Herz in Gefahr
Nächtliche Atmungsstörungen machen nicht nur müde, sondern schaden auch dem Herz.
Rund fünf Prozent der Bevölkerung haben eine nächtliche Atmungsstörung. Am häufigsten ist die obstruktive Schlafapnoe, bei der es zur Blockade der oberen Atemwege mit Atemstillständen von 10 Sekunden und mehr kommt. Dass Schlafapnoe und verwandte Störungen die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können, ist mittlerweile bekannt. Kaum realisiert wird hingegen die Gefahr für Herz und Kreislauf. Nächtliche Atmungsstörungen können sowohl Ursache wie auch Folge von Herzkrankheiten sein. Schlafapnoe ist neben Übergewicht, Diabetes, hohem Blutdruck und Cholesterin ein eigenständiger Risikofaktor für die Entstehung und Verschlimmerung von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Deshalb muss bei Schlafapnoe-Patienten nach Herz- Kreislauf-Krankheiten und umgekehrt auch bei Herz-Kreislauf-Patienten nach Schlafapnoe gefahndet werden, um diese konsequent behandeln zu können.
Arteriosklerose:
Schlafapnoe ist ein hochgradiges Risiko für Arteriosklerose und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Mechanismen sind vielfältig: Rund die Hälfte der Schlafapnoe-Patienten leidet an Bluthochdruck. Schlafapnoe geht mit einer herabgesetzten Empfindlichkeit auf das körpereigene Insulin einher – in der Fachsprache Insulinresistenz genannt. Weitere Mechanismen sind eine gesteigerte Produktion von Wachstumsfaktoren in den Blutgefässen, entzündliche Prozesse in der Gefässwand selber und erhöhte Gerinnungsneigung. Das führt dazu, dass bei Schlafapnoe-Patienten die koronare Herzkrankheit dreimal und Schlaganfälle drei- bis fünfmal häufiger auftreten als in der Gesamtbevölkerung.
Bluthochdruck:
Hauptursache für die Hypertonie bei Schlafapnoe ist eine nächtliche Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Typisch für Schlafapnoe-Patienten ist die fehlende Blutdruckabsenkung in der Nacht. Das unterscheidet diese Form der Hypertonie von einem gewöhnlichen Bluthochdruck und zeigt, wie ernst erhöhte Blutdruckwerte bei Schlafapnoe zu nehmen sind.
Herzmuskelschwäche:
Auch die Herzmuskelschwäche, die sogenannte Herzinsuffizienz, geht häufig mit einer nächtlichen Atmungsstörung einher. Mehr als ein Drittel der Schlafapnoe-Patienten leidet an Herzinsuffizienz. Herzmuskelschwäche ist mit einer dramatischen Verschlechterung der Lebenserwartung verbunden und muss deshalb konsequent behandelt werden.
Herzrhythmusstörungen:
Schlafapnoe-Patienten haben in 20 bis 50 Prozent der Fälle Herzrhythmusstörungen. Am häufigsten sind Vorhofflimmern, Frequenzabfall und Herzstolpern in der Nacht. Dass solche Rhythmusstörungen sehr gefährlich sind, beweist die Tatsache, dass der plötzliche Herztod bei Patienten mit Schlafapnoe dreimal so häufig vorkommt wie in der restlichen Bevölkerung.
Fazit:
Patienten mit koronarer Herzkrankheit, also mit Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe, mit Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen müssen sorgfältig auf Schlafapnoe abgeklärt werden. Am einfachsten ist eine ambulante Untersuchung mit einem tragbaren kleinen Gerät zu Hause, die der Hausarzt oder Herzspezialist jederzeit veranlassen kann. Am nächstenTag werden die Daten vom Arzt analysiert und ausgewertet.
Wenn nötig erfolgt eine Überweisung an den Spezialisten. Die Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen reduziert Arteriosklerose-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Insulinresistenz und Entzündung der Gefässinnenschicht und senkt so das Herzinfarktund Schlaganfall-Risiko. Und nicht zu vergessen: Die Therapie – in den meisten Fällen die nächtliche Überdruckbeatmung – verbessert auch die Lebensqualität der Patienten, und zwar fast von einem Tag auf den anderen.
Fünf Fragen
Anhand von fünf einfachen Fragen können Sie herausfinden, ob bei Ihnen Verdacht auf Schlafapnoe besteht.
- Schnarchen Sie?
- Sind Sie tagsüber häufig müde und unkonzentriert?
- Setzt bei Ihnen im Schlaf die Atmung aus?
- Leiden Sie an Bluthochdruck?
- Sind Sie übergewichtig?
Wenn Sie drei oder mehr Fragen mit «Ja» beantworten müssen, ist eine ambulante Aufzeichnung des Schlafs ratsam.
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