Endometriose
Die Ärzte denken nicht dran und die Frauen auch nicht, obwohl sie jahrelang unter Schmerzen leiden. Professor Michael Mueller über die am häufigsten übersehene Frauenkrankheit Endometriose.
Zehn bis fünfzehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Endometriose. Von den Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen sind zwischen 25 und 40 Prozent betroffen, bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch gut die Hälfte. Das Problem ist nur: Die Diagnose Endometriose wird viel zu selten und meistens viel zu spät gestellt.
Die Medizin definiert Endometriose als «Vorkommen und Wachstum von Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter». Solche versprengte Herde von Gebärmutterschleimhaut können in praktisch jedem Organ des Körpers auftreten, am häufigsten jedoch im kleinen Becken. Wie es genau dazu kommt, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel. Am wahrscheinlichsten ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Endometrioseherde reagieren auf die weiblichen Zyklushormone wie normale Gebärmutterschleimhaut und bewirken eine chronische Entzündung. Die Herde können sich weiter ausbreiten und gesundes Gewebe von umliegenden Organen zerstören.
Rund ein Drittel der betroffenen Frauen haben keine Beschwerden, bei allen anderen stehen chronische Unterbauchschmerzen im Vordergrund, die oft kaum auszuhalten sind. Typisch ist eine schmerzhafte Mens oder auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. In anderen Fällen ist unerfüllter Kinderwunsch das einzige Merkmal. Wie kaum eine andere Krankheit wird die Endometriose verkannt. Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose dauert es drei bis elf Jahre. Bemerkenswert ist, dass die betroffenen Frauen selber im Schnitt fast fünf Jahre warten, bis sie überhaupt einen Arzt aufsuchen. Aber auch danach geht der Leidensweg oft weiter. Viele Frauen bekommen bloss zu hören, Schmerzen bei der Mens seien normal.
Die Behandlung muss ganz individuell angegangen werden. Sie hängt in erster Linie davon ab, ob Kinderwunsch besteht oder nicht. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die eingesetzt werden können. Für die chirurgische Therapie eignet sich wiederum die Bauchspiegelung. Entscheidend ist, dass die Behandlung durch ein erfahrenes und eingespieltes Team verschiedenster Fachrichtungen erfolgt.
Therapie
So verschieden sich die Endometriose zeigt, so vielfältig sind auch die therapeutischen Möglichkeiten. Geht es um die Behandlung der Kinderlosigkeit oder steht die Schmerzbekämpfung im Vordergrund? Sollen die Krankheitsherde möglichst radikal entfernt und das Rückfallrisiko bekämpft werden? In jedem Einzelfall muss eine massgeschneiderte Behandlung festgelegt werden. Oft werden chirurgische und medikamentöse Therapien miteinander kombiniert. Die Palette von Medikamenten reicht von einfachen Schmerzmitteln über Gestagene bis hin zu Hormonen, welche die Hirnanhangsdrüse komplett blockieren und den Körper der Frau vorübergehend künstlich in die Wechseljahre versetzten und so die Endometrioseherde austrocknen.
Selbsthilfegruppe Endometriose
Infos & Anmeldung:
Selbsthilfezentrum
Tel. 043 288 88 88
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