Blasenschwäche
Prof. Gabriel Schär über Auswirkungen im Alltag, Tipps und Tricks und neue Therapien.
Welche Schwierigkeiten bereitet das Thema Blasenschwäche?
Das grösste Problem sind die zum Teil sehr schweren Auswirkungen auf das tägliche Leben. Kein Sport, kein Turnen, kein Treppensteigen ohne Urinabgang. Viele Frauen gehen nicht mehr ins Kino oder Theater, weil sie wissen, dass ihnen der Harndrang während der Vorstellung keine Ruhe lässt. Andere verlieren Wasser beim Verkehr oder fühlen sich gehemmt, weil sie das Gefühl haben, der Partner rieche etwas. Inkontinenz ist ein emotional sehr schwieriges Thema, weil die Betroffenen ihren Körper nicht mehr wie bis anhin im Griff haben und sich ausgegrenzt fühlen.
Sind auch jüngere Frauen betroffen?
Je älter eine Frau wird, desto eher bekommt sie Probleme mit der Blase. So sind zwei von drei Betagten betroffen. Aber auch bei jungen Frauen ist Blasenschwäche weitverbreitet. Im Alter zwischen 40 und 50 hat jede vierte Frau ein Blasenproblem. Und in der Gruppe der 30- bis 40-Jährigen sind es auch immerhin schon 15 Prozent. Jüngere Frauen haben eher eine Belastungsinkontinenz, ältere eher eine überaktive Blase oder eine Drangblase. Wichtigste Ursache für die Belastungsinkontinenz sind Geburten, die das Bindegewebe und die Muskulatur des Beckenbodens schädigen können. Weiter sind es die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft sowie während und nach den Wechseljahren, die mit einer Abnahme der Muskelfasern um die Harnröhre einhergehen. Und schliesslich begünstigen auch körperliche Inaktivität, chronische Verstopfung sowie chronische Bronchitis die Entstehung einer Belastungsinkontinenz. Häufige Ursachen für eine überaktive Blase sind Harnwegsinfekte, trockene Schleimhäute und eine Senkung. Auch Scheideninfektionen und neurologische Erkrankungen wie MS, Parkinson, Demenz, Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch können zu hyperaktiver Blase führen.
Wie gehen jüngere Frauen damit um?
Sie sind nicht bereit, die Störung einfach so zu akzeptieren, und wehren sich zum Glück. Sie haben auch viel die geringere Tendenz, das Thema zu tabuisieren, als ältere Frauen. Sie haben meistens ein gutes Körpergefühl, tragen sichere und diskrete Einlagen, machen Beckenbodenübungen, Sport, Yoga, Pilates, was prophylaktisch helfen kann. Sie wissen, dass es wichtig ist, genügend zu trinken, die Kapazität der Blase voll auszunutzen, das heisst, nicht zu früh auf die Toilette zu gehen.
Es ist wichtig, dass sich Frauen mit Blasenproblemen ja nicht mit vorschnellen Antworten zufriedengeben und die Einschränkungen in Partnerschaft und Beruf einfach so hinnehmen. Wir haben auch sehr viele jungen Frauen. Für die allermeisten gibt es geeignete Lösungen. Das beginnt bei diskreten Einlagen in jeder Grösse und Stärke, die viel saugfähiger sind als normale Binden und einen seitlichen Auslaufschutz haben und so Sicherheit vermitteln. Die verschiedenen Schichten sorgen dafür, dass der Urin nicht mit der Haut in Kontakt kommt, Infektionen verursacht und unangenehm riecht. Dann haben wir Soforthilfen wie Pessare, neue Medikamente, geeignete Intimpflegebehandlungen und schonende Operationen. Kurz: Es gibt keinen Grund, wegen Blasenproblemen nicht mehr unter die Leute zu gehen und das WC zum Zentrum des Lebens zu machen.
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Heidi Steiner, 59, Kiosk-Geschäftsführerin:
Vor 20 Jahren ging es bei mir los. Mein Arzt meinte nur, ich hätte halt eine nervöse Blase. Ich musste ständig aufs WC und verlor immer wieder Urin. Oft musste ich so blitzartig Wasser lösen, dass es halt nicht mehr reichte. Alles Mögliche hatte ich ausprobiert, ohne Erfolg. Mit normalen Damenbinden ging das nicht. Nur mit den Einlagen von Tena war ich wirklich sicher. Via Hausarzt kam ich ins Blasenzentrum Frauenfeld. Heute frage ich mich, weshalb ich mir dort nicht früher helfen liess. Ich kann den Frauen nur raten, nicht lockerzulassen, bis der Arzt das Blasenproblem endlich ernst nimmt und an ein kompetentes Zentrum verweist.








