Leberflecken
Melanom-Früherkennung, spezifische Krebsmittel und die neuste Generation Sonnencrème.
Prof. Reinhard Dummer behandelt nicht nur Patienten, er ist auch ein vielbeschäftigter Wissenschaftler. An sein schlichtes Büro im Stock F der Dermatologischen Universitätsklinik Zürich reiht sich Labor an Labor mit Forschern aus der ganzen Welt. Unzählige Publikationen in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften hat Dummer verfasst, eine davon hat mit Grüntee zu tun. Mehr dazu werden wir gleich noch erfahren.
Trotz seiner akademischen Laufbahn hat sich der Dermatologieprofessor eine einfache, einprägsame Sprache bewahrt. «Man muss den Patienten nur auf den Po schauen und mit dem Gesicht vergleichen, wenn man wissen will, ob jemand im Umgang mit der Sonne vernünftig war oder nicht», antwortet Dummer auf die Frage, wie sich der hautalternde Effekt der UV-Strahlung wohl am besten erkennen lasse. «Dass viel Sonnenlicht die Haut alt aussehen lässt, ist unbestritten, übrigens genauso wie das Rauchen.»
Völlig offen war bisher – und das ist doch sehr erstaunlich –, ob das Einschmieren mit den Abertausenden Tonnen von Sonnencrème die Menschheit nun wirklich vor dem schwarzen Hautkrebs schützt, wo er doch nicht nur im Hochrisikoland Schweiz, sondern in der ganzen zivilisierten Welt seit Jahrzehnten ständig zunimmt, trotz all den vielen Präventionskampagnen. «Bewiesen war bisher einzig, dass regelmässiges Auftragen von Sonnenschutzmitteln vor weissem Hautkrebs schützt», sagt Prof. Dummer. «Erst dieses Jahr ist nun dieser Nachweis endlich auch für das Melanom, den schwarzen Hautkrebs gelungen, und zwar mit einer Studie, die schon in den 90er-Jahren angelaufen ist. Allem Anschein nach dauert es 20 bis 30 Jahre, bis sich ein besseres Sonnenschutzverhalten auch auf die Melanomhäufigkeit niederschlägt.»
Dummer stellt fest, dass viele Menschen vernünftiger geworden sind, was den Umgang mit der Sonne anbelangt. «Vollbraune Sportler, Schauspieler und Models sieht man heute kaum mehr. Es gibt keine gesunde Bräune. Denn schon die Bräunung ist ein untrügliches Zeichen, dass die DNA, also das genetische Material der Haut, geschädigt worden ist. Unsere Vorfahren wussten das. Ich hoffe, die Werbung kapiert das auch noch.» Bis es soweit ist, wird der schwarze Krebs noch weiter zunehmen. «Das Melanom ist überhaupt nicht unter Kontrolle. Wir können nur hoffen, dass irgendwann die Trendwende kommt.»
Auch die Behandlung des malignen Melanoms war bisher ein düsteres Kapitel in der Onkologie. «Trotz intensiver Forschung gab es in den letzten Jahrzehnten kaum Fortschritte», erklärt Prof. Dummer. «Weder Krebsmedikamente noch immunstimulierende Substanzen hatten einen Einfluss auf die Überlebensrate der Patienten. Einige Melanom-Impfstoffe, von denen man sich viel versprach, verringerten sogar die Überlebenschancen. Jetzt ist mit den neuen Medikamenten ein Durchbruch in Sicht. Dank dem molekularbiologischen Verständnis wird es uns in Zukunft möglich sein, den schwarzen Krebs nicht nur wirksamer, sondern auch individueller und zielgerichteter und somit auch verträglicher zu bekämpfen. Das zeigen auch unsere Studien am Universitätsspital Zürich. Bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen kommt es zu einer Verkleinerung der Metastasen. Das ist ein bis heute nicht gekannter Erfolg.»
Bringt es etwas, wenn die ganze Bevölkerung, wie in Deutschland gefordert, zum Dermatologen geht und sich die Haut auf bösartige Veränderungen untersuchen lässt? «Um Gottes willen, nein! Klasse statt Masse muss die Strategie sein», verneint Dummer entschieden. «Erstens haben wir nicht ansatzweise genug Dermatologen, zweitens wäre so etwas nicht kosteneffizient, und drittens bringen solche Massenuntersuchungen nichts. Wir müssen einen ganz anderen Weg einschlagen als in Deutschland. Bei uns müssen auch die Patienten Verantwortung übernehmen.» Und wie geht das? Dummer: «Jeder muss selber auf seine Haut achten und schauen, ob sich irgendetwas verändert bezüglich Grösse, Dicke oder Farbe oder ob eine Hautveränderung zu jucken oder zu bluten anfängt.» Und was ist mit der ominösen ABCD-Regel, die man uns bisher versucht hat beizubringen? «Es hat sich gezeigt, dass diese Regel zu kompliziert ist. Vor allem die dicken Melanome werden damit verpasst. Man braucht nur den gesunden Menschenverstand und ein ganz klein wenig Beobachtungsgabe.» Und wenn sich etwas verändert hat? «Dann geht man zum Arzt. Das sollten regelmässig auch all diejenigen tun, die mehr als 100 Leberflecken auf ihrer Haut oder Familienangehörige mit schwarzem Hautkrebs haben.»
Wie hält es der Dermatologieprofessor selber mit dem Sonnenschutz? «Ich bin sehr viel im Freien, beim Skifahren oder Tennis oder im Schwimmbad und schütze mich dementsprechend. Aber an die Sonne lege ich mich nie. Dieses Risiko lohnt sich nun wirklich nicht.» Beim Thema Sonnenschutz kommen wir wieder auf den Grüntee, das heisst auf seine pflanzlichen Extrakte. Zusammen mit Kollegen hat Prof. Dummer eine Studie dazu verfasst und Erstaunliches herausgefunden: Der Grüntee enthält Substanzen, welche als Radikalfänger fungieren und die Regenerations- und Reparaturfähigkeit der Haut verbessern. Wie muss man sich das vorstellen? Prof. Dummer: «Jede UV-Belastung setzt die Haut unter Stress. Und je mehr Stress die Haut unterworfen ist, desto mehr Fehler macht sie bei der Stressbewältigung. Die pflanzlichen Wirkstoffe des Grüntees vermögen nun offensichtlich diese Stressantwort zu mildern. Es macht sehr viel Sinn, solche Wirkstoffe in ein Sonnenschutzmittel zu integrieren. Ich bin überzeugt, dass dies die nächste Generation Sonnencrème ist.»
Grüntee und Sonnenschutz
Die pflanzlichen Wirkstoffe des Grüntees haben eine erstaunliche Wirkung. Sie fangen freie Radikale ab, welche für Hautalterung und Hautschäden verantwortlich gemacht werden. Der wissenschaftlich am besten untersuchte Grünteeextrakt heisst OM24. Ein Team um Prof. Dummer konnte zeigen, dass OM24 eine zellschützende und zellregeneriende Wirkung auf die Haut hat.








