Je nach Risiko
Je höher das Risiko, desto rigoroser muss Cholesterin gesenkt werden.
Je höher das Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag bei einer Person ist, desto höher ist der zu erwartende Nutzen einer Cholesterinsenkung. Deshalb werden heute individuelle Behandlungsstrategien bevorzugt. Gemäss den neusten Leitlinien soll sich die Therapie an Zielwerten orientieren, die umso niedriger sind, je höher das Herz-Kreislauf-Risiko ist.
Im Alltag werden diese Zielwerte oft nicht erreicht, was besonders bei Hochrisikopatienten fatale Auswirkungen haben kann. Untersuchungen zeigen, dass trotz Kenntnis der ungenügenden Situation von ärztlicher Seite zu wenig unternommen wird, die suboptimale Behandlung zu verbessern. Die meisten Patienten erhalten auch weiterhin eine nicht den Leitlinien entsprechende Behandlung.
Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert. Die duale Cholesterinhemmung, die neben einem klassischen Cholesterinsenker auch einen Wirkstoff beinhaltet, welche die Cholesterinaufnahme im Darm hemmt, gewinnt bei der individualisierten Therapie immer mehr an Bedeutung. Studien zeigen, dass sie effektiver sind als eine hoch dosierte Therapie mit einem einzigen Wirkstoff.
Prof. Georg Noll, Leitender Arzt Klinik für Kardiologie am UniversitätsSpital Zürich, über Zielwerte und Cholesterinsenker.
Ab welchen Cholesterinwerten muss sich jemand Sorgen machen?
Der Wert sollte 5 mmol/l oder tiefer sein. Wer gerade über 5 ist, muss sich noch keine Sorgen machen, aber seinen Lebensstil ändern.
Hängt das auch davon ab, ob man sonst noch ein gesundheitliches Problem hat?
Klar. Vor allem, ob man schon unter hohem Blutdruck leidet, Raucher ist, Zucker oder andere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren hat. Oder wenn jemand schon einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag erlitten hat.
Kann man mit Ernährungsumstellung allein das Cholesterin genügend senken?
Das kommt darauf an, wie hoch das Cholesterin ist. Wenn es bei einem gesunden Menschen nur leicht erhöht ist, reichen gesunde Ernährung und viel Bewegung.
Was kann viel Bewegung bewirken?
Dadurch geht das gute Cholesterin in die Höhe, was einen schützenden Effekt auf die Gefässe hat. Das totale Cholesterin wird allerdings nicht verändert.
Ab wann sollte man cholesterinsenkende Medikamente nehmen?
Wenn man eine Herz-Kreislauf-Erkrankung erlitten hat, also nach einem Hirnschlag, einem Herzinfarkt oder bei Arteriosklerose in den Beinen, der Schaufensterkrankheit. Auch Menschen mit erhöhtem Cholesterin, die zusätzliche Risikofaktoren haben, sollten mit einem Medikament behandelt werden.
Muss man die Medikamente ständig nehmen oder kann man sie zwischendurch absetzen, wenn das Cholesterin einigermassen in Ordnung ist?
Nein, sobald man sie absetzt, geht das Cholesterin wieder in die Höhe.
Ein Grossteil der Patienten erreicht nicht die verlangten Zielwerte. Woran liegt das?
Einerseits daran, dass die Zielwerte aufgrund von grossen Untersuchungen in den letzten Jahren immer tiefer angesetzt wurden. Zweitens ist die Mitarbeit der Patienten nicht immer gut. Viele nehmen die Medikamente nicht regelmässig ein. Ein weiterer Punkt ist, dass der Arzt die Behandlung nicht immer in der nötigen Intensität, sprich Dosis und Wahl der Medikamente, durchführt.
Wie wirksam sind Behandlungsalternativen wie die Kombination eines herkömmlichen Cholesterinsenkers mit einem Wirkstoff, der die Cholesterinaufnahme im Darm hemmt?
Es gibt Patienten, bei denen eine Kombinationsbehandlung nötig wird, um die Therapieziele zu erreichen. Dabei sind Medikamente, welche die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmen, hilfreich.
Wie hoch darf man einen Cholesterinsenker dosieren? Gibt es bei hohen Dosen auch Gefahren?
Die Cholesterinsenker werden grundsätzlich sehr gut vertragen und haben wenig Nebenwirkungen. Wie bei jedem Medikament sind höhere Dosierungen mit etwas mehr Nebenwirkungen verbunden. Bei Muskelschmerzen sollte der Arzt konsultiert werden, auch wenn sie meistens harmlos sind.








