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Man kann nicht vorsichtig genug sein

Wie man sich wirksam vor Zecken schützt.

Zwei Dinge hat Simone Niggli-Luder fast schon auf sicher, wenn sie für einen Orientierungslauf an den Start geht: eine Medaille und eine Zecke. Mit 15-mal Gold, einmal Silber und viermal Bronze bei Weltmeisterschaften sowie dreimal Gold und zweimal Silber bei Europameisterschaften ist sie die erfolgreichste Schweizerin aller Zeiten in dieser Sportart.

Zecken fühlen sich auch zur dreifachen Sportlerin des Jahres sehr hingezogen. Mit fünf bis zehn von ihnen macht sie jährlich jeweils eine so innige Bekanntschaft, dass sie zur Pinzette greifen muss, um sie zu entfernen. «Als Orientierungsläufer ist man so viel im Wald, dass es gegen Zecken unbedingt einen guten Schutz braucht», sagt die studierte Biologin. Den Parcours kann sie sich bei einem OL nicht aussuchen. Auch schützende Kleidung – sonst für jedermann ein Muss – kommt für sie im Wettkampf nicht infrage. Die Impfung gegen die gefährliche Zecken-Hirnhautentzündung hingegen ist ein absolutes Muss. «Alles andere wäre fahrlässig», weiss Simone Niggli-Luder. Die Impfung wird vom Verband organisiert, der auch vorbildlich um eine systematische, ständig aktualisierte Information aller Athleten besorgt ist.

Weil die Impfung nur vor der Hirnhautentzündung, nicht aber vor der mindestens so gefährlichen Zeckenerkrankung Borreliose schützt, sucht sich Simone Niggli-Luder nach einem Wettkampf oder Training im Wald unter der Dusche immer gründlich ab. «Mittlerweile weiss ich, an welchen Körperstellen sich die Zecken am wohlsten fühlen.» Findet sie ein Exemplar, wird sie feinsäuberlich mit einer Pinzette entfernt und der Ort in der Agenda genau notiert. «So erinnere ich mich sofort an den Zeckenstich, wenn sich an der Haut irgendetwas verändert.»

Die Mutter der eineinhalbjährigen Malin weiss, weshalb es wichtig ist, nach einem Zeckenstich auf allfällige Hautsymptome zu achten. «Bei mir kam es glücklicherweise noch nie zu Komplikationen. Bei meinem Mann hingegen bildete sich zwei Wochen nach einem Zeckenstich die typische ringförmige Rötung, das Anfangsstadium der Zeckenkrankheit Borreliose.» Unter Antibiotika heilten die Veränderungen rasch ab und blieben folgenlos. Selbstverständlich ist das nicht. Wird die durch Bakterien verursachte Borreliose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, befällt sie ein Organsystem nach dem anderen, seien es die Gelenke oder sogar das zentrale Nervensystem, nicht ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Deshalb empfiehlt die Ausnahmeathletin Menschen, die im Frühling oder Sommer oft in den Wald, in den Garten oder überhaupt gern nach draussen gehen, neben der Impfung auch die Anwendung von geprüften Zeckenschutzmitteln, die auf der Haut und der Kleidung aufgesprüht werden können.

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Panik will Simone Niggli-Luder nicht verbreiten, wenn sie über ihren Umgang mit Zecken spricht. Aber zur Vorsicht mahnen. Weil sich auch die kleine Malin viel im Freien aufhält, hat sie mit ihrer Kinderärztin über die notwendigen Schutzmassnahmen gesprochen.

Dieses Jahr will es Simone Niggli-Luder noch einmal wissen. Im Auge hat sie vor allem eine Medaille an der Weltmeisterschaft in Norwegen im August. Welche es sein wird, ist nicht so wichtig. «Mittlerweile ist Malin unser grosser Goldschatz. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn sie im Ziel wartet. Und ihr ist es egal, ob ich als Erste oder Letzte über die Ziellinie laufe.»

Seit der Geburt ihrer ersten Tochter hat sich im Leben der Nigglis viel verändert. Für Simone und ihren Mann Matthias steht jetzt nicht mehr der Sport, sondern Malin im Mittelpunkt. Der ganze Tagesablauf wird nach ihr ausgerichtet. «Sport ist immer noch wichtig, aber nicht mehr das Allerwichtigste in unserem Leben. Wir haben Verantwortung für dieses kleine Geschöpf. Und die nehmen wir beide voll und ganz wahr.»

Das Ende der Sportkarriere ist abzusehen, die Familienplanung bleibt offen. «Es wäre wunderbar, nochmals Mutter zu werden. Aber das lassen wir in aller Ruhe auf uns zukommen.»

Drucken27.03.2010