh wie möglich einsetzen.

Soll man mit der Therapie wegen möglicher Nebenwirkungen noch zuwarten?

Die Auswirkungen der Erkrankung sind in der Regel derart stark, dass die Nebenwirkungen ganz in den Hintergrund treten. Wird eine Therapie richtig durchgeführt, sind die meisten Nebenwirkungen – falls sie überhaupt auftreten – frühzeitig erkenn- und beherrschbar.

Welche Strategie verfolgt man bei der Wahl der Medikamente?

Erstens sollte so früh wie möglich behandelt werden, das heisst bereits dann, wenn der Patient zum ersten Mal in die Untersuchung kommt. Zweitens sollte schon in diesem Moment eine kräftige Medikation einsetzen. In der Regel eine Kombination eines Kortisonpräparates mit einem oder mehreren langwirksamen Entzündungshemmern. Man nennt das die Basisbehandlung. Sobald die Wirkung einsetzt, kann das Kortisonpräparat rasch reduziert oder ganz abgesetzt werden. Liegen bereits Anzeichen für eine Zerstörung des Knochens vor, muss die Medikation umso kräftiger sein. Das heisst, es kommen bereits im Frühstadium sogenannte Biologika wie die TNF-Blocker zur Anwendung.

Gibt es Patienten, die auf TNF-Blocker nicht oder nur ungenügend ansprechen?

Rund 30 Prozent. Leider kann man diese Patienten nicht im Voraus erkennen. Deshalb muss man die Krankheitsaktivität unter der Therapie genau verfolgen und dokumentieren. Bei einem TNF-Blocker muss die Wirkung innerhalb von ein bis zwei Monaten einsetzen. Andernfalls muss man die Behandlung wechseln.

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Was macht man am besten, wenn ein TNF-Blocker versagt hat?

Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder setzt man einen anderen TNF-Blockers ein oder man nimmt eine Substanz mit einem ganz anderem Wirkprinzip, nämlich Mabthera mit dem Wirkstoff Rituximab. Es gibt Hinweise, dass der sofortige Wechsel auf Mabthera vorteilhafter ist als ein Versuch mit einem zweiten TNF-Blocker.

Was zeichnet Mabthera aus?

Mabthera wird in 2 Infusionen im Abstand von 2 Wochen verabreicht. Die Verträglichkeit ist gut. Die Wirkung tritt erst rund zwei Monate später auf, weshalb die Zwischenphase mit anderen Medikamenten überbrückt werden muss. Die Ansprechrate auf Mabthera ist hoch. Deshalb ist dieses Medikament eine grosse Bereicherung. In der Regel hält die Wirkung zwischen einem halben und einem ganzen Jahr an, hin und wieder sogar länger. Wird die Krankheit wieder aktiv, soll möglichst schnell eine zweite Behandlung gemacht werden.

Ist es denkbar, dass man Mabthera beirheumatoider Arthritis bald von Anfang an einsetzt?

Es gibt Hinweise, dass Mabthera ursächlich wichtige Krankheitsfaktoren stark zu reduzieren vermag. Bei aggressiven Formen ist deshalb ein früherer Einsatz durchaus denkbar. Wir sind alle sehr gespannt auf die ersten vergleichenden Untersuchungen.

Was macht man, wenn auch Mabthera nicht hilft?

Infrage kommen dann andere, zum Teil auch traditionelle Kombinationen, oder man greift zu einem Biologikum, das noch nicht zum Einsatz kam, zum Beispiel Abatacept.

Können diese Medikamente einmal abgesetzt oder müssen sie ein Leben lang eingenommen werden?

Neueste Untersuchungen zeigen, dass die Krankheit gestoppt werden kann, wenn die Behandlung sehr früh einsetzt. Das Absetzen von Medikamenten wird umso wahrscheinlicher, je früher und stärker man eine rheumatoide Arthritis behandelt. Wartet man mit der Behandlung zu lange oder ist sie ungenügend, flackert die Entzündung immer wieder auf, was eine Dauertherapie erfordert.

Wie stark leiden Patienten mit rheumatoider Arthritis unter Müdigkeit und Leistungseinbussen?

Ausgeprägte Müdigkeit und Leistungsabfall sind bei rheumatoider Arthritis typische Begleitsymptome. Das kann mehrere Ursachen haben. Da ist einmal die entzündliche Aktivität der Krankheit selber, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Magen- Darm-Blutungen als Folge einer Behandlung mit Antirheumatika, und entsprechendem Eisenmangel. Die Ursache muss in jedem Fall genau abgeklärt werden. Ist die Müdigkeit eine Folge der Erkrankung selber, bessert sie sich meistens, sobald die Therapie einsetzt.

Darf man rheumatoide Arthritis ausschliesslich mit Homöopathie oder anderen komplementärmedizinischen Methoden behandeln?

Das wäre ein grosser Fehler. Dadurch würde der optimale Zeitpunkt für die Frühbehandlung verpasst und das Behandlungsergebnis deutlich verschlechtert. Nur wer früh und adäquat mit bewährten Substanzen behandelt wird, hat eine Chance, die Krankheit zu überwinden.

Alarmysmptome und Blickdiagnose

Die rheumatoide Arthritis – früher auch chronische Polyarthritis bezeichnet – ist eine fortschreitende Autoimmunkrankheit, bei der die körpereigene Abwehr aus noch ungeklärten Gründen gesundes Gewebe angreift und chronische Entzündungen der Gelenke an Händen, Füssen, Ellenbogen, Knien und im Nacken auslöst. Die Entzündungen verformen die Gelenke und beeinträchtigen ihre Funktion, was zu Schmerzen, Steifigkeit, Schwellungen und schliesslich zur Zerstörung der Gelenke führt. In schwereren Fällen können auch Augen, Lungen oder Blutgefässe befallen sein.

In der Schweiz sind rund 70 000 Patienten betroffen. Die Krankheit kann im Prinzip in jedem Alter auftreten, sowohl bei Kleinkindern als auch bei Hochbetagten. Am häufigsten ist rheumatoide Arthritis allerdings im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Bei Frauen tritt die Krankheit rund dreimal häufiger auf als bei Männern.

Rheumatoide Arthritis beginnt häufig mit Morgensteifigkeit: Der Patient kann nach dem Aufstehen die Finger nicht mehr frei und schmerzlos bewegen. Sie ist ein Alarmsymptom ersten Ranges, mit dem man möglichst rasch zum Arzt soll. Die Blickdiagnose ist dann relativ einfach: Schwellungen der Grund- und Mittelgelenke der Finger an beiden Händen sind für rheumatoide Arthritis absolut typisch. Es gibt aber immer wieder auch untypische Fälle, die mit einer Entzündung in einem Kniegelenk oder Hüftgelenk beginnen.

Drucken16.07.2009