Das Duo infernale
Schlafapnoe und Diabetes sind für die Gesundheit eine gefährliche Mischung.
Einen neuen Begriff sollten Sie sich unbedingt merken – das Syndrom Z. Es steht für eine Kombination von Krankheiten, die ursächlich miteinander in Verbindung stehen und zu einem hohen Gesundheitsrisiko führen: Schlafapnoe, Übergewicht, Insulinresistenz beziehungsweise Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte und hoher Blutdruck. Diese letzt genannten Krankheiten wurden bisher unter der geläufigeren Bezeichnung «metabolisches Syndrom» zusammengefasst. Auf Grund neuer Studien zeigt sich aber, dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist. Der andere betrifft die obstruktive Schlafapnoe, also die Atembehinderung während des Schlafs. Heute weiss man: Schlafapnoe ist keinesfalls nur eine Begleiterkrankung bei Herzmuskelschwäche, hohem Blutdruck und Übergewicht, sondern nach neusten Untersuchungen sind auch sehr viele Diabetiker betroffen.
Immer mehr Experten betrachten die Schlafapnoe deshalb als Teil einer Störung, die den gesamten Stoffwechsel umfasst. Gemeinsamer Nenner all dieser Erkrankungen ist die Insulinresistenz, also das verminderte Ansprechen des Organismus auf das körpereigene Insulin. Das erstaunt nicht, wenn man bedenkt, dass Menschen mit Atemstörungen dutzende, oft sogar hunderte Male pro Nacht in Alarmsituationen geraten, in denen unablässig Stresshormone freigesetzt werden, welche den Stoffwechsel auf den Kopf stellen und schliesslich zu Insulinresistenz und damit zu mangelnder Verwertung des Blutzuckers führen können.
Treffen Apnoe und Diabetes aufeinander, ergibt sich eine gefährliche Mischung. Beide potenzieren das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Umgekehrt erhöht ein Schlafapnoe-Syndrom auch das Risiko für Diabetes.
Auch blosser Schlafmangel ohne nächtliche Atemstillstände wird neuerdings als unabhängiger Risikofaktor für Übergewicht und Diabetes verantwortlich gemacht. Bei Menschen mit freiwilliger, wiederholter Schlafverkürzung fand man Störungen im Zuckerstoffwechsel und eine Insulinresistenz, wie sie für Diabetiker typisch sind. Auch das Hungergefühl und der Appetit sind bei Menschen mit chronischem Schlafmangel gesteigert. Als kritische Grenze gilt ein Schlaf von weniger als fünf Stunden.
All diese Erkenntnisse zeigen: Bei Diabetes- Patienten muss gezielt nach Schlafapnoe gefahndet werden. Weil die meisten Diabetiker von Allgemeinärzten, Internisten oder Diabetologen betreut werden, müssen diese explizit nach Symptomen wie Schnarchen, nächtlichen Atempausen und Tagesmüdigkeit fragen. Besonders übergewichtige Männer über 40 und Frauen nach den Wechseljahren sind gefährdet. Eine schnelle Risikoerkennung ist heute mit einer einfachen, ambulanten Untersuchung möglich. Dem Patienten wird eine Nacht lang ein kleines Gerät zur Verfügung gestellt. Es zeichnet alle relevanten Daten über die Atmung auf. Schon am nächsten Morgen wird dieAufzeichnung am praxiseigenen PC vollautomatisch analysiert und interpretiert.
Die nasale Überdruckbeatmung ist die wirksamste und anerkannteste Therapie der Schlafapnoe. Ein Gerät auf dem Nachttisch leitet über eine Atemmaske behutsam Luft in die Atemwege. Diese Luftsäule hält die oberen Atemwege offen und verhindert so den Atemstillstand. Sehr rasch kommt es zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität, oft schon nach der ersten Nacht. Und innerhalb kurzer Zeit vermindern sich Insulinresistenz und Bluthochdruck.
Das müssen Sie über Schlafapnoe und Diabetes wissen:
- Die Zahl der Diabetiker wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
- Schlafapnoe ist stark assoziiert mit Übergewicht, schwer einstellbarem Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Zwischen 5 und 15% der Bevölkerung leiden an Schlafapnoe.
- Mehr als die Hälfte der Patienten mit Diabetes haben Schlafapnoe.
- Bis zu drei Viertel der Übergewichtigen leiden an Schlafapnoe.
- Die meisten Betroffenen wissen nichts von ihrem gefährlichen Risiko.
- Bei der obstruktiven Schlafapnoe kollabieren die oberen Atemwege, und es kommt zur Behinderung des Luftstroms oder sogar zu einem Totalverschluss.
- Lautes Schnarchen und Atemstillstände von mehr als 10 Sekunden Dauer weisen auf diese folgenschwere Erkrankung hin.
Leiden Sie an Schlafpnoe?
Wenn Sie zwei oder mehr der folgenden Fragen mit «Ja» beantworten müssen, sollten Sie Ihren Arzt bitten, eine ambulante Messung der Atmung während des Schlafs zu veranlassen.
- Schnarchen Sie?
- Sind Sie tagsüber häufig müde und unkonzentriert?
- Hat man Ihnen gesagt, dass Ihre Atmung während des Schlafs aussetzt?
- Leiden Sie an Bluthochdruck?
- Kämpfen Sie mit Übergewicht?








