KrankheitenEisenmangel

Das Stille Leiden der Frauen

Frauen sind in hohem Masse gefährdet, unter Eisenmangel zu leiden, ohne dass sie es merken.

Rund ein Fünftel der europäischen Frauen im gebärfähigen Alter hat einen Ferritin-Wert unter 15 Mikrogramm pro Liter, das heisst leere Eisenspeicher. Gründe sind in erster Linie die heutigen Ernährungsgewohnheiten und die Menstruation. In der Schwangerschaft nehmen Häufigkeit und Bedeutung von Eisenmangel zu. Selbst bei optimaler Ernährung kommt es deshalb in jeder Schwangerschaft zu einer negativen Eisenbilanz. Bei der Geburt geht durch den Blutverlust noch einmal Eisen verloren, sodass nach der Geburt bis zur Hälfte aller Frauen einen Ferritin-Wert unter 15 hat. Höchstwahrscheinlich hat ein Grossteil der so genannten Wochenbett-Depressionen ihre wahre Ursache in diesem Mangelzustand.

Typische Symptome von Eisenmangel sind Müdigkeit, Lust- und Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Lern- und Konzentrationsprobleme, Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit, Kälteempfi ndlichkeit, Herzklopfen, Haarausfall, brüchige Nägel, Schwindel, Kopfschmerzen und unruhige Beine. In diesem Stadium liegt das Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff, noch im Normbereich. Hingegen ist der Ferritinwert erniedrigt. Seit Langem ist bekannt, dass Eisenmangel bei der Frau Haarausfall verursacht. Der Ferritinspiegel erlaubt einen guten Einblick in den Eisenhaushalt einer Person. Ist das Eisenspeicherprotein Ferritin erniedrigt, besteht ein erhöhtes Risiko für Haarverlust. Bei Eisenmangel kommt es viel früher zu Haarausfall als zu einer Anämie.

  • 11

Wenn das Eisendefizit zu gross ist, reichen Ernährungsanpassungen nicht. Jetzt kommen orale Eisenpräparate zum Zug. Allerdings sind auch sie nur beschränkt wirksam und verursachen oft Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch führen. In solchen Fällen wird eine intravenöse Eisenbehandlung unumgänglich. Moderne hoch dosierte intravenöse Eisenpräparate sind schnell und zuverlässig wirksam und sehr sicher. Schwere allergische Reaktionen sind heute praktisch ausgeschlossen. Fazit: Ohne Eisen geht nichts, schon gar nicht bei der Frau. Ihre Natur bringt es mit sich, dass sie viel stärker gefährdet ist als der Mann, an chronischem Eisenmangel zu leiden, ohne dass sie es merkt. Die gesundheitlichen Folgen und Symptome sind so vielfältig, dass allein schon der Gedanke an Eisenmangel im medizinischen Alltag von unschätzbarem Wert ist.

Drucken07.06.2009